Abschiedsreden

Am Ende der Therapiezeit verabschieden sich einige Patienten und Patientinnen in der Vollversammlung mit tollen Abschiedsreden. Wir danken für die Erlaubnis, einige dieser Reden hier zu veröffentlichen.

Bitte öffnen Sie die einzelnen Reden in der nachfolgenden Übersicht.
 

Reden aus dem Jahr 2026

Abschiedsworte aus dem August 2026

Ein Geräusch aus Stille und Leere. Ein Glucksen, das an das Ertrinken erinnert. Betörend wie
der Gesang einer Meerjungfrau, mit trügerischen Versprechen und der Verheißung, sich selbst
in ihren anmutigen Verlockungen zu verlieren.

Du warst der Fluss, der Mauern um mich errichtete. Du hieltest mich in den Depressionen
gefangen, trenntest mich von den Menschen, die ich liebe, und von der Liebe zu mir selbst.
Doch durch dich und die giftigen Gefühle, die du mir mitgegeben hast, habe ich auch etwas
gefunden: den Weg zurück zu mir selbst.

Durch all die Ereignisse und die Tiefe, in der ich mich befand, sehe ich heute das Licht
meiner Zukunft. Und selbst für dich ist noch ein kleiner Funke Licht geblieben. Denn dich
vollständig aus meinen Gedanken zu verbannen oder dir aus dem Weg zu gehen, wird mir
wohl nie gelingen.

Was mir jedoch gelingen wird, ist, mir selbst gegenüber immer ehrlich zu sein und dir mit
Respekt zu begegnen, als Teil meiner Reise zu mir selbst. Mein Verstand und mein Herz
haben gelernt, dich zu akzeptieren.

Ich habe nur eine Bitte an dich:
Erhebe bei deinem Gesang deine Stimme nicht über die meine.
Denn meine Stimme ist wahr.
Sie singt die Wahrheit.
Und deshalb wünsche ich mir Klarheit durch Wahrheit und Wahrheit durch Klarheit, einen
Ort, an dem dein Gesang verstummt.
Dort ist dein Platz.
Sicher verschlossen in deiner Flasche.
Auf dem Weg meiner Reise wurde der eigentliche Grund gefunden, warum meine Gedanken
einst wie ein reißender Fluss voller unzähliger Abzweigungen waren. Es war nicht immer der
Alkohol.

Heute darf dieser Fluss ruhiger werden.
Er verwandelt sich in einen klaren Bach, der seinen Weg gefunden hat.
Nicht gegen den Strom.
Sondern mit ihm.

Ich nehme Abschied.
Nicht von den Erinnerungen.
Nicht von der Dankbarkeit.
Aber von dem Schmerz, den ich so lange mit mir getragen habe.

Dein Reisender, Thomas.

Im Vorfeld möchte ich mich ganz herzlich beim gesamten Hansenbarg-Team bedanken.
Bei der fleißigen Putz- und Wohlfühltruppe, bei all denen, die hier mit Mörtel, Schrauben und
wahrscheinlich manchmal auch einer ordentlichen Portion Improvisationstalent alles
zusammenhalten, bei den Therapeuten, den Mitarbeitern im Hintergrund, der Stiftung, einfach
bei ALLEN!
Sie alle machen hier einen großartigen und unglaublich wichtigen Job.
Lassen Sie sich das bitte auch von uns Patienten nicht ausreden. Wir meckern schließlich
manchmal auf hohem Niveau :-)
Für Ihre Arbeit, Ihre Geduld, Ihr Engagement und dafür, dass Sie diesen Ort zu dem machen,
was er ist: Von Herzen: DANKE!

Ihr Lieben,
wenn ich auf meine Zeit hier zurückblicke, nehme ich vor allem eine Erkenntnis mit:
Wir sind alle mit unterschiedlichen Geschichten hier angekommen.
Mit unterschiedlichen Verletzungen, Ängsten, Fehlern und Gründen.

Aber eines verbindet uns:
Wir hatten den Mut, hinzuschauen.
Wir haben hier Menschen erlebt, die gefallen sind und wieder aufgestanden sind.
Menschen, die geweint, gelacht, gezweifelt, gehofft und gekämpft haben.
Und vielleicht müssen wir am Ende gar nicht als völlig neue Menschen nach Hause gehen.
Vielleicht reicht es, wenn wir als Menschen gehen, die sich selbst ein Stück besser kennen
und die verstanden haben, dass Veränderung nicht bedeutet, nie wieder zu fallen.
Sondern wieder aufzustehen.

Ich wünsche jedem Einzelnen von euch den Mut, ehrlich zu sich selbst zu bleiben.
Den Mut, Gefühle nicht mehr zu betäuben, sondern sie zuzulassen.
Den Mut, Hilfe anzunehmen.
Und vor allem den Mut, das eigene Leben wieder wirklich zu leben.
Denn egal, wie dunkel es hinter uns manchmal gewesen sein mag:
Unsere Vergangenheit erklärt, warum wir hier angekommen sind.
Aber sie entscheidet nicht, wohin wir von hier aus gehen.
Danke für die Begegnungen, die Gespräche, das gemeinsame Lachen und auch für die stillen
Momente.

Passt auf euch auf.
Und wenn der Weg draußen einmal schwer wird, erinnert euch daran:
Wir sind nicht hierhergekommen, weil wir schwach waren.
Wir sind hiergeblieben, weil wir den Mut hatten, etwas zu verändern.
Ich wünsche euch von Herzen alles Gute für euren weiteren Weg.
Und vor allem: Geht ihn.

Abschiedsworte aus dem Sommer 2026

Liebe Anwesende, ----

so fangen große Reden an, aber keine Sorge ich halte es – relativ kurz -, weil es heute heiß ist und noch einige Reden anstehen.

Als ich vor 15 Wochen im eisigsten Winter hier ankam, war meine größte Sorge: Wie schmeckt der Kaffee und/oder gibt es ein Leben ohne. Ansonsten waren meine Gefühle Anspannung und Neugier.

Zu meinem Abschied möchte ich die einzelnen Abteilungen dieser Einrichtung näher betrachten.

Als erstes die medizinische:

Ich bewundere alle Mitarbeiter/-innen hauptsächlich für ihre Engelsgeduld, mit der sie versuchen auch den letzten Patienten davon zu überzeugen, dass es wichtig ist, dass die Medikamente morgens abgeholt werden und es außerhalb der Bedarfe keine Pillen gibt – kein einfacher Job. 

Das Housekeeping macht ebenfalls einen super Job. Trotz Schnee und Eis und – wenn ich mir den Fußboden manchmal angucke - vielen, vielen Fällen von Schüttellähmung, sind alle gut gelaunt und freundlich. Vielleicht sollte man aber einige Mitarbeiter auch darauf aufmerksam machen, dass Schuhüberzieher nicht wirklich was bringen, wenn man damit die ganze Zeit – auch draußen – rumläuft.

Die Küche, tja, die Küche ist ein Thema für sich. Manchmal genervt und grummelig, manchmal sehr redselig (immer an den langen Schlangen zu erkennen), trotzdem bemüht, aus dem schmalen Budget alles rauszuholen. Aber vielleicht sollte es mal eine Gesundheitsschulung geben: Wie man es schafft, Tortellini mit Chicken Nuggets und Sweet-Chili-Sauce als „leichte Kost“ zu verkaufen, wird wohl ein ewiges Geheimnis bleiben. Trotzdem vielen Dank für ihren Einsatz, ich bin immer satt geworden und 4 kg mehr sprechen ja auch eine deutliche Sprache.

Die Verwaltung darf ich auch nicht vergessen. Man bemüht sich sehr in den modernen Zeiten anzukommen. Ich glaube, ich war eine der ersten Patienten, die mit Plink ins digitale Terminzeitalter gestartet ist und wohl die Einzige, die keinen einzigen Absturz des Programms hatte. Ich hoffe für die zukünftigen Rehabilitanden, dass die Verträge mit den Programmierern so ausgestaltet wurden, dass man spätestens nächstes Jahr den Kinderschuhen entwachsen ist. Ich wünsche ihnen ebenfalls, dass sie einen bezahlbaren Provider finden, der ihnen eine SMS-Flatrate bietet, damit das Kontingent nicht immer am Ende des Monats aufgebraucht ist. 
Auch hier mein Dank für die stets freundliche Behandlung – egal welche Schlangen sich hinter einem aufbauen.

Ich merke, ich brauche doch ein wenig länger, denn jetzt komme ich erst in die Therapie-Abteilung.

In der Krabbelgruppe ist natürlich Frau P. (damals noch Frau H.) eine absolute Lichtgestalt. Geballte Informationen in kurzen, aber vollständigen Sätzen laugen zwar aus, aber man vergisst ein aufkommendes Heimweh total – da ist kein Platz dafür. Andere Veranstaltungen in dieser Zeit waren nicht so erquickend: Es braucht zwei Mitarbeiter, um eine über 10 Jahre alte Quarks-Sendung als „Ernährungsschulung“ zu starten – eine, um die Teilnehmer abzuhaken und eine, um den Fernseher zu bedienen. Das Thema der Sendung war übrigens Essstörungen … 

… und dann kam Ergo …
Ich habe noch nie so viele Menschen gesehen, die tun, als würden sie hochkonzentriert arbeiten. Die Angebote sind im Vergleich zu anderen Kliniken zwar sehr beschränkt, aber für mich reichte der Ton, um mich kreativ auszuleben. Das mit dem Brennen hat die Freunde zwar sehr getrübt, aber auch hier mein Dank an die Therapeuten.

… und Physio …
Ich kann euch sagen, am Anfang hatte ich nach der Wirbelsäulengymnastik Muskelkater an Stellen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie Muskeln haben – selbst die von mir immer ins lächerliche gezogene Wassergymnastik verursachte nicht zu vergessende Schmerzen. Letztendlich konnte ich erfolgreich abschließen: ich kann jetzt sogar Rückwärtslaufen.

Die Einzeltherapie war das Highlight. Frau K. – die „Brechstangen-Therapeutin – hat es geschafft, mir jedes Mal etwas zum Denken mitzugeben. Ihre Argumente sind immer so logisch, dass ich ihr – manchmal auch ungern – fast immer Recht geben musste.

Zum Schluss noch die Gruppentherapie. Hier meine ich nicht nur die der Gruppe 4 in den unterschiedlichen Besetzungen (natürlich die beste aller Gruppen), sondern die vielen Gespräche und Albernheiten, die am Raucherpoint oder in der Cafeteria stattgefunden haben. Ihr alle und viele der bereits Gegangenen habt mir gezeigt, dass es Spaß macht aus meinem Schneckenhaus herauszukommen und es sich immer lohnt die Schubladen, in die ich die Leute gesteckt habe, noch einmal aufzuziehen. Einige Schubladen habe ich schnell wieder zu gemacht, aber bei anderen habe ich sehr positive Überraschungen erlebt. Dafür danke ich Euch.

An alle neuen und alten Hasen: Bitte begegnet allen mit Freundlichkeit und Respekt. Lasst Euch auf die Therapie ein, ihr werdet überrascht sein, was alles in Euch und unseren Mitrehabilitanden steckt.

Jetzt werde nach Hause gehen und mein Leben außerhalb dieser Käseglocke meistern, ich habe keine Angst mehr zu fallen, sollte es doch passieren, richte ich mein Krönchen und stehe wieder auf. Alles getreu nach Goethe: Auch aus Steinen, die einem in den Weg gelegt werden, kann man Schönes bauen. 

Birgit H.
Hanstedt, Juni 2026

Eine Abschiedsrede aus dem Frühjahr 2026

Als ich hier ankam, war Winter.

Nicht nur draußen. Auch in mir.

 

Ich erinnere mich noch genau an diesen ersten Tag. An das Gefühl, gescheitert zu sein. An die Scham. An diese leise, aber unerbittliche Stimme in meinem Kopf, die sagte: Jetzt bist du wirklich ganz unten angekommen. Und gleichzeitig war da eine andere Stimme, viel leiser, fast erstickt – die flüsterte: So kann es nicht weitergehen.

 

Alkohol ist ein seltsamer Begleiter. Am Anfang wirkt er wie ein Freund. Er tröstet, beruhigt, macht mutiger, lockerer, stärker – oder zumindest glaubt man das. Er verspricht Leichtigkeit und nimmt einem unbemerkt immer mehr. Erst kleine Dinge. Dann große.

 

Er hat mein Leben verändert.

Meine Liebe.

Meine Freundschaften.

Meinen Beruf.

Meine Freizeit.

Und vor allem: mich selbst.

 

Ich habe geliebt – und gleichzeitig zerstört.

Ich hatte Freunde – und habe sie enttäuscht.

Ich hatte Verantwortung – und bin ihr nicht gerecht geworden.

 

Und irgendwann war da diese Verzweiflung. Dieses unglücklich sein mit sich selbst. Dieses Gefühl, morgens aufzuwachen und sich selbst nicht mehr sehen zu wollen. Nicht in den Spiegel. Nicht in die Augen der Menschen, die einem noch geblieben sind.

 

Das ist das Dilemma eines Alkoholkranken:

Man weiß, dass es schadet. Man spürt, dass es zerstört. Und trotzdem greift man wieder danach. Zwischen Scham und Verlangen. Zwischen Einsicht und Kontrollverlust. Zwischen „Ich höre auf“ und „Nur noch einmal“.

 

Sich einzugestehen, dass man Hilfe braucht, ist vielleicht einer der schwersten Schritte überhaupt. Weil es bedeutet, die Illusion von Kontrolle loszulassen. Weil es bedeutet, zu sagen: Ich schaffe es nicht allein. Und das tut weh. Sehr.

 

Aber ich habe diesen Schritt gemacht.

Nicht nur für mich.

Sondern auch für die Menschen, die trotz allem noch da waren.

 

Mein Partner.

Meine Freunde.

Meine Familie.

Meine Weggefährten.

 

Menschen, die ich belogen habe. Die ich enttäuscht habe. Und die trotzdem an mich geglaubt haben, als ich es längst nicht mehr konnte. Die Hoffnung hatten, als ich nur noch Leere gespürt habe. Ohne euch wäre ich nicht hier.

 

Die erste Zeit hier war schwer. Einsam. Still.

Man ist viel allein – vor allem mit sich selbst. Und das ist vielleicht das Schwierigste. Mit einer Gedankenwelt, die unsortiert ist. Die Angst macht. Mit Erinnerungen, die man lange betäubt hat.

 

Hier gibt es keinen Alkohol, der die Kanten weichzeichnet.

Man muss hinsehen.

Sich selbst ansehen.

 

Und sich diesen Anblick gut einprägen.

 

Ich habe hier Seiten an mir gesehen, die mir nicht gefallen haben. Egoismus. Verdrängung. Angst. Aber ich habe auch etwas anderes gesehen: Erschöpfung. Tiefe, ehrliche Erschöpfung. Und dahinter – einen Menschen, der einfach nur nicht mehr konnte.

 

Ich habe gemerkt, dass ich hier nicht allein bin. Jeder von uns kam mit seiner eigenen Geschichte. Mit anderen Brüchen, anderen Verlusten, anderen Kämpfen. Und doch waren wir uns so ähnlich. Wir haben unsere Geschichten geteilt. Unsere Scham. Unsere Rückfälle. Unsere kleinen Siege. Wir haben voneinander gelernt.

 

Eine ganz besondere Rolle in diesen fünf Monaten hatte meine Therapeutin. Von Anfang an war da Vertrauen. Ich konnte mich einlassen. Reden. Weinen. Zweifeln. Sie hat mich gebremst, wenn ich mich selbst überfordert habe. Sie hat mich aufgefangen, wenn ich gefallen bin. Sie hat mir neue Blickwinkel gezeigt – nicht alle schön, nicht alle leicht. Aber ehrlich.

 

Stück für Stück habe ich begonnen zu verstehen.

Mich zu verstehen.

 

Warum ich getrunken habe.

Was ich betäuben wollte.

Wovor ich geflohen bin.

 

Und heute – fünf Monate später – bin ich kein anderer Mensch geworden. Aber ich habe in mir jemanden wiedergefunden, den ich lange vermisst habe. Einen Menschen, den ich wirklich mag. Der ich sein und bleiben will.

 

Ich gehe hier nicht als „geheilt“.

Ich gehe als jemand, der gelernt hat, hinzusehen.

Der weiß, dass er Hilfe braucht – und sie annehmen darf.

 

Der Weg endet hier nicht.

Hier fängt er an.

 

Ich weiß, es wird Momente geben, die schwer werden. Tage, an denen die alte Stimme wieder laut wird. Aber ich nehme etwas mit von hier: Ehrlichkeit. Werkzeuge. Erinnerungen. Und die Gewissheit, dass ich nicht allein bin.

 

Und an euch, die ihr vielleicht noch am Anfang steht:

Ich wünsche euch die Kraft, euch selbst auszuhalten. Die Geduld, euch kennenzulernen. Und den Mut, euch helfen zu lassen. In jedem von uns ist jemand, der es wert ist, gefunden zu werden.

 

Ich habe meinen Weg wiedergefunden.

Für mich.

Und für all die Menschen, die mich nicht haben fallen lassen.

 

Danke.

Eine Abschiedsrede aus dem Frühling 2026

Hallo Ihr alle, 

dass ich heute hier vor Euch allen stehen würde, um meine Abschiedsrede zu halten, hätte ich mir noch vor ein paar Wochen überhaupt nicht vorstellen können. 

Doch jetzt steh ich hier, um mich nun, nach fast 15 Wochen bei Euch und dem Hansenbarg-Team zu verabschieden. 

Ich muss sagen, es fällt mir wirklich schwer 

Als ich hier am 02. Dezember ankam, war ich sehr unsicher und hatte große Angst vor dem, was auf mich zukommen würde. Ich konnte mir nicht vorstellen, 13 Wochen hier zu sein. 13 Wochen das klingt echt lange. 13 Wochen, weit weg von zu Hause, weit weg von meinen Liebsten. Das Neue und Ungewisse hat mich echt fertig gemacht. Aber, was soll ich sagen, ich wurde hier vom ersten Moment an gleich super aufgenommen. Vor allem, von meiner Gruppe 4, die mir sehr viel Halt gab und auch vom Hansenbarg-Team. Hier wurde ich freundlich in Empfang genommen, mir wurden meine Ängste genommen und so mein Start total erleichtert. 

Die Zeit hier ist vergangen wie im Flug. Mir kommt es vor, als wäre ich erst gestern hier eingezogen. 

In dieser Zeit habe ich viele tolle Menschen kennenlernen dürfen. Für Einige von Ihnen bin ich sehr dankbar. 

Ich war gerade zwei Wochen hier, da wurde hier eine große Weihnachtsfeier veranstaltet. Das war ein perfekter Tag. Es gab leckeres Essen, Kaffee, Plätzchen. Super war die Livemusik der Band und die vielen Darbietungen, die mit so viel Liebe und Freude vorgetragen wurden. 

Weihnachten und Silvester habe ich hier verbracht. Ich war ohne meine Familie und fühlte mich alleine. Aber ich war nicht alleine. So viele liebe Menschen haben sich sehr viel Mühe gegeben und dazu beigetragen, uns trotz der schweren Zeit, schöne Feiertage zu bereiten. Sogar mit Bescherung am Heiligabend und dank unserem D. hatten wir Silvester sogar ein tolles Feuerwerk. Nicht zu vergessen sind die beiden Gruppenausflüge meiner Gruppe, an denen ich teilnehmen konnte. Ich hatte so viel Spaß, wie lange nicht. Und ja, es geht auch ohne Alkohol 

Zu mir kann ich sagen, dass ich hier viele schöne Momente hatte, aber auch ganz oft Zeiten, in denen es mir überhaupt nicht gut ging. Hier wurde ich immer aufgefangen, wenn ich nach Hilfe fragte oder mir einfach meinen Kummer von der Seele reden wollte. Irgendjemand war immer für mich da. 

Hier habe ich endlich zu mir selbst gefunden, so viel über mich erfahren und mich neu kennengelernt. 

Ich habe sehr sehr viel gelernt: in den Gruppen, den Gesprächen der Gruppe 4 und durch Herrn K.. Der mich sehr engagiert durch meine Zeit hier im Hansenbarg begleitet hat. Ihm hab ich vertraut und er konnte mir in so vielen Dingen die Augen öffnen. Außerdem hatte er immer gute Ratschläge für mich parat. Vielen lieben Dank dafür. 

Neben meinem vielen Gepäck, nehme ich einen großen Rucksack voller Werkzeug für mein neues Leben mit nach Hause. Ich nehme mein Leben jetzt selbstbestimmend in die Hand und erobere mir meine Freiheit zurück, die der Alkohol mir genommen hatte. 

Ich bedanke mich beim gesamten Team vom Hansenbarg, welches mit so viel Mühe und Menschlichkeit versucht, uns das Leben hier so angenehm wie möglich zu gestalten, außerdem bei der besten Gruppe – 4, bei Frau S. aber vor allem bei Herrn K.. 

Jetzt hab noch eine kurze Sache, die ich Euch mit auf den Weg geben möchte: 

 

Nimm Dich selbst ernst. Nicht perfekt, sondern echt. 

Wie ein Kind, das mit schmutzigen Knien, klarem Blick 

und erstaunlich viel Mut durchs Leben geht. 

Selbstachtung ist kein Luxus. 

Sie ist das feste Schuhwerk der Seele. 

Ohne sie stolpert man ständig über fremde Erwartungen 

und wundert sich, warum es so anstrengend ist. 

Also lächle, lass Dich nicht unterkriegen und sag: 

Ich bin nicht perfekt, aber ich bin echt. 

Und das reicht völlig. 

 

In diesem Sinne wünsche ich Euch alles Gute. 

Danke für´s Zuhören und - TSCHÜß

Eine Abschiedsrede aus dem Frühling 2026

Zwei Partner gestorben, in kürzerer Zeit.

Dafür war meine Psyche Leider nicht bereit

 

Mein Suchtgedächtniss hielt meine Hand

Das Gefühl war warm und alt bekannt

 

Unkontrolliert griff ich zur Flasche,

das war mein Ding und meine Masche

 

Doch die verstorbenen sind nicht gekommen

Und ich stand da ganz benommen.

 

Das Leben muss aber weitergehen

Drum bin ich hier mal wieder stehen.

 

Ein zweiter Anlauf musste her

Mit Gruppen, Therapie und vieles mehr

 

Durch das Hansenbarg Team und gute Leute,

Stehe ich mit Kraft hier vor Euch heute.

 

Ich bitte euch, nutzt die Zeit

Damit für Draußen ihr seid bereit.

 

Und solltet ihr scheitern, denkt daran,

es ist eine Krankheit, fangt noch mal an.

 

Der Hansenbarg wird für euch hier sein,

das Hansenbarg Team lässt euch nicht allein

 

Kommt zurück, macht bitte nicht dicht.

Ich war zurück und bereue es nicht.

Eine Abschiedsrede aus dem Winter 2026

Moin!

Ich bin W., noch 53 jahre alt und trotz der 13x Wochen Langzeittherapie noch Alkoholiker.

Als ich über meine Abschlussrede nachgedacht habe, fielen mir plötzlich folgende Sätze aus der Jugend ein.

Ja! diesem Sinne bin ich ganz ergeben,
Das ist der Weisheit letzter Schluß:
Nur der verdient sich Freiheit wie das Leben,
Der täglich sie erobern muß.

Die Freiheit bedeutete und bedeutet für mich nichts anderes als die volle Unabhängigkeit von Allem und allen. Und wat nu mit 53 Jahren? Diagnosen: F10.2 und F17.2 - Chronische Abhängigkeiten vom Alkohol und Tabak. Endstation.

Die Reise der Selbsterkenntnis dauerte meines Erachtens zu lange.
-    Vor 12x Jahren bemerkte ich, dass ich mich mit Paar Drinks mehr amüsieren kann als mit einem Buch/Film/Sport/Reisen oder Freund.
-    Vor 5x Jahren war ich noch überzeugt, dass ich die Sucht allein bekämpfen kann.
-    Vor einem Jahr war ich mir sicher, dass die kurzen Entgiftungen je 2x Wochen Alles regeln werden...

… bis Sommer 2025. Da war Schluss mit „lustig“. Psychisch und physich am Ende ist mir klar geworden, dass „die Zeit ALLEIN heilt nicht die Wunden“.  

Lange Rede, kurzer Sinn => Ab dem 9. August 2025 startete ich den Weg der Abstinenz: 
-    Erstmals 1x Monat qualifizierter Entzug.
-    Im Anschluss eine abstinente 2,5-monatige Wartezeit (des Antrag an die DRV für die Langzeittherapie)
-    Ab Ende November 2025 bis heute – FKH Hansenbarg

Rückblickend, war das die besteEntscheidung der letzten 12 Jahren um den langen Weg der Abstinenz mit professioneller Hilfe antretten zu können und wollen.  

Ich danke herzlich dem ganzen Hansenbarg-Team für die Proffessionalität, Mühe und Hingabe! Insbesondere: Frau H., Herrn W. und Herrn M. Sie haben mich mit den Werkzeugen und Fähigkeiten ausgestatten um die Krankheit in Griff zu bekommen. Jetzt liegt es an mir - diese konsequent und quasi täglich zu nutzen.

Ich danke einigen Mitpatieneten für den offenen und ehrlichen Austausch. Ich gebe es zu, dass ich die anderen Meinungen nie wirklich geschäzt habe… im Hansenbarg habe ich erkannt, wie wichtig die Gruppe ist. Also, geht es die nächsten 12x Monaten mit der ambulanten Weiterbehandlung, die eine Selbsthilfegruppe sowie Einzelgeschpräche mit einem Therapeuten behinhalten, weiter.

Am vergangen Mittwoch habe ich von der Tagesmenü-Taffel folgenden Spruch geschnappt:

Beginne, wo du bist.
Nutze, was du hast.
Tu, was du kannst.

Kurz, knapp und verständlich.. Ich finde es sehr passend zum Beginn eines neuen Lebensabschnittes.

Und zum Schluss, fast musikalisch :-), beende ich meine Rede mit einem Songausschnitt:

It's a new dawn
It's a new day
It's a new life
For me
And I'm feeling good!

Dieses Gefühl wünsche ich jedem hier.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

Reden aus dem Jahr 2025

Eine Abschiedsrede aus dem Winter 2025

Dreizehn Wochen lang

durfte ich hier einen Weg gehen,

der mich gelehrt hat, mich wieder selbst zu sehen.


Ich habe Ruhe gefunden,

in mir und um mich herum.

 

Und mein Blick auf die Welt

ist wieder offen, freundlich und hell.


Mein tiefer Dank gilt denen,

die diesen Ort mit Leben füllen:

dem Reinigungsteam,

das jeden Tag Sauberkeit geschaffen hat,

dem Küchenteam

das uns mit Herz bekocht hat,

dem Physioteam,

das meinen Körper fast wieder fit gemacht hat

und dem Therapeutenteam

das mir eine neue Sicht geschenkt hat.


Von Herzen danke ich auch euch,

allen Rehabilitantinnen und Rehabilitanten.

Es waren tolle Gespräche und neue Gedanken.

 

Und ein besonderer Dank geht an meine Gruppe - 

die mir so sehr nah geworden ist.

 

Wir haben gelacht, geweint und geschwiegen,

und sind trotz allem immer lustig geblieben.

 

Ihr habt mich berührt, begleitet und bereichert –

und ich trage ein Stück von euch in mir weiter.

 

Außerdem danke ich meinem Ehemann,

der hinter mir steht,

mich hält, mich liebt

und mir zeigt,

dass jeder Neuanfang leichter ist,

wenn ein vertrauter Mensch mitzieht.

 

Jetzt gehe ich weiter –

gestärkt, getragen

und mit einem neuen Licht in mir.

 

Danke für diese Zeit,

die hoffentlich für immer in mir bleibt.

Eine Abschiedsrede aus Juni 2025

Vor 4 Monaten habe ich mich auf die Reise gemacht, um mich meiner Suchtkrankheit zu stellen und den Ursachen auf den Grund zu gehen.
Nach dieser langen Zeit blicke ich mit großer Dankbarkeit auf die Erfahrungen und Erkenntnis der letzten Wochen/Monate zurück, die wir hier zusammen oder ich für mich allein sammeln konnte(n).

Eine Erkenntnis ist: Sucht Kommt nicht von Drogen, oder auch Genussmitteln wie viele verharmlost genannt werden, sondern von erstarrten Gefühlen, verdrängten Bedürfnissen und/oder unerfüllten Träumen. - Oder auch von einer Neurodiversität, wie Sie hier bei mir glücklicherweise im Zuge der Suchttherapie diagnostiziert wurde (ich habe ADHS). 

Was ich auch gelernt habe: Wir Suchtkranken haben mehr gemeinsam, als die Substanzen, Substanzkombinationen und deren Mengen, die wir konsumiert haben, uns unterscheiden.
Nämlich unsere Bedürfnisse und unsere Gefühle.

Ich bin mir sicher, wenn ich weiter lerne, meinen Gefühlen und meinen Bedürfnissen genügend Beachtung zu schenken und diese vor allem auch zu artikulieren und anderen mitzuteilen, wird es mir gelingen, zukünftig ein zufriedeneres und glücklicheres Leben zu führen, als bisher. 
Und damit mein Leben auch abseits von Suchtmitteln genießen zu können.

Marshall Rosenberg, Erfinder der gewaltfreien Kommunikation, sagte mal so schön und treffend:
„Wenn wir die Gefühle und Bedürfnisse des anderen hören, dann erkennen wir die Menschlichkeit, du uns verbindet“.

Eine große Herausforderung in dieser schnelllebigen und für mich gefühlt immer oberflächlicher werdenden Zeit.

Wir sind alle soziale Wesen und benötigen Gesellschaft (die wir hier im Hansenbarg auch haben), in der wir alle respektvoll miteinander umgehen sollten. Respekt bedeutet: Wertschätzung, Achtung und Anerkennung gegenüber anderen zu zeigen. 
Da, wo die persönliche Freiheit des Nächsten anfängt, da hört meine persönliche Freiheit auf.
Respekt nehmen kommt von Respekt geben und nicht anders herum: Wenn man anderen gegenüber respektlos ist, kann man nicht erwarten, dass einem Respekt entgegengebracht wird.

Aus diesem Grund habe ich riesigen Respekt vor allen Mitarbeitern des Hansenbargs, die ihrer täglichen harten Arbeit an, für und mit uns, mit viel Respekt, Hingabe und großer Menschlichkeit nachgehen.

Dankbar bin auch auch für die wertschätzenden Impulse und Ideen, die ich in dieser Zeit von meinen Wegbegleitern (ca. 100 dieser Wegbegleiter - i.S.v. Mitpatienten - sind schon nicht mehr hier in Behandlung) erhalten habe. 
Einen besonderen Dank möchte ich an dieser Stelle meinen „Therapie-Kollegen“ der Gruppe A und unseren beiden Therapeuten widmen.

Für mich auch neu und verrückt ist (ich habe das hier zuvor bei anderen Mitpatienten gesehen und bewundert): ich danke auch mir selbst, dass ich mich auf diesen Weg gemacht und mich meiner Suchtkrankheit gestellt habe, mir dieser bewusst geworden bin, mir Hilfe gesucht habe und mich offen und ehrlich auf die Therapie eingelassen habe.

Durch diese nicht ganz so leichte Arbeit konnte ich wieder besseren Zugang zu mir selbst, meiner Selbstachtung und vielen meiner Gefühle, vor allem aber meinem Selbstwertgefühl, erhalten.
Und das natürlich nur mithilfe von Euch, den Mitpatienten, sowie dem Pflege-, Betreuungs- und Therapeutenteam des Hansenbargs und allen Personen die diese Einrichtung hier so toll am Laufen halten.

Ab einem gewissen Alter bin ich nicht mehr das Produkt meiner Umgebung oder meiner Erziehung, also irgendwelcher äußeren Einflüsse. 
Es ist meine persönliche Entscheidung, wie ich lebe.
Irgendwann wird das Festhalten an meiner Vergangenheit zur Ablenkung von meiner Zukunft.
Meine Heilung ist meine Verantwortung, Wachstum ist meine Entscheidung.
Ich übernehme entweder die Verantwortung für mein Leben oder werde zum Gefangenen meiner Ausreden und Vorwände - so wie ich es bisher immer gut gekonnt habe.
Die Wahrheit ist: Niemand wird mich retten! Es liegt lediglich an mir, die Person zu werden, die für sich selbst einsteht und sein Leben in die Hand nimmt.

Ich wünsche Euch allen weiterhin Alles Gute & viel Erfolg!

Eine Abschiedsrede von Anfang 2025

Ich weiß noch wie ich am 13. Juni 2024 hier ankam. Total aufgeregt, voller Angst, Scham und Unwissenheit, was auf mich zukommen wird.

Einen Tag später, noch komplett reizüberflutet, direkt 'ne Vollversammlung mit einigen Verabschiedungen.

Eine davon werde ich nie vergessen. Ich kann zwar nicht wiedergeben was sie sagte, aber wie sie es sagte...

...voller Vertrauen in sich selbst, Willenskraft und ausstrahlender Stärke. Ich dachte nur "boa, die hat's geschafft, das will ich auch!" - total kurios am zweiten Tag und ich muss geschaut haben wie ein kleines Kind, das gerade seine Füße entdeckt.

Es klappte ca. zwei Monate ganz gut, bis zu meinem ersten Rückfall, der zweite folgte und am 19. August 2024 trennten sich unsere Wege.

Aber ich wusste, ich darf wiederkommen.

Drei Monate später stand ich wieder auf der Matte. Bei der Ankunft auf dem Parkplatz wusste ich nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Mit war flau im Magen; ich wusste diesmal zwar, was auf mich zukommt, aber andererseits kamen auch die unschönen Erinnerungen und Gedanken zum Vorschein - am liebsten wäre ich einfach gerannt.

Das legte sich relativ schnell. Frau F. nahm mich direkt in den Arm als würde ich zum Inventar gehören und die erste Frage vom Küchen Team war "warste auf Belastung oder biste wieder da?".

Besser hätte die Begrüßung nicht sein können und meine Bedenken wieder hier zu sein, legten sich dementsprechend schnell.

Frau H., WA

Ohne Sie wären die ersten zwei Wochen ziemlich öde...

...und da ich hier das ein oder andere Mal Sport gemacht habe, soll ich auch Frau G. und Frau B. ganz lieb von meiner Wirbelsäule grüßen...Nein im Ernst, Sie machen echt einen tollen Job.

...und wenn ich schon einmal dabei bin, den macht hier wirklich jeder einzelne von Euch, ganz großes Kino!

Aufs Leben hochgerechnet sind insgesamt fünf Monate nicht wirklich viel, doch fünf Monate einen Berg hochgehen, dabei zu stolpern und die gegangenen Meter, trotz brennenden Waden und Schmerzen wieder einzuholen, schon.

Ich sehe sie jetzt, die Spitze naht und die letzten Meter gehe ich voller Neugier, Freude und Aufregung. Ich bin mir sicher, es wird sich lohnen und ich kann die Aussicht genießen.

Meinen Rucksack lasse ich dort, runter nehme ich die Seilbahn, lehne mich zurück und kann unten angekommen zu meinem Muskelkater sagen "es hat sich gelohnt".

Es hat sich auch mehr als gelohnt, für sich selbst einzugestehen und Hilfe anzunehmen. Ehrlich zu mir selbst und den Menschen die ich liebe zu sein.

Menschen, die immer, trotz all' dem Weh und den Sorgen hinter mir stehen und ebenfalls nicht aufgegeben haben.

Mit Ihnen darf ich jetzt gemeinsam die Aussicht genießen, sie ist klar, ohne Filter und mein größtes Geschenk.

Frau M.

Ich habe lange überlegt, wie ich das Wort 'Danke' anders formulieren kann...und dann lag da so ein Schokoriegel vor meiner Nase.

Es gibt ja die Nutri Score Skala - und alles was leider ziemlich gut schmeckt, wie zum Beispiel dieser Schokoriegel, bekommt ein dickes, fettes E.

Isst man den "geilen Scheiß" aber nur 1x in der Woche, vergisst man ziemlich schnell das dicke, fette E und haut sich die volle Dröhnung mit Genuss rein.

Von Ihnen habe ich die besten 13 (+) Schokoriegel die ich jemals gegessen habe, geschenkt bekommen.

Danke !

Reden aus dem Jahr 2024

Eine Abschiedsrede aus September 2024

Liebe Mitpatientinnen und Mitpatienten, liebe Therapeuten, Küchenhelden, Hauswirtschaftsengel, Physio-Genies, Haustechniker und all ihr großartigen Menschen, die diese fünf Monate zu einer unvergesslichen Zeit gemacht haben und mich durch die Höhen und Tiefen begleitet haben – oder besser gesagt, durch die Achterbahnfahrt meines Lebens.

Ich stehe hier, nach 20 langen Wochen, nach fünf Monaten voller Höhen, Tiefen und dazwischenliegenden Momenten, und kann es selbst kaum fassen. Denn, ganz ehrlich: Wer hätte gedacht, dass ich hier eines Tages vor euch stehe und wirklich auf meine Zeit in der Langzeittherapie zurückblicke? Und das mit einem Lächeln im Gesicht! Aber wie sagt man so schön: "Machen ist wie wollen, nur krasser!" Und Leute, glaubt mir, hier wars wirklich krass!
Und ich habe so viel zu sagen, dass ich kaum weiß, wo ich anfangen soll.

Meine Reise begann offiziell am 14. Mai 2024, aber eigentlich startete sie schon am 20. Juni 2023, als mein Opa, mein Fels in der Brandung, starb. Sein Tod war wie ein Erdbeben in meinem Leben und hat mich völlig aus der Bahn geworfen. Ich, der sich bis dahin immer für einigermaßen stabil hielt, stürzte ab. Und wie habe ich diesen Sturz abgefedert? Mit unzähligen Kartons Wein und noch mehr Flaschen Vodka. Es war ein Wunder, dass ich mich überhaupt noch an irgendwas erinnern konnte. Aber mein Körper, der alte Quälgeist, erinnerte mich schnell daran, dass Alkohol keine Lösung ist – Dann kam der Tag, an dem er schließlich sagte: „Reicht jetzt!“ – Zittern, Atemnot, Schweißausbrüche, ein wilder Cocktail aus Schmerzen, der mich glauben ließ, ich würde gleich den Löffel abgeben. Aber was machte ich? Genau, ich „tankte nach“, denn das war ja mein bester Trick, um die Symptome zu „lindern“. Spoiler: Hat nicht funktioniert.

Anstatt mir einzugestehen, dass ich Hilfe brauchte, griff ich jedes Mal zu meiner „Lösung“ – also noch mehr Alkohol. Der Gedanke, einen Arzt aufzusuchen oder gar mit anderen Menschen über mein Problem zu reden, war so abwegig, wie morgens um 5 Uhr nüchtern ins Bett zu gehen. Es war die Hölle.

Eines Tages, ich weiß nicht mehr genau wann, in einem Nebel aus Alkohol und Scham, griff ich zum Telefon. Der Held meiner eigenen Geschichte, rief ich meinen Hausarzt an und sagte: „Ich glaube, ich muss ins Krankenhaus.“ Mit 2,86 Promille im Blut und einem Gamma-GT-Wert, der jedes Chemielabor stolz gemacht hätte, marschierte ich ins AK H.. Drei Wochen qualifizierte Entgiftung, Leute. „Qualifiziert“ ist hier das Schlüsselwort, denn was folgte, war die absolute Hölle. Aber, wie ich heute weiß, war es der erste Schritt in ein neues Leben.

Dann kam endlich der Tag, an dem ich im Hansenbarg ankam. Was soll ich sagen? Es fühlte sich an wie der erste Tag in einer neuen Schule – nur mit gefühlt einer Million Regeln. Und natürlich – weil es hier offenbar Tradition ist – musste alles kompliziert sein: kein Sport in den ersten zwei Wochen (was für eine „Erleichterung“, ich war ja so fit), nur ein Raucherplatz (Horror für den Kettenraucher in mir), und die Krönung: Cola- und Schwarzteeverbot auf den Zimmern. Das war für mich, als hätte man mir das letzte Stück Freiheit genommen. Ich dachte nur: „Zum Glück trinke ich keinen Kaffee.“

Aber lasst uns ehrlich sein: Es war nicht alles schlecht. Schon in der ersten Woche durfte ich als Beobachter den berühmten Fachtag erleben. Ihr müsst wissen, das ist hier so eine Art „Hansenbarg auf Steroiden“-Tag. Das ganze Gelände wurde aufgehübscht, und ich dachte, „Wow, das machen die nur für mich? Nett!“ Sogar Wasser im Pool – ich meine, was geht hier ab?!  Wird das hier mein neues Leben? Glamour und Poolpartys? Drei Tage hier und schon dachte ich, ich wäre im Wellness-Urlaub gelandet.

Und dann war da diese Krabbelgruppe mit Frau H. Ja, das war der Einstieg in meine therapeutische Reise. Und um ehrlich zu sein, hätte ich es mir nicht besser vorstellen können. Frau H., (wenn Sie das hier hören): Danke für Ihre Geduld und Ihre unfassbare Energie, uns allen zu zeigen, dass man auch in der Hölle tanzen kann.

Ach ja, der 4. Tag war einer für die Geschichtsbücher. Mein Mitbewohner wurde vom Verdacht auf Norovirus getroffen, und was passierte? Ich wurde aus dem Zimmer verbannt. Aber natürlich nicht einfach so. Nein, in einem Ganzkörperanzug, mit Handschuhen, Schuhüberziehern, Schutzbrille und Maske musste ich meine Sachen räumen. Ich sah aus, als wäre ich direkt aus dem letzten Star Wars -Film gesprungen. Pack deine Sachen und zieh um, hieß es. Und, was soll ich sagen? Sein Unglück war mein Glück. Denn ab diesem Tag war ich stolzer Besitzer eines Einzelzimmers mit Balkon! Ein kleines Stück Luxus mitten im Chaos.

Was ich in den folgenden Wochen gelernt habe, war so viel mehr als nur „nüchtern bleiben“. Es war die Reise zu mir selbst. Eine ganz neue Diagnose kam dazu: ADHS. Und lasst mich euch sagen, das war ein Gamechanger. Das „Duracell-Häschen auf Speed“ Es hatte endlich einen Namen. Es war, als hätte ich plötzlich verstanden, warum mein Leben bisher eine einzige Achterbahnfahrt war – und ich saß ganz vorne im Wagen, ohne Sicherheitsgurt. Nun kann ich mich darauf konzentrieren nicht verkehrt zu sein, sondern Neurodivergent oder Neurodivers.

Ich durfte auch viele extra Aktivitäten organisieren: Mario Kart Turniere (eins haben wir nicht ganz fertig gespielt, aber hey, es zählt!), die Fußball-EM auf der Großbildleinwand, Kinoabende, Billardturniere – alles, was uns geholfen hat, den Alltag etwas bunter zu gestalten.

Die Arbeitstherapie in der Cafeteria war für mich wie ein Urlaub. Ich meine, ehrlich, es war eher Erholung als Arbeit. Die „Mütze ab“-Debatte mit Frau F. war allerdings eine echte Herausforderung. Mein innerer Rebell wollte einfach nicht nachgeben. Aber Frau F., ich danke Ihnen für die großartigen Diskussionen über alles Mögliche, von der richtigen Dosiermenge von Kaffee bis hin zu neuen Eissorten und Colabestellmengen. Es war lehrreich und – ja – manchmal anstrengend, aber es hat Spaß gemacht.

Dann war da noch die „Bambusbjörn-Gruppe“ – beim Kartenspielen, Knüffeln, Stricken und Häkeln haben wir nicht nur die Zeit, sondern auch den Stress vergessen. Es war eine Art Therapie innerhalb der Therapie.

Ein riesiges Dankeschön geht auch an Herrn L. und sein Küchenteam. Ihr habt dafür gesorgt, dass ich jeden Tag genug Energie hatte, um diese Therapie durchzustehen – und das ist wirklich eine Meisterleistung.

Und die Hauswirtschaft? Absolute Spitzenklasse! Dank ihnen glänzte dieses Haus an sieben Tagen die Woche wie ein OP-Saal – und glaubt mir, das hat uns allen gutgetan.

Die Physio war ein Highlight. Von Bogenschießen über Curling bis hin zu Volleyball – es gab immer Action. Und dann natürlich die Rückenschulung mit Frau G. Ich dachte kurzzeitig, wir sind hier in einem Bootcamp, aber am Ende habe ich es überlebt – und meine Wirbelsäule hat es mir gedankt.

Besondere Erwähnung verdient mein Therapeut, Herr D. Ja, ich weiß, ich kann manchmal anstrengend sein – ADHS halt – aber Sie haben mich immer auf Kurs gehalten, mir den Kopf gewaschen, wenn es nötig war, und mich in die richtige Richtung geschubst. Danke für Ihre Geduld, Ihren Rat und Ihre Klarheit. Ohne Sie wäre ich nicht da, wo ich heute bin.

Und natürlich darf ich nicht vergessen, Herrn K. zu danken, der in nur drei Sitzungen Dinge erreicht hat, die ich niemals für möglich gehalten hätte. Sie haben einen riesigen Unterschied in meiner Therapie gemacht, und dafür bin ich unglaublich dankbar.

Als ich hierherkam, hatte ich einen festen Plan: Keine Freundschaften. Ich wollte mich ganz auf mich selbst konzentrieren. Nun, das hat nicht ganz geklappt. Denn ich habe hier so viele wunderbare Menschen kennengelernt. Aber besonders zwei von euch möchte ich hervorheben: S und J. Ihr seid nicht nur Freunde geworden, sondern eine echte Bereicherung für mein Leben. Ich bin unendlich dankbar, dass es euch gibt!

Zum Ende hin möchte ich noch etwas vorlesen, das ich in der dritten Woche meiner Anfangszeit hier schreiben durfte, meinen Abschiedsbrief an den Alkohol….

Der Alkohol ob Bier, ob Wein,
er wird geschluckt, immer hinein,
bis er vom Geiste nimmt Besitz,
die Augen groß, die Nase spitz,
ich bin fast blau, die Welt ist schön,
dann woll'n wir mal nach Hause geh'n.

Auch harte Drinks sind voller Tücke,
der Kopf ist leer, es klafft ne Lücke,
ach noch ein Bier, das geht wohl rein,
ein kleines noch, dass muss doch sein,
es rumort im Bauche und im Geiste,
der Mund geht auf, raus kommt nur Scheiße.

Nun ist's genug, jetzt bin ich blank,
die Taschen leer, nichts auf der Bank.
Die Arbeit, Haus und Frau sind weg,
Bei Müdigkeit kein Schlaf im Bett,
Der Alkohol hat mich vernichtet,
drum ist dies nun an dich gerichtet:

Alkohol du böser Geist, auch wenn du mich zu Boden reißt,
versuchst du es auch zehnmal wieder,
ich bleib stehn‘ und reiß‘ dich nieder,
denn ab jetzt sauf ich nie wieder!

Zum Schluss möchte ich sagen, dass ich hier nicht nur jede Menge über den Alkohol und die Sucht gelernt habe, sondern vor allem über mich selbst. Ich habe gelernt, was Achtsamkeit wirklich bedeutet – auch wenn ich das Wort jetzt eine Weile nicht mehr hören möchte – und wie wichtig es ist, sich selbst zu lieben.

Denn am Ende des Tages bin nicht nur ich, sondern auch ihr alle gut so, genau wie ihr seid. Lasst euch das nie nehmen!

In diesem Sinne: Danke, dass ihr Teil dieser verrückten Reise wart. Danke, dass ihr mich begleitet habt. Bleibt großartig, bleibt euch treu, und wir sehen uns.
Denn „Machen ist wie wollen, nur krasser!” – und ich habe es gemacht!

Eine Abschiedsrede aus dem Herbst 2024

Liebe Mitpatient*innen und liebes Hansenbarg-Team,
ich bin M. und bin nunmehr vor 17 Wochen hier angekommen. Montag ist mein letzter Tag hier. Heute stehe ich hier vor euch, um Abschied zu nehmen – ein Moment, der mir viele Emotionen beschert. Freude, Stolz, Dankbarkeit aber auch Wehmut. Es war eine intensive und lehrreiche Zeit und ich möchte diesen Augenblick nutzen, um einige Gedanken mur euch zu teilen.

Nach meiner ersten Reha im Jahr 2021 dachte ich, ich hätte den Weg bereits gemeistert, doch ich habe einen entscheidenden Fehler gemacht: Ich habe keine Nachsorge betrieben. Ich war mir sicher, ich könne das alles alleine bewältigen. Diese Einstellung hat mich bereits in die Sucht getrieben und ich habe mich selbst überschätzt und überlastet.

Heute weiß ich, dass das, was nach der Reha kommt genauso wichtig ist wie die Reha selbst. Im Oktober 2021 habe ich folgende Zeilen geschrieben, mit dem festen Wunsch abstinent zu leben: „Bevor ich anfing zu trinken war ich eine Naturgewalt, das Feuer, ein Orkan, ein stürmischer Ozean mit tobenden Wellen. Mit Alkohol bin ich nur ein verlorenes Schiff auf weiter See und ohne Captain. Wieder ohne Alkohol, wer bin ich nun? Wer will ich sein? Die See, das Schiff, der Wind? Wieder das Feuer? Ich will wieder Captain auf dem Schiff meines Lebens sein!“

Um in diesem Bild zu bleiben: Es hat in den letzten drei Jahren neun Entgiftungen, zwei Langzeittherapien und unzählige Stunden bei Selbsthilfegruppen, viel Zeit, viele Anläufe, viel Schweiß und viele Tränen gekostet. Ich habe mich mit über 40 wieder die Karriereleiter vom Schiffsjungen zum Captain hochgearbeitet. Heute stehe ich hier und sehe diese Reha als eine Art Abschluss, einer wichtigen Etappe auf meinem Weg. Und ich freue mich, dass ich diesen Abschnitt nun mit meinem „Captains-Patent“ abschließen kann. Ich bin bereit, das Ruder meines Lebens wieder selbst in die Hand zu nehmen.

Dabei war ich jedoch nicht allein. Ohne die großartige Unterstützung, die ich hier erfahren habe, wäre ich heute nicht an diesem Punkt. Ich möchte mich von Herzen beim gesamten Hansenbarg-Team bedanken. Eure Toleranz, eure Begleitung und Unterstützung haben einen riesigen Unterschied gemacht. Ein besonderer Dank gilt meinem Therapeuten Herrn W., der mich während dieser Zeit auf Augenhöhe und mit viel Toleranz begleitet hat. Auf Frau K. und Frau E. möchte ich danken – Sie hatten immer ein offenes Ohr für mich. Auch an Herrn E. der als Chefarzt nahbar, menschlich, freundlich und kompetent ist. Ebenfalls einen großen Dank an Frau Dr. C., die mich ärztlich kompetent begleitet hat und ich danke dem gesamten Küchenteam, das mir auch spät noch etwas zu Essen bereitgestellt hat, selbst kurz vor Ladenschluss. Ein großes Dankeschön an Frau H., die wohl coolste und engagierteste Sozialarbeiterin ist, die ich kennenlernen durfte, sowie an Frau Dr. Sch. mit ihrer freundlichen Art und Ihrer hohen Fachkompetenz. Und nicht zu vergessen Frau F., die beste Chefin die ich je hatte – vielen Dank für alles.

Auch möchte ich mich bei meiner Gruppe 3 bedanken. Ihr habt mir in allen Lebenslagen mit Rat und Tat geholfen und dafür werde ich immer dankbar sein. Natürlich habe ich hier auch über meine Gruppe hinaus viele wunderbare, liebe und starke Menschen kennengelernt. Jeder von euch hat mir auf seine Weise etwas mitgegeben und dafür sage ich Danke. Besonders möchte ich hier C., B., M., J. und S. für die tolle Zeit und das Miteinander danken.

Alles in allem bin ich sehr glücklich und dankbar, dass ich hier im Hansenbarg sein durfte. Diese Zeit hat mir gezeigt, was wirklich wichtig ist und ich werde mein Bestes tun, mein Leben so zu gestalten, dass ich glücklich und im Reinen mit mir selbst bin.

Zum Abschluss möchte ich euch ein Zitat mit auf den Weg geben, dass mir besonders am Herzen liegt: „Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten.“

In diesem Sinne: Seid mutig, offen für Veränderungen und lasst euch nicht von Rückschlägen entmutigen. Ich wünsche euch alles von Herzen nur das Beste auf eurem Weg!

Alles Gute und vielen Dank!

Eine Abschiedsrede aus dem Herbst 2024

Hallo zusammen,
am Montag ist es soweit, nach 13 intensiven Wochen hier im Hansenbarg stehe ich jetzt vor euch, und es ist Zeit, mich zu verabschieden. Und ganz ehrlich, Abschiede sind absolut nicht mein Ding aber wie wir alle hier lernen und gelernt habe, muss man sich unangenehmen Dingen stellen.

Die Zeit hier ist wirklich wie im Flug vergangen. Das liegt vor allem daran, dass ich hier großartige Menschen kennenlernen durfte. Es kommt mir vor, als ob ich erst gestern bei meiner ersten Vollversammlung stand und sagte: „Hallo ich bin C. und ich bin alkoholkrank.“

Zack, das hat gesessen – vor ungefähr 100 Leuten so ein Outing hinzulegen, das war schon eine Hausnummer. Es hat sich seltsam angefühlt aber gleichzeitig auch irgendwie richtig. Als hätte ich mir vorher nie wirklich bewusst gemacht, wie tief das Problem tatsächlich ist. Dann stehe ich da, und plötzlich ist alles so klar.

Die folgenden Wochen waren anstrengend – kein Zweifel. Aber sie waren auch schön und unglaublich lehrreich. Was ich besonders geschätzt habe, war die Ehrlichkeit die überall in der Luft lag. Wir sind alle aus demselben Grund hier, und das hat uns die Scham voreinander genommen. Es gab keine Masken, keine Fassaden, nur echte Menschen mit echten Problemen und dem gemeinsamen Ziel besser zu werden.

Ein riesiges Dankeschön geht an das gesamte Hansenbarg-Team, ohne euch wäre all das hier nicht möglich gewesen. Besonders möchte ich Herrn K. erwähnen, ein Mann der es versteht, einem wirklich auf die Pelle zu rücken. Mit seiner aufdringlichen Art hat er es geschafft, einiges aus mir herauszuholen was ich vorher tief in mir vergraben hatte. Es war nicht immer angenehm, oft war es sogar verdammt schmerzhaft aber genau diese Momente haben mich weitergebracht. Danke Herr K. für Ihre Beharrlichkeit.

Und dann gibt es da natürlich noch meinen Zimmerkollegen M. Wir sind seit Tag eins zusammen und ich muss sagen, es war eine echt gute und lustige Zeit mit dir. Ich kann mir gut vorstellen das wir uns auch nach der Therapie ab und zu sehen werden. Ich werde dich vermissen. Selbst deinen Wecker werde ich vermissen, den Wecker der von dem ganzen Hansenbarg gehört wurde, außer von dir. Eine Stunde lang volle Lautstärke und zu schnarchst einfach weiter – unglaublich.

Und dann ist da noch meine B., die Frau mit der dreckigsten Lache die der Hansenbarg je gehört hat. Du bist eine großartige, humorvolle Frau und ich bin wirklich froh das ich dich kennenlernen durfte. Deine Lache wird mir definitiv fehlen.

Wie schon gesagt, Montag endet also diese intensive, schöne Zeit und ich weiß, dass ich noch lange daran zurückdenken werde. Es sind durchweg schöne Erinnerungen die ich mitnehme. Aber die große Frage ist natürlich: Was kommt hiernach? Werde ich mit dem Druck und dem Leben draußen klarkommen? Ich habe beschlossen, an meine Willenskraft zu appellieren und hoffe, dass sie mich tragen wird.

Zum Abschluss möchte ich noch ein paar Zeilen aus einem Lied meiner Lieblingsband vortragen, die ich besonders treffend finde:

Wenn du wirklich willst, versetzt du Berge. Wenn du wirklich willst, werden aus Riesen Zwerge. Wenn du wirklich willst, heilen deine Wunden. Wenn du wirklich willst, werden aus Stunden Sekunden. Wenn du wirklich willst, lernst du fliegen. Wenn du wirklich willst, lernst du dich lieben. Wenn du wirklich willst, gehst du den weglosen Weg.
Sei du selbst. Steh zu dir. Die Wahrheit wird gelebt und nicht doziert. Du bist was du warst und du wirst sein, was du tust. Beginne dich zu lieben und du findest was du suchst. Alles was du wissen willst, alles was du suchst, findest du in dir. Denn du bist was du tust. Bohr in deinen Wunden. Mach dir klar das du noch lebst. Finde dich selbst, bevor du innerlich verwest. Wenn du wirklich willst, veränderst du dein Leben. Wenn du wirklich willst, lernst du zu vergeben. Wenn du wirklich willst, lernst du an dich zu glauben. Wenn du wirklich willst, öffnest du dir die Augen. Wenn du wirklich willst, wird Großes klein. Wenn du wirklich willst, werde ich bei dir sein. Wenn du wirklich willst, baust du ne Leiter zum Mond.

Mit diesen Worten möchte ich mich von euch verabschieden, euch alles Gute für eure Zukunft wünschen.

Bleibt gesund und trocken.

Abschiedsrede Chefarzt Dr Stracke auf der Vollversammlung am 31.07.2024

Liebe Patient:innen und Mitarbeiter:innen,

letzte Woche fielen mir beim Duschen die passenden Themen und Worte ein, die ich Ihnen heute an diesem ganz besonderen Tag nicht vorenthalten möchte.

Diese ist meine kurze Verabschiedungsrede nach 22 Jahren Hansenbarg und nicht nach nur 94 Tagen ( die für Sie im Flug vergehen werden ), die Sie hier  für sich nutzen können ( wenn Sie wollen ) .

Seit dem ersten Mai diesen Jahres bin ich per Rentenbescheid auf dem Papier aus meiner Tätigkeit ausgeschieden , am 16 Mai auf einem Fachtag formell und  habe aber noch das Eintreten von meinem Kollegen und Nachfolger Herrn Evertz überbrückt und ihm die Unterstützung geben können, die für einen guten Übergang notwendig war, sich mit den „Spezialitäten des Hauses“ besser auszukennen.

Ansonsten ist Herr Evertz ja bestens mit allen Aspekten der Suchtkrankenhilfe im Reha Bereich und andernorts seit Jahrzehnten vertraut und hat sich dort schon viele Sporen verdient. Aus diesem Grund bin ich in den letzten drei Monaten auch nicht mehr Vollzeit vor Ort gewesen und so auch nicht mehr auf den letzten 6 Vollversammlungen ( VV ), die bekanntlich  immer an einem  Freitag stattfinden, den ich mir als scheidender Chefarzt  in Teilzeit aber schon freinehmen konnte ( Stau vor dem Elbtunnel besonders in der Urlaubszeit ).

Auf den anderen VVs der letzten 22 Jahre  habe ich Ihnen als letzter Redner Informationen über die Situation in der Klinik gegeben, damit Sie Orientierung und Transparenz hatten, warum wir bestimmte Dinge so handhaben, wie wir sie handhaben, was notwendig ist, um hier reibungslose Verläufe hinzubekommen, warum wir den einen nach Rückfall entlassen mussten, einen anderen oder andere aber nicht ( und dies natürlich nur so weit, das die Schweigepflicht gewahrt blieb ). Wo ich auf Ihre Anfragen, Bedürfnisse und auch Kritiken eingehen konnte, damit Sie sich gesehen fühlen konnten …

Dies war mir immer wichtig, Sie zu sehen von Mensch zu Mensch und Ihnen Orientierung zu geben, denn Orientierung ist ein menschliches Grundbedürfnis und etwas, was Ihnen oft durch Ihre Suchtproblematik  und Ihre Lebensgeschichte abhandengekommen ist.

Ich sehe Sie in diesem „Format“  heute zum letzten Mal (vielleicht später in Form von Nachsorgegruppen, die in HH stattfinden werden in einem großen Hamburger Versorgungszentrum für Psychotherapie).

Kennengelernt habe ich Sie ( und „ Sie „ hier stehen jetzt für alle Menschen, die als Patient:innen „gesehen“ habe ) und Ihre Lebensgeschichten und die so entstandenen Suchtprobleme an unterschiedlichen Orten in der Suchtkrankenhilfe in Hamburg und va in Hanstedt.

Sie haben mir schon als junger Assistenzarzt sowohl im Drogenentzug im Klinikum Nord Ochsenzoll oder im Alkoholentzug an der Uni Klinik HH Eppendorf das Vertrauen geschenkt, Ihre Situation verbessern zu können.

Sie haben sich auf mich eingelassen und ich habe versucht, auf Augenhöhe Ihre Problematiken zu verstehen und Sie bei der Bewältigung zu unterstützen.

Als Oberarzt habe ich die Tagesklinik Alstertor, die auch viele von Ihnen kennen, inhaltlich ausgestaltet und mit meinen damaligen Mitarbeitenden an das  Versorgungssystem angeschlossen. Damals eine ganz neue Form von Versorgung, die sich viele damals noch gar nicht vorstellen konnten („wie kann man denn Süchtige in einer Tagesklinik behandeln, die trinken doch nur sowieso abends wieder …“).

Die Praxis hat mir andere Erfahrungen gebracht, nämlich, dass auch diese Versorgungsform so wichtig ist             und für viele den Einstieg in Hilfsangebote zunächst erleichtern

Ich habe mich so immer von den Bedarfen und den daraus folgenden Notwendigkeiten „meiner“ Patienten leiten lassen.

Denn ich habe immer aus ihren Lebensgeschichten gelernt und so viele Erfahrungen sammeln können. Das war die Basis meiner beruflichen Weiterentwicklung.

Ich habe ihnen dann später an diesem Ort versucht, das (zurück) zu geben, um wieder in ein zufriedeneres Leben zu kommen, das, was den Kern unserer Behandlung hier ausmacht und von dem ich immer überzeugt war, dass diese wissenschaftlich fundierte Vorgehensweise Ihnen hilft, besser mit Ihren Problemen klarzukommen.

Das ist das Bedürfnis nach Orientierung,

nach Kontrolle,

dass Vertrauen in sich und die Abbau von Scham für das, was passiert ist in einer guten therapeutischen Bindung wiederzufinden. In einer guten Atmosphäre des ganzen Hauses und einem wertschätzenden Umgang sämtlicher Mitarbeiter untereinander und mit Ihnen.

Um so wieder Spaß am Leben zu kriegen (Grundbedürfnis nach Lustgewinn).

Und das auf Augenhöhe und gegenseitigem Respekt.

Und noch mal damit es besser bei Ihnen hängen bleibt:

Sie haben mich durch Ihre Lebens – und Leidensgeschichte erfahren gemacht, in dem Sie mir Ihr Vertrauen geschenkt haben. (ja, ein Geschenk, gerade auf der Basis ihrer oft schlechten Lebenserfahrung) und damit haben auch Sie und gerade auch Sie mich zu dem gemacht, der ich geworden bin.

Danke dafür und noch mal für Ihr Vertrauen, das sich auch darin zeigt, dass Sie diese Klinik, diesen Ort und die Menschen, die hier arbeiten ausgewählt haben, um Sie bei der Bewältigung Ihrer Probleme zu unterstützen.

Ich danke Ihnen dafür und wünsche Ihnen für Ihren Weg aus der Abhängigkeit alles erdenklich Gute! Geben Sie nie auf!

Ein zufriedeneres Leben ist möglich.

Eine Abschiedsrede aus 2024

Eigentlich habe ich mir zu Anfang meines Aufenthaltes hier gesagt, dass ich zu meinem Abschied einfach nur auf Wiedersehen sagen werde. Ich bildete mir ein, mir werden ganz einfach die Worte fehlen und die Zeit hier würde mein Denken und Fühlen nicht beeinflussen oder verändern.
Ich kam im Januar hier im Hansenbarg an. Die Fahrt hierher verlief völlig wortlos. Es war dunkel, verschneit, neblig und kalt. Ja, fast schon unheimlich. Ich war völlig verunsichert und fragte mich die ganze Zeit, was soll ich eigentlich hier? Ich soll ein Alkoholiker sein? Einer von denen, bei dem die Eltern im Kindesalter schon beim Hinsehen mit den Worten: „Guck da nicht so hin, das sind Asoziale!" schimpften? Ich wollte einfach nur weg, die freundliche Aufnahme hier konnte daran nichts ändern.

Es vergingen so 2 bis 3 Wochen und ich lebte mich so langsam ein. Als ich eines Tages mal wieder im Wald spazieren war und mich von Musik beschallen ließ, zuckte ich plötzlich zusammen, Es war eine Liedzeile eines Songs meiner Lieblingsband. Eine Liedzeile, die ich zuvor schon hunderte Male gehört, doch nie wahrgenommen habe.

Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. Dieses eigentliche Zitat von Franz Kafka machte mich nachdenklich und ich begann meinen Aufenthalt hier zu durchleuchten. Welchen Weg bin ich zu oft gegangen, um letztendlich hier zu landen? Ich ging in meinem Leben immer schnurstracks geradeaus, stets Vollgas. Beladen mit Depressionen, schrecklichen Erlebnissen, Trauer, Verlusten und Stress im Job. Es gab Kreuzungen auf diesem Weg, da standen Hilfsangebote und Menschen, die mich liebten und es - immer noch tun. Sie boten mir jederzeit ihre Ohren und Hilfe an, aber ich ließ sie links und rechts liegen, ich wollte die Abkürzung geradeaus, denn wenn ich geradeaus lief, wartete ein Glas Wein auf mich. Der Wein schmeckte vorzüglich, er ließ mich für den Abend den Stress und all den Kummer vergessen, er verschaffte mir ein wohliges Gefühl. Wozu also reden oder gar Hilfe in Anspruch nehmen, wenn das auch ein Glas Wein schafft?

Dieser Weg schien perfekt für mich, jahrelang. Ich lief also immer weiter geradeaus und verschwendete keinen Blick nach links oder rechts, denn hinter jeder Kreuzung wartete ein Glas Wein, mit dem ich mich dann im Bastelzimmer vergnügte. Aus einem Glas wurden dann irgendwann zwei. Auch okay, dachte ich. Aus den zweien wurden schließlich drei, und irgendwann war es eine ganze Flasche. Wenn ich alleine zuhause war, waren es manchmal auch zwei. Niemand ahnte etwas von der heimlichen Liebschaft mit meinem Wein, niemand, nicht einmal meine Frau. Die· Heimlichtuerei hat mich zu einem verdammt guten Schauspieler gemacht. Doch irgendwann klappte es mit dem Abschalten nicht mehr so schön wie anfangs. Im Gegenteil, die Depressionen waren wieder da, wurden immer stärker und unerträglicher. Ich veränderte mich, wurde ein Nervenbündel. Stets gereizt und fast schon cholerisch. Ich wurde traurig und kalt, war ungerecht anderen gegenüber und vernachlässigte meine Frau. Ich zog mich immer mehr zurück, hatte keine Freude an nichts und dem Leben mehr, Hobbys wurden zum Zwang. Letztendlich blieb ich sogar liegen, auch wenn ich eigentlich ins Büro gemusst hätte.

Da war er also mein Weg, -mein persönlicher Weg, der mich in den Hansenbarg führte.

Alleine wäre ich zu dieser Erkenntnis nie gekommen. es war die angenehme Ruhe hier, die viele Zeit, die man hier für sich und zum Nachdenken hat. Es waren die unzähligen Einzel- und Gruppentherapiesitzungen, die stundenlangen Abende in der Werkstatt des Ergo Gebäudes. Es waren die gemeinsamen Spieleabende, die offenen Gespräche mit vielen von euch. Eure persönlichen Wege, von denen ihr erzählt habt. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle hier, und vor allem ein riesengroßes Danke an meine Gruppe 4 und meinen Bezugstherapeuten Herrn K., der es nicht immer leicht mit mir hatte. Danke.

Am 30. April sind 16 Wochen für mich rum. 16 Wochen, die mir gezeigt haben, dass Alkoholiker keine asozialen Menschen sind, wie meine Eltern es immer behauptet haben. Im Gegenteil, ich habe hier nur tolle Menschen kennengelernt, die dieses Stigma nicht verdient haben, 16 Wochen, die mir geholfen haben zu akzeptieren, dass ich ein Alkoholiker bin, und keine Charakterschwäche ist. 16 Wochen, in denen mir mit nüchternem Kopf bewusst wurde, dass ich doch noch Lust und Freude im Leben habe. 16 Wochen, in denen ich mein echtes·, wahres Lachen zurückbekommen habe. Dank ihm lache ich wieder von selbst und nicht auf Knopfdruck, um eine Fassade aufrechtzuerhalten. Aber auch 16 Wochen, in denen es schmerzliche und weitreiche Veränderungen im privaten Leben gab. Ich werde sehr lange an diese Zeit zurückdenken und hoffentlich nie vergessen, wie anstrengend diese Zeit auch für alle Beteiligten war.

Mir wurde klar, dass es an der Zeit ist, einen neuen, anderen Weg zu beschreiten. Einen Weg, der neu sein wird, aber nicht bei Kilometer null beginnt. Er begann bereits hier im Hansenbarg, von hier aus wurde die Richtung des neuen Weges in mühsamer Arbeit bereits vorgegeben, und Begrenzungen wurden abgesteckt. Es wird nicht leicht werden, diesem neuen und holprigen Weg zu folgen und nicht wieder abzukürzen. Auch werde ich auf diesem Weg früher oder später meinen bisherigen Weg kreuzen, die größte Herausforderung wird dann daraus bestehen, nicht aus Bequemlichkeit oder Leichtsinn darauf abzubiegen.

Bevor ich jetzt jemanden vergesse, bedanke ich mich beim kompletten Hansenbarg Team, bei jedem Einzelnen. Schön, dass es euch gibt und macht weiter so. Danke an unser Suchthilfesystem, ohne diesem würde es den Hansenbarg so in seiner Form nicht geben.
Zu guter Letzt noch einmal ein Dankeschön an euch. Nutzt diese Zeit hier und findet euren Weg, lasst euch helfen und unterstützen auf diesem zu bleiben.

Abschiedsrede aus 2024

Als ich zum 2. Mal im Hansenbarg eintraf, war ich erstmal erleichtert es endlich geschafft zu haben, denn die zuvor liegenden 3 Jahren verliefen völlig anders als geplant.

Eigentlich hätte ich schon gut 24 Monate vorher hier eintreffen müssen. Vor allem im Sommer war der Plan und nicht im kalten Schmuddelwetter… aber durch die Diagnose Krebs zweier Angehöriger übernahm ich die Pflege meiner Oma… Zusammen mit Pflegedienst und Palliativ Team bemühten wir uns, um das bestmögliche zu gestalten.

Das war gerade in den letzten 8 Wochen alles andere als einfach. Ich war dann 24 Std vor Ort. Was das bedeutet, können einige sich bestimmt vorstellen.

Zuvor schon belastet mit Alkohol, Depressionen, Verlust von Arbeit, dem Führerschein, meinem geliebten Auto und so weiter… übernahm ich mich mal wieder und ging abermals über meine Grenzen hinweg. Das hatte zur Folge, dass ich im Anschluss völlig neben der Spur, mal wieder ordentlich gesoffen habe.

Die PKL in Lüneburg schrieb meinen Aufnahmebericht inzwischen auswendig. 22 x allein in LG und diverse Entgiftungen in verschiedenen Krankenhäusern seit 2010, so dass ich stand heute mehr als 40 Entgiftungen und mit dem kommenden Dienstag meine 4. Langzeitentwöhnung beende.

(scheinbar ein hoffnungsloser Fall?) Ich hörte Stimmen, die sagten (also echte Stimmen), was unterhältst du dich denn mit dem …? So viele Entgiftungen… der bekommt eh nix mehr auf die Kette, was kann er dir denn noch Wichtiges erzählen…? oder ich weiß schon wie das funktioniert. Einfach aufhören, muss es nur wollen. Wenn das eine Antwort bei „wer wird Millionär“ gewesen wäre, wäre in diesem Fall vermutlich trotz 4 Joker, bei 50 € Schluss gewesen. Aber mal ehrlich: Am Anfang meiner Suchtkarriere habe ich das eine oder andere Mal wohl ähnlich gedacht…

Aber wir alle wissen, dass es um so viel mehr geht…

Naja, … die Frage ist schon erlaubt: Was hat sich denn jetzt verändert? Nach 16 Wochen….

Vielleicht ein Gefühl oder eine Wahrnehmung, … Dankbarkeit, niemals aufgegeben zu haben, dass ich trotz meiner Fehler, Unzulänglichkeiten, Schwächen und einem großen Vogel… ich mir selbst verzeihen darf und kann und dass ich womöglich, … eigentlich … ganz ok bin.

Aber zu der Frage: …

Es wurden z.B. die richtigen Fragen, neue Fragen gestellt und es ergaben sich daraus neu, andere und bessere Antworten im Bezug auf mich, meine Suchtverlauf, Hintergründe, Vergangenheit, Traumata… usw. Kurz gesagt, es ergab sich ein roter Faden für mich, ein möglicher neuer Weg diesen Suchtkreislauf endlich wirklich zu durchbrechen.

Alles ganz schön und ich hatte einen Plan:

Bis zu dem Tag an dem ich dachte, ich könnte ja mal das Antidepressivum reduzieren…. Lief ja bis jetzt alles schön… Einfach mal probieren… Autschn!

Das ging ja mal völlig in die Hose mit den entsprechenden Symptomen, wie keine Lust auf nix, Schlafen ist die beste Medizin usw.

Zum Glück hat sich das wieder eingerenkt… knapp 4 Wochen hat’s gedauert. Also…

Es war nicht nur angenehm hier im Hansenbarg, ich sag es so wie es war. An einigen Tagen hatte ich massive Zweifel, ob ich das durchhalte ohne Rückfall. Aber ich bin stolz, keinen Rückfall erlitten zu haben.

Mit dem Wissen natürlich im Hintergrund, dass ich hier gut aufgehoben war, immer jemand da war, der einem zuhört und mit Rat und Tat zur Seite stand.

An dieser Stelle natürlich einen riesen Dank an das gesamte Personal und an alle Mitpatienten, mit denen ich wichtige und gute Gespräche haben durfte.

Warum erzähl ich euch das? Seid mutig und bleibt, … denn ganz egal, wie die Dinge laufen…

Es zählt nicht, wie oft du hinfällst, es zählt nur das DU immer einmal mehr aufstehst!

Es lohnt sich immer!

Vielen Dank
(und… welcher Verrückte hat das Klavier hier her geschoben…)

Eine Abschiedsrede aus 2024

Bei den NAs gibt es den Begriff der Kapitulation. Damit ist der Zustand gemeint, an dem man körperlich und psychisch so am Boden ist, dass man die Einsicht bekommt: ich schaffe das nicht alleine. Ich komme alleine gegen meine Sucht, gegen meinen Schmerz, gegen meine Leere nicht an. Ich brauche Hilfe.

Ich glaube, das ist ein ganz entscheidender Punkt: die Einsicht, dass man Hilfe braucht und dass das auch ok ist, dass das nichts mit Versagen zu tun hat.

Ganz im Gegenteil: wir alle hier können stolz auf uns sein, dass wir diesen Schritt gegangen sind, uns Hilfe zu holen.

Ich möchte mich beim ganzen Hansenbarg-Team bedanken für die Unterstützung, die ich hier bekommen habe. Danke.

Eine aktuelle Abschiedsrede

Zu Anfang möchte ich euch ein Kapitel aus einem wunderschönen kleinen Buch vorlesen, das ich beim Stöbern hier wieder entdeckt habe: DER KLEINE PRINZ - einige aus meiner Gruppe kennen den Text bereits.
Vorweg: Der kleine Prinz stammt von einem sehr kleinen Asteroiden. Auf der Suche nach Freundschaft, Liebe, Vertrauen und Menschlichkeit führt ihn seine Reise zur Erde über sechs Planeten, wo er auf verschiedene seltsame Persönlichkeiten trifft. Diese ist eine davon:

Den nächsten Planeten bewohnte ein Säufer. Dieser Besuch war sehr kurz, aber er tauchte den kleinen Prinzen in tiefe Schwermut.
"Was machst du da?” fragte er den Säufer, den er stumm vor einer Reihe leerer und einer Reihe voller Flaschen sitzend antraf.
“Ich trinke.” antwortete der Säufer mit düsterer Miene.
“Warum trinkst du?” fragte ihn der kleine Prinz.
“Um zu vergessen.” antwortete der Säufer.
“Um was zu vergessen?” erkundigte sich der kleine Prinz, der ihn schon bedauerte.
“Um zu vergessen, dass ich mich schäme.” gestand der Säufer und senkte den Kopf.
“Weshalb schämst du dich?” fragte der kleine Prinz, der den Wunsch hatte, ihm zu helfen.
“Weil ich saufe!” endete der Säufer und verschloss sich endgültig in sein Schweigen.
Und der kleine Prinz verschwand bestürzt.
Die großen Leute sind entschieden sehr, sehr wunderlich, sagte er zu sich auf seiner Reise.

Die SCHAM. Jeder von uns kennt sie wohl und weiß, wie groß, umfassend und vielschichtig sie sein kann. Und jeder von uns weiß, wie eng Scham und Sucht miteinander verbunden sind. Es ist nicht nur die Stigmatisierung von außen durch unsere Gesellschaft, sie steckt natürlich auch in uns selbst, selbstgemacht.

Vor achteinhalb Jahren nach meinem ersten Hansenbarg-Aufenthalt dachte ich, ich hätte sie einigermaßen im Griff, genauso wie die Suchterkrankung. Mithilfe der Therapie konnte ich Hintergründe identifizieren, warum das Trinken begann. Familiäre Vorbelastungen, traumatische Erfahrungen, eine bis dahin unentdeckte psychische Erkrankung und dazu noch viel Stress und viel Druck. Ich war so stolz!

Leider habe ich es unterschätzt: Dieses Wissen allein hat nicht genügt, um abstinent zu bleiben.
Ich habe wohl an mir gearbeitet! Aber es hatte sich eben viel verändert. Ich habe nun mal nicht mehr alles geschafft wie früher, musste lernen, mit meiner psychischen Erkrankung zu leben, musste 70% Schwerbehinderung akzeptieren, es fehlte an Stressresistenz, Arbeitsversuche schlugen fehl.
Und ich habe immer noch zu viel verdrängt, in die beliebten Schubladen gepackt und zugemacht.

Irgendwann kam die fehlende Ernsthaftigkeit dazu, weiter in dem notwendigen Maße an mir zu arbeiten. Der Schlendrian zog ein.
Vor vier Jahren war die Sucht wieder stärker. Nur einmal musste ich DAS ALLES wegtrinken und mich belohnen. Obwohl ich es natürlich besser wusste. Dass der erste Schluck einer zu viel ist. Dass der Satz “Ich krieg’ das wieder in den Griff!” nicht greifen konnte. Obwohl ich meinen Seelenmenschen mittlerweile an den Alkohol verloren hatte. Obwohl ich eine Ausbildung zur Genesungsbegleiterin begonnen hatte, die mich richtig begeisterte.
Der Teufelskreis begann wieder, die Scham war wieder da, noch viel größer. Wieder hatte ich nicht nur mich enttäuscht, sondern auch mein Umfeld. Ich hatte es nicht geschafft, nicht mir zuliebe, nicht meinen Nächsten zuliebe. Ich hatte wieder mehr und mehr die Kontrolle verloren und schämte mich. Für meine fehlende Widerstandskraft, für meine Schwäche. Dafür, meine Ziele nicht erreicht zu haben. Dafür, gescheitert zu sein. Dafür, dass alles wieder in Schräglage geraten ist.

Schämen, Beschämtsein, Sich-Schuldig-Fühlen, Vergessen-Wollen: TRINKEN.

Sie ist jetzt immer noch da, die Scham. Und sie wird auch Teil meines Lebens bleiben. Ja, ich bin suchtkrank. Ja, viele Gründe dafür habe ich erkannt. Und ja, Abstinenz ist kein Zuckerschlecken.
Dank dem neuerlichen Aufenthalt im Hansenbarg kann ich aber damit leben. Die Therapie hat mir gezeigt, dass ich die Schubladen wieder aufmachen muss, die versteckten "bösen Träume” rausziehen und mich damit konfrontieren muss. Die gehen von alleine so mir nichts, dir nichts nun mal nicht weg! Dieser Weg wird kein einfacher, aber er wird mir helfen, und in gewisser Form freue ich mich darauf. Der Weg ist geebnet, Danke, Hansenbarg, Traumata, ich komme!

Ich habe wieder Pläne entwickelt, mir in meinem Rahmen Ziele gesteckt. Nachsorge gehört natürlich dazu. Regelmäßig eine Selbsthilfegruppe besuchen ebenso. Die Fortführung der EX-IN-Ausbildung zur Genesungsbegleiterin steht auch auf meinem Programm.

Eine wichtige Struktur verleiht mir glücklicherweise weiterhin DER BEGLEITER in Hamburg-Bergedorf. Eine ambulante Sozialpsychiatrie, an die ich seit fast acht Jahren angeschlossen bin. Dort nehme ich einmal pro Woche (oder bei Bedarf auch öfters) einen Gesprächstermin bei meiner “Bezugsbegleiterin” wahr. In regelmäßigen Abständen kommt sie zum Kaffee zu mir nach Hause. Oder lässt in Krisenzeiten auch mal am Wochenende das Handy an. Sie hat mich im Krankenhaus und auch hier besucht. Mit dem Rückfall und dem weiteren Trinken danach habe ich das Verhältnis zum BEGLEITER aufs Spiel gesetzt: In einer derartigen psycho-sozialen Einrichtung darf die Sucht nicht im Vordergrund stehen. Das tat sie aber immer mehr.

(Das Angebot des BEGLEITERS hat neben Walken, Minigolfen, Frühstück, Gesprächsgruppen noch viel mehr in petto, doch ich darf mir nicht zu viel vornehmen - was ich gerne tue, wenn es mir bestens geht. Dann schaffe ich ALLES!!! Und dann braucht es nur das Tüpfelchen auf dem I, der Berg wird zu groß und kracht in sich zusammen. Meine Frau S. ist auch da goldwert und passt auf, dass alles in “meinen” Grenzen bleibt. Sie kennt mich eben schon zu gut und tritt mir dann auf die Füße. Und sie hat mir hoffentlich verziehen, dass ich sie in meiner nassen Phase belogen habe.)

In diesem Zuge möchte ich dieser Einrichtung von ganzem Herzen DANKE sagen, die Hilfe und Unterstützung da draußen ist unbezahlbar!

Genauso herzlichen Dank sage ich dem Hansenbarg-Team! Ich habe mich auch beim zweiten Mal sehr wohl gefühlt. Ich bin eine der PatientInnen, die zu einem guten Teil schweren Herzens nach Hause geht. Alles ist geregelt und einfach, man kann wunderbar loslassen, sich in die Strukturen fallen lassen und sich auf sich selbst konzentrieren. Ich habe dankbar alle für mich ausgewählten Angebote wahrgenommen, sie haben mich in allen Bereichen weitergebracht. Ich konnte mich auch sonst prima beschäftigen. Ich habe nichts zu meckern. Außer dass sechzehn Wochen gefühlt zu kurz waren. Aber: Die Zeit ist reif!

Reden aus dem Jahr 2023

Eine Abschiedsrede aus dem Winter 2023

Am 26.09.2023 trat Ich meine Reise an. Gefahren von meiner Tochter, die zugleich die beste Tochter der Welt Ist. Ohne Sie wäre ich heute nicht hier. Wenn es schlecht gekommen wäre, wäre ich vielleicht gar nicht mehr hier. Ich wollte das Licht vom Hansenbarg sehen. Einer langen unbeleuchteten schier endlos erscheinenden Straße entlang sah ich dieses Licht. Es war das Eingangstor, der Zugang zum Gelände und es war nicht gerade einladend. Zwei kleine Wegleuchten, umgeben von einer dunklen trostlosen Umgebung. Der Nebel im Morgengrauen gab den Rest dazu.

Erste Zweifel machten sich breit. Was will ich hier, was soll Ich hier und was mache ich hier nur. Den langen Weg vom Patientenparkplatz zum Hansenhaus mit dem gesamten Gepäck In der Hand auf der Schulter und mit vier Rädern schiebend erblickten wir ein ansprechendes Gebäude, das Hansenhaus. Hell erleuchtet, mit vielen Menschen, die ich in meinem Leben noch nie gesehen hatte. War das schon das Licht? Nein, das Licht kommt am Ende des Tunnels und ich war·erst kurz vor dem Eingang.

Die Aufnahmephase war sehr höflich aber bestimmt. Zugleich kam der Hinweis, sich Im Kürze voneinander zu verabschieden. Dem Abschied nahe flossen die Tränen. Meine Tochter und Ich verabschiedeten uns mit festklammernder Umarmung. Jetzt musste ich allein gehen.

Nein, ich musste nicht allein gehen, an meiner Seite war jetzt „Shorty“, mein Assistenzguide. Shorty war mir den ersten Tag bei allem behilflich was ich zu erledigen hatte. Das Zimmer zeigen, die Bettwäsche abholen, was beim Wasserflaschen befüllen zu beachten ist, die Raucherecke, Briefkasten, Cafeteria und die Kantine. Gar nicht so schlecht, dachte ich.

Die Mahlzeiten werden gemacht, nur abholen und wegbringen Ist Pflicht. Mit festen Terminen auf dem Stundenplan vergingen die ersten Tage. Der Ablauf klappte ganz gut, hier und da noch ein paar Wissenslücken, die In aller, Fällen in der Gruppe, in der Raucherecke oder von dem gesamten Personal der Klinik, immer hilfsbereit mit einem Lächeln im Gesicht gelöst werden konnte.

Hierfür meinen allergrößten Respekt. Nach intensivem Gespräch mit dem Arbeitstherapeut wurde ich In der hauseigenen Wäscherei eingesetzt. Völlig überraschend für mich. Alles andere wäre für mich zu schwer und ungünstig.Im weiteren Verlauf der Therapie, nach den Gesprächen mit den Ärzten, Therapeuten und dem medizinischen Personal wurde meine Stimmung nicht besser. Immer eindeutiger und klarer wurde mir gesundheitliche Situation bewusst. Erst jetzt begriff ich, dass ich schwer krank bin.

Alles dafür tuend, eine schnelle Besserung meines Gesundheitszustandes herbeizurufen, lag in meinen Händen. Ob Schwimmbad, Kneippbecken, Fitnessraum, alI das nutzte ich. Die Depressionsgruppe, Rückfallprävention, Gruppen- und Einzeltherapie waren sehr hilfreich und unterstützend.

Kurz vor dem Weihnachtsfest verlasse ich den Hansenbarg. Doch wie geht es weiter? Mein Aufenthalt Im Hansenbarg soll nicht der letzte sein. Das Licht am Ende des Tunnels ist erreicht, wenn die Einladung zum Sommerfest 2024 mit der Brieftaube geflogen kommt.

Ich bin froh und dankbar, diese Chance bekommen zu haben. Dabei werde ich nichts ungenutzt lassen, um meine Lebenszeit täglich neu zu verlängern. Leider hatten nicht alle Menschen dieses Glück.
Bel einem tragischen Unglück 1989 verloren 97 Menschen z.T. qualvoll ihr Leben. Etwa die gleiche Anzahl von Patienten hat der Hansenbarg. Mit einem Lied erinnern Sie den Verstorbenen. Einmal pro Woche treffen sich Menschen in ganz Europa, in der Welt, um zu singen, gemeinsam als Chor.
Besonders eine Stadt Im Westen Englands ist mit diesem Lied vereint. Wenn an einem Tag die Fans de Liverpool FC „In Anfield“ zusammen die Toten gedenken und ehren Ihre Vereinshymne singen: „You'II never walk alone“. Ihr werdet niemals allein gehen. You'II never walk alone!

Danke
Tschüß
Moin

Eine Abschiedsrede aus dem Winter 2023

Am 27.07.2023 bin ich gekommen, am 22.11.2023 werde ich gehen. 17 Wochen Hansenbarg. Es hat lange Zeit gebraucht, bis ich mich für die Beauftragung einer zweiten Langzeittherapie (meine erste fand 2009 statt, 6 Monate in einer Frauenklinik, anschließend 8 Jahre clean, 11 Jahre trocken) entschließen konnte. Der Leidensdruck wurde zu hoch…

Ich habe mich für die Fachklinik „Hansenbarg“ entschieden, nachdem ich mir während meiner Entgiftung die über 70 Seiten lange Konzeption der Klinik durchgelesen habe. Ich wusste, dass könnte mit ihren vielfältigen Angeboten/Therapiegruppen und meinen Diagnosen und vielen seelischen Baustellen die richtige Wahl sein!? Und das war es. Ich bin hier her gekommen um, abgesehen von der Entscheidung wieder ein abstinentes Leben führen zu wollen, mich selbst wieder zu finden, denn ich hatte mich verloren. Durch Gesprächstherapie und in den Indikativen Gruppen sind einige Lern- und Heilungsprozesse bei mir in Gang gesetzt wurden. Prozesse, die zwar noch lange nicht abgeschlossen sind, die mir aber dabei helfen meinen Weg weiterzugehen und immer Ziele weiterzuverfolgen.

Und ich kann jetzt sagen: „Hab mich selbst gefunden. War gar nicht so schwer. Stand neben mir.“ In diesem Sinne: „Lasst uns sein, wer wir werden wollen!“

Eine Abschiedsrede aus dem Winter 2023

Moin liebe Gemeinde, ich versuche mich kurz zu fassen, ca. 5 Min: Zunächst möchte ich mich dafür bedanken, dass wir in einem Land leben, in dem unsere Erkrankung erst genommen wird und wir die Hilfe erhalten, die wir benötigen. Ich bin dankbar dafür, dass es Einrichtungen wie den Hansenbarg gibt. Es wird ja gerne mal über Vaterstaat gemeckert und oftmals wohl auch zurecht, aber an dieser Stelle kann und will ich einfach mal Danke sagen. In diesem Sinne: DANKE!!

Ich bin ein Wiederholungstäter; will heißen ich habe vor rund 4 Jahren genau hier, na ja vielleicht waren es auch zwei Meter weiter rechts oder links, gestanden. Ich hab`s daraufhin auch tatsächlich geschafft, Vier Jahre trocken zu bleiben. Aber um ehrlich zu sein, waren diese Jahre nicht so ganz mein Verdienst allein, denn ich war nahezu die komplette Zeit über in einem geschützten Rahmen, der TGJ, und kaum hatte ich diese „Käseglocke 2.0“ verlassen ging es relativ schnell, relativ steil wieder bergab mit mir.

Aus heutiger Sicht muss ich leider gestehen, dass ich diese Jahre schlussendlich nicht für mich selbst trocken geblieben bin. Ich war trocken, damit ich auf der Arbeit funktioniere, ich war trocken, um meine Familie nicht zu enttäuschen und ich war trocken, um nicht gegen Auflagen zu verstoßen. Rückblickend betrachtet sind das natürlich die absolut falschen Gründe. Ich weiß noch genau, dass ich bei meiner ersten Entgiftung vor zehn Jahren gesagt habe: „Das mache ich genau einmal, dann bin ich durch mit dem Thema!“, das gleiche habe ich vor gut vier Jahren bei der ersten Therapie gesagt: „Das zieh ich jetzt durch und dann lasse ich den Dämon Alkohol ein für alle Male hinter mir.“

Dass dies so nicht funktioniert, habe ich erst während dieser Therapie so richtig verstanden. Ich habe leider Gottes über mein halbes bisheriges Leben konsumiert. Da kann ich nicht erwarten, binnen weniger Wochen, Monate, Jahre davon kuriert zu sein. Der ausschlaggebende Fehler beim letzten Mal war, dass ich mich einfach maßlos überschätzt bzw. die Krankheit deutlich unterschätzt habe. Ich dachte, ich mache das mit mir selbst aus ich schaffe das allein, tja, ein fataler Irrtum wie sich gezeigt hat.

Ich werde die Krankheit nicht erneut auf die leichte Schulter nahmen. Die wirkliche Arbeit beginnt jetzt, nach der Therapie und das nicht nur morgen, übermorgen, nächste Woche, nächstes Jahr. Nein der kleine Fiesling begleitet mich den Rest meines Lebens und er wird sich jede kleine Schwäche zunutze machen. Ich muss also achtsam bleiben! Während dieser 13 Wochen habe ich gelernt, dass im Leben glücklich sein bzw. glücklicher zu werden durchaus eine realistische Option ist, also nicht nur abstinent sein um zu funktionieren, oder um es anderen recht zu machen.

Trocken bleiben und wirklich zu leben, neue Dinge auszuprobieren, sich nicht mehr gänzlich der Welt zu verschließen, Nähe zulassen zu können, letztendlich wirklich Frei sein! An dieser Stelle möchte ich mich herzlich bei meinen Therapeuten Herrn D. bedanken, der unermüdlich versucht hat mich aus meinem Schneckenhaus zu holen und auch, wenn er es nicht zur Gänze geschafft hat diese harte Nuss zu knacken, so bin ich Ihm doch sehr dankbar für seinen Input, für neue Sichtweisen und den richtigen Impuls den er mir mit auf den Weg gibt.

Ich habe gelernt, mich selbst besser zu verstehen, mich ein stückweit so zu akzeptieren wie ich nun mal bin, weit entfernt von Perfekt, aber Hey wer ist das schon? Und unterm Strich sind es doch die kleinen Unvollkommenheiten die einen jeden einzelnen von uns ausmachen!

Abschließend bedanke ich mich beim kompletten Hansenbarg Team, bei allen Mitpatienten (ob nun grade hier oder bereits gegangen), bei meiner Familie (allen, voran meine Mutter und mein Bruder) Danke! Ich wünsche uns allen ein schönes Wochenende!

Eine Abschiedsrede aus Herbst 2023

Nun steh ich hier und soll auch noch eine Rede halten, hab doch eigentlich genug zu tun. Achtsam zu sein, Emotionen zu erkennen und Gefühle zu verwalten.

Warum bin ich eigentlich hier und warum habe ich mich für den Hansenbarg entschieden. 
Der Alkohol war’s!
Dieser kleine „Scheiß“-Freund.

Wenn es mir schlecht ging, warst du da. Wenn ich Zweifel hatte, standst du parat. Wenn ich Scham empfand, lehntest du schon an der Wand. Aber auch bei Stress, Ärger oder Wut sagtest Du zu mir: „Nimm einen Schluck, der tut dir gut“.
Also nahm ich einen Schluck, trank dann bei jeder Gelegenheit, zum Schluss sogar aus Langeweile. Keine Eile, trank nur munter, erst raube ich dir die Seele, dann den Körper und zum Schluss den Verstand hörte ich dich sagen, entspannt zurückgelehnt an der Wand. 
So ging es nicht weiter, es musste was geschehen, sonst würde man sich höchstens im Jenseits wiedersehen.
Also ab in die 3-wöchige Entgiftung dann noch 6 Wochen Wartezeit in den Hansenbarg, weit weg von Familie und zu Hause, das hat mich nicht erfreut. Aber ich habe es bis heute nicht bereut. Hier habe ich viele gute Menschen kennengelernt denen es so ähnlich ging und mit denen ich viel unternommen und mich austauschen konnte. 

Einige Namen und Danke an: König U., R., O., A., H., K., T., P., D., Ch., L., J., K., C. und natürlich unseren sportverrückten Poolboy S. 

Am 15. Juli bin ich hier angekommen, wurde von meinen Paten aufgenommen. Fühlte mich in meiner Gruppe 3 gleich richtig wohl, ging dann in die Aufnahmegruppe Sucht und bekam nach zwei Wochen meinen ersten Wochenplan. Ich war sehr nervös, neugierig und skeptisch. Doch das sollte bald verklingen und sich in positive Gedanken, Gefühle und Handeln wandeln. Mein Bezugstherapeut war für mich ein Segen, immer bereit, zuzuhören, gleichzeitig aber auch zu analysieren und die psychischen Probleme suchend, hat er mir viel mitgegeben und Gründe aufgezeigt, wieso, weshalb und warum. Nicht jede Sitzung ging trocken über die Bühne. Das ein oder andere Taschentuch musste der Einzeltherapie zum Opfer fallen. Ebenfalls waren die Gruppentherapiestunden mit meiner Therapeutin sehr lehrreich und ich konnte viel mitnehmen und mich des Öfteren in den Gesprächen mit ihr und meiner Gruppe wiedererkennen. 

All das macht mich dankbar für die Zeit, die ich hier verbracht habe und für die Zeit da draußen, die noch vor mir liegt. Möge sie lange und glücklich, aber trocken sein. Ich weiß jetzt, dass ich andere Möglichkeiten und Werkzeuge habe, dem Alkohol zu entsagen und jeder weitere trockene Tag wird mich stärker und stolz machen. Sport, Fitness, meinetwegen auch Töpfern und spazieren gehen, auf jeden Fall die Welt mit anderen „klaren Augen“ sehen! 

Danksagungen auch an Hansenbargteam: 
Ergo: Frau G. hat mich das Töpfern gelehrt.
AT Garten: Frau P. jetzt darf ich zu Hause auch einen Garten anlegen, sagt meine Frau
Küche: Herrn L. das Essen war immer in Ordnung.
Meinen Therapeuten: Herrn W., Frau K., Herrn D., Frau E. das überrascht mich aber sehr
Sport: Frau G. und Frau T.
Physio: Frau V. (Kommen Sie nach Dithmarschen) und ich lade Sie auf eine Runde Golf ein.
Medizin: insbesondere meiner Nachtschwester Frau H. und H. Müller
Herrn Dr. Hilge und Dr. Stracke
Und dem ganzen Hansenbargteam
Die Schwester der Nacht. Nein, nicht dunkel gekleidet, sondern bunt wie ein Regenbogen kam sie über den Flur geflogen, immer für einen Scherz zu haben, mit ihrem goldenen Haar und ihrem wunderbaren Lächeln auf ihren Lippen hat sie die ganze Nacht über uns gewacht, bis zum nächsten Morgen. Erst dann war ihr Werk vollbracht. Danke Frau H., dass Sie immer für uns da waren!

Mein größter Dank jedoch gehört meiner Familie, meinen 3 Söhnen und meiner lieben Frau, die alle diesen Weg mitgegangen sind, welcher mit Entbehrungen, Problemen und nicht immer mit schönen Dingen gepflastert war. Sie haben mich immer bestärkt und gut unterstützt, damit es hier und zu Hause funktioniert und dafür bin ich unendlich dankbar. Auch wenn ihr jetzt nicht hier seid, La., Bo., O. und A., ich liebe euch von ganzen Herzen und bin froh, bald wieder bei euch zu Hause zu sein. 

Zum Schluss noch ein kleines Gedicht oder Gedanken von mir für euch und uns alle: 

Hoffnung
Die Hoffnung stirbt zuletzt
sie steht auf, wenn du gefallen bist
sie spricht zu dir, wenn keiner da ist
sie hört dir zu, wenn alle taub sind
sie sieht, was selbst du nicht siehst
sie fühlt, wenn du nicht mehr fühlen kannst
sie erträgt, was du nicht tragen kannst
sie ist immer da und steht vor der Tür
nein, steh auf, nimm ihre Hand und folge ihr!

Also lasst es uns heute tun, diese Krankheit – diese Sucht bekämpfen und das jeden Tag immer wieder heute!

Bis bald in aller Frische zum Sommerfest 2024 hier im Hansenbarg. 
P.S. Lasst euch ja nicht unterkriegen, denn hier im Hansenbarg können sogar die Paprika fliegen. 
Tschüss und ein schönes Wochenende!

Eine Abschiedsrede aus Herbst 2023

Ein Jahr ist es nun her. Ein Jahr, voller Emotionen, Tränen, Selbsthass, Kummer und Zweifel.

Ich weiß noch ganz genau, dass ich mir 2022 sagte „dieses Jahr wird mein Jahr“. Ich hatte Vorsätze und wollte ordentlich durchstarten. Es kam alles anders. Mein ach so strukturiertes Leben und meine Pläne für die Zukunft gerieten ins Wanken. Es war doch alles sonst so geordnet und die Zukunft bereits geplant. Die Listen standen.

Mein damaliger Arbeitgeber baute zunächst 2022 250 Stellen ab, unter anderem meine. Es war nicht rechtens, bekam eine Freistellung und eine nette Abfindung. Anstatt es als eine neue Chance für mich zu sehen, trauerte ich lieber.

Mir fehlte eine Aufgabe am Tag. Ich hatte lange Weile. Ich kannte es nicht, sich einfach auszuruhen und nichts zu tun. Während des Studiums habe ich durchgehend gearbeitet. Ich lebte strukturiert und beständig. Nach dem Studium fand ich direkt meinen ersten Job, wurde abgeworben, baute einen neuen Bereich in einem großen Konzern auf, war 18,5 Jahre mit meinem ersten Freund zusammen, hatten einen Hund, eine Wohnung. Nach außen hin schien alles super. Wir wollten gemeinsam alt werden, ein Haus kaufen….

Es kam anders. Durch Corona 24/7 in der Wohnung, beide nur noch von zu Hause aus gearbeitet, beide gestresst, plus Hund und soziale Isolation über Monate hinweg. Ihr kennt es bestimmt alle noch. Die Streitereien spitzen sich zu, genauso wie mein Weinkonsum.

Ich hielt es in der Wohnung nicht mehr aus. Ich fühlte mich unwohl, unverstanden und quasi überflüssig. Den letzten Streit wollte ich umgehen und packte am 26.10.2022 meine Tasche und wollte „für ein paar Tage zu meiner Schwester“ um nachzudenken. Anstatt nachzudenken, wartete ich auf Nachrichten von meinem damaligen Freund, dass ich wieder nach Hause kommen soll.

Sie blieben aus. Stattdessen sagte er mir, dass uns die häusliche Separierung guttäte. Ihm tat es gut.

Um all dies auszuschalten, weg zu blenden und meine Gefühle zu unterdrücken, war es dann die Flasche Wein die mir über den Tag half. Ich funktionierte und hatte bessere Laune. Ich weinte nicht mehr. Aus der Flasche Wein wurden jedoch 3-4 Schlucke Vodka pro Tag. Es knallte mehr und habe weniger gespürt. Aus diesen 3-4 Schlucken Vodka über den Tag, wurde es schlussendlich eine 1/3 Flasche Vodka auf sehr wenig Nahrung. Über den Tag verteilt, definitiv eine zu hohe Menge für meinen Körper. Ich funktionierte auf einmal nicht mehr. Das gehen fiel mir teilweise schwer, meine Muskeln bauten sich ab, hatte einen erhöhten Ruhepuls, Herzklopfen, regelrechte Panikattacken. Viel schlimmer, dass meine Familie dies miterleben und ansehen musste.

Ich entwickelte ein Problem. Ohne ging es nicht mehr. Das mir so etwas passieren konnte, war mir zu Beginn nicht klar. Quatsch, ich habe doch kein Problem. Ich sagte es mir immer wieder. Morgen trinke ich nicht, morgen wird alles anders.

Eines Abends bin ich bewusstlos geworden. Meine Schwester legte mir in dieser Nacht 4 Infusionen, da ich komplett dehydriert war. Sie wusste, dass ich es ihr niemals verzeihen würde, wenn sie den Notarzt rief. Sie tat es nicht und bin ihr unendlich dankbar dafür. Es war mein Weckruf.

Statt mich fallen zu lassen, kutschierte sie mich mehrfach zu Kodrops, machte meine Termine, sorgte dafür, dass ich einen Platz zur Entgiftung bekam und schaute sich vorab in einer Nacht und Nebelaktion das Gelände des Hansenbargs an.  Danke B., dass du mich auch dazu gezwungen hast, morgens um 6h anzufangen mit Trinken, damit ich rotze voll über die Notaufnahme aufgenommen werde. Um es mit deinen Worten auszudrücken: Alles fürs Team.

Am 17.07. war es soweit. Ich ging nach Bergedorf in die Betesta und nahtlos am 24.07. in den Hansenbarg. Anfänglich habe ich mich hier nicht gesehen. Es war doch bloß ein dreiviertel Jahr. Was soll ich hier? Ich gehöre hier nicht her. Ich trinke doch nicht so viel wie viele andere hier und das über Jahre.

Ein Irrglaube, den ich nun einsehe und der mir fast das Genick gebrochen hätte. Wer trinkt um Probleme zu vergessen, der jeden Tag trinkt, wenn auch nicht viel, um zu funktionieren, der hat ein Problem.

Revue passieren lassend muss ich sagen, ich hätte mir einfach einen Therapeuten suchen sollen. Ich hätte nicht trinken sollen, ich hätte so vieles anders machen sollen. Hätte, hätte, Fahrradkette.

Jetzt mal ehrlich: Was hat der Alkohol verändert? Der Job war weg, der erste Freund war weg, der Hund und die Wohnung auch. Es ist was es ist. Meine Pläne sind halt nicht aufgegangen. Der Alkohol hat nichts verändert. Die Situation blieb die Gleiche, nur dass ich betrunken war.

An dieser Stelle hätte ich mich bei meinen Freunden und vor allem bei meiner Familie entschuldigt. Entschuldigungen für mein Verhalten und für meinen Fehltritt im letzten Jahr. Eine weise Frau sagte mir jedoch in der Einzeltherapie: „Frau Z., warum wollen Sie sich entschuldigen? Eine Entschuldigung bedingt, dass Sie schuldig sind. Sind Sie schuldig, nur weil es Ihre Art war nach Hilfe zu rufen? Nein!“ Und ich gab ihr Recht.

Demnach möchte ich mich lediglich vom tiefsten Herzen aufrichtig bei einigen Menschen bedanken und nicht entschuldigen.

Der größte Dank geht an meine Familie, an den Freund meiner Schwester, an meine beste Freundin und vor allem an dich, Schwesterherz.

Danke dass ihr mich dennoch akzeptiert habt, mir die Rückenstärkung gabt die ich brauchte und dass ihr das Problem noch vor mir entdeckt habt. Danke, dass ihr mein Burger essen a la David Hasselhoff ertragen habt, meine Fahne, Stimmungsschwankungen und die zahlreichen Tränen die ich wegen einem Typen vergossen habe. Danke, dass ihr mich in den Hansenbarg gefahren habt und danke, dass ihr mir immer noch zur Seite steht.

Danke an meine Schwester und ihren Freund, der dafür sorgte, dass ich nachts 4 Infusionen bekam und nahtlos in den Hansenbarg kam. Es war magisch.

Auch wenn mein Start im Hansenbarg die ersten 4 Wochen nicht besonders gut lief, wer hätte gedacht, dass ein BMI so viele Stolpersteine zu bieten hat, möchte ich mich ausnahmslos bei allen Mitarbeitern bedanken:

Angefangen bei Herrn L., S. und den Küchenfeen. Danke für viele Extrawürste, wenn ich wieder einmal das Gericht umgeschmissen habe, vielen lieben Dank für die Freundlichkeit die an den Tag gelegt wurde und für das Bewirten.

Auch den Reinigungskräften, der Wäscherei (besonders Frau F., die gute Seele des Ganzen), der Verwaltung, den Sozialpädagogen, der Physio, Herrn Dr. S., Frau Dr. S. und der Medizin möchte ich danken. Ganz besonderen Dank geht an Herrn G., Frau H. und Herrn T., die so liebevoll meine Pakete entgegengenommen haben, auch wenn es häufig wie eine About-You-Packstation aussah.

Ich hoffe, dass irgendjemand von euch Herrn M. bei der Nachtschicht mit 1-2 Pakete Salzstangen versorgt, wenn ich nicht mehr da bin. Die knuspert er so gerne.

Frau H., der „bezaubernde Engel“, wie wir sie so schön nennen, liebt Pralinen in jeglichen Formen.

Lieben Dank an Frau P., die mir die Natur noch nähergebracht hat und die mit so viel Elan und Motivation das Gelände pflegt. Ich kann mittlerweile Blumen von Unkraut unterscheiden.

Hervorzuheben sind allerdings Frau S. und Frau W., ohne die ich wahrscheinlich lange nicht mehr hier wäre und die Therapie nicht zu Ende machen hätte können. Danke, dass Sie sich für mich eingesetzt haben als es nötig war, danke für die Extrameile die gegangen wurde, auch wenn diese wahrscheinlich nicht in der Jobbeschreibung stand. Lieben Danke für die zahlreichen, liebevollen Gespräche und danke, dass Sie mir aufzeigten, wo meine Stolpersteine liegen. Ich werde dieses Engagement und Sie nie vergessen.

Lieben Dank auch an Frau B. die mich so schön massiert und getaped hat.

Weiterhin möchte ich der gesamten Gruppe 8 danken und vielen, vielen Patienten, die mich hier wirklich sehr prägten und auch teilweise nicht mehr da sind: Angefangen bei den so wundervollen Herzmenschen wie M., H. und K., bei K., die mich seit meinem ersten Tag hier begleitet und so oft zum Lachen gebracht hat, bei C., F. und S.. Lieben Dank auch an A., die mir auf rabiate Art und Weise zu neuen Denkanstößen verhalf, an C. meiner neuen Zimmernachbarin und persönlichem Shoppingcenter. Danke, dass ich deinen Kühlschrank mit nutzen durfte J

Last but not least geht mein Dank an einen ganz besonderen Menschen, ohne den ich in vielen Situationen hier verzweifelt wäre. Danke, dass du immer ein offenes Ohr und eine breite Schulter zum Ausweinen hattest. Danke, dass du mich in so vielen schwierigen Situationen aufgefangen, gerettet und auch aufgeheitert hast. Es war die Rückenstärkung, die ich dringend brauchte, die mich hoffen ließ und die ich jahrelang sehr vermisst hatte. Danke, dass du mir mein Selbstwertgefühl zurückgegeben hast und ich dir ausnahmslos vertrauen konnte.

Danke dass du weiterhin mit mir Backgammon gespielt hast, obwohl du den Hansenbarg mit einem Spielstand von 68:11 verlassen hast. Danke, dass du da warst, wenn es bei mir drunter und drüber ging. Danke für alles J., ich glaube, du weißt was alles gemeint ist.

4 Monate später kann ich nun sagen, dass 2023 doch noch schön enden kann. Vielleicht wird ja 2024 mein Jahr und ich hab die Chance, noch einmal von vorne anzufangen. Das zu tun, worauf ICH Lust habe und nicht was andere wollen. Es ist was es ist und das erste Mal in meinem Leben habe ich keinen Plan. Ziemlich beunruhigend für mich und für alle die mich kennen. Es ist aber ok.

Ich gehe nun mit erhobenen Hauptes nach Hause. Im Gepäck viel Motivation, Ambitionen, neuen Ansichten und Denkverhalten. Lieben Dank an den Hansenbarg, dass ihr mir das Handwerkszeug für die Zukunft an die Hand gegeben habt und ich mich nun mehr reflektiere.

Auch wenn der Grund für den Aufenthalt hier nicht der schönste war, der mir unheimlich unangenehm ist, ziehe ich so viele positive Aspekte aus dieser Therapie heraus. Eine Auszeit und Erklärungen, die ich dringend nötig hatte.

Ich habe gelernt, dass man nicht jedem gerecht werden muss, dass man nicht von jedem gemocht werden muss, dass man nicht perfekt sein und die Beste sein muss. Es ist ok, solange ich mit mir ok bin. Und das bin ich. Heute kann ich sagen, ich bin ok.

Euch allen wünsche ich hier eine tolle Zeit. Bleibt sauber, seid lieb zueinander, unterstützt euch gegenseitig und haut euch nicht gegenseitig in die Pfanne. Wir sitzen alle im selben Boot. Nimmt so viel mit wie ihr könnt. Unterhaltet euch mit den anderen Patienten, unternehmt etwas zusammen. Die Therapie geht auch nach dem Wochenplan weiter. Wenn ihr euch darauf einlasst, lohnt es sich wirklich, auch wenn die eine oder andere Regel wirklich unnötig ist.

In diesem Sinne sage ich: Ciao Kakao, macht es gut, genießt euer Wochenende und „the winter is coming”.

Ein Abschiedsreim aus dem Herbst 2023

Hansenbarg ich kam hierher, das Portemonnaie war fast immer leer.

Nun ist es endlich wieder voll, weiß nicht, was ich mit der ganzen Kohle machen soll.

Eine Wohnung an der Ostsee, dachte ich mir, statt täglich fast eine Kiste Bier.

Das schaffte ich mit Punktlandung fast genau, auch dank meiner Therapeutin, einer tollen Frau. Sie ließ in keiner Sitzung locker und zog mich somit vom Kneipenhocken.

Sie zeigte mir auf, meine Fehler, ich brauch nicht mehr zum Kokahehler.

Sie wies mich hin, auf meine Stärken, ich sollte es doch endlich merken.

Mit viel reden und Gedanken, konnte man auch toll mit ihr zanken.

Nie nachtragend und stets geradeaus, holte Sie mich aus dem Kommunikativen Schneckenhaus.

Sie sagte mir, so gehen Konflikte, ohne dass man gleich eine Flasche kippte.

Nach 18. Wochen hat Sie es geschafft, ich schlucke nur noch Apfelsaft.

Unsere Gruppentherapeutin leitete auch unsere Gruppe und fand morgens oft eine müde Truppe.

Mit Achtsamkeit und viel Geschick, machte es oft bei allen Klick.

Mit der Klangschale, habe Sie noch im Ohr, kam ich mir manchmal wie beim Zahnarzt vor.

Sie rüttelte uns Wach und das sehr schlau, Sie ist eine tolle Therapeutin und Frau.

In der Stressbewältigung mit dem Therapeuten, verging auch der letzte Gedanke als Kiffer.

Er leitete die Gruppe mit einer Ruhe, ich dachte ich liege schon in der Truhe.

Das brachte mir im Stress so dann und wann, die nötige Ruhe, danke dafür Mann!

Ich kam auch hierher Schulter, Rücken, ein Wrack, die Physiotherapeutin brachte beides wieder auf Zack.

Sie knetete Hart mit Ihren Händen, ich kann mich jetzt wieder besser Wenden.

Das tat oft weh, ja ganz genau, Sie ist eine bemerkenswerte Physiofrau.

Man saß oft hier mit Tausend Flüche, meistens ging es um die Küche.

Man hoffte immer auf Leipziger Allerlei, häufig gab es dann Kartoffelbrei.

Trotz allem wurde man hier satt, Küchenchef und Team sind noch lange nicht Schachmatt.

10.000 Teile puzzelte ich hier, gegen den Gedanken an Whiskey, Koks und Bier.

17 Bücher habe ich hier gelesen, dachte vorher, der Kopf ist schon vom Alk. verwesen.

Etwa 100 Kilometer schwamm ich hier, vorher war es die Monatsliterzahl an Bier.

Über … Kilo nahm ich hier ab, Whiskey-Cola macht halt Dick und Schlapp.

Auch sportlich wurde ich hier wieder zur Kanone, ins Schwimmbad geh ich jetzt wieder oben ohne.

Nu höre ich langsam auf zu Reimen, möchte jetzt auch nicht weiter schleimen.

Vielen Dank an alle hier im Hause, für mich beginnt jetzt eine neue Lebenssause.

Wie Flaschen leer ich haben fertig, steh ich jetzt hier ein wenig bärtig.

Ich steh jetzt hier mit meiner Fratz und komm dann mal zum letzten Satz.

Das alles gestaltete sich hier zu meiner Lebenswende, ich wünsche allen ein trockenes Wochenende.

Eine Abschiedsrede aus dem Herbst 2023

Lieber Hansi…

Ich habe lange nichts von Dir gehört… Und auch ich habe mich schon lange nicht mehr bei Dir gemeldet. Bei mir hat sich so einiges getan. Mein Mann hat mich im Mai vergangenen Jahres verlassen. M., meine jüngste Tochter und ich müssen aus unserer gemeinsamen Wohnung ausziehen, weswegen ich meinen Job als Schulbegleitung gekündigt habe, um mir wieder eine Vollzeitstelle zu suchen, damit wir über die Runden kommen. Bisher leider ohne Erfolg. Und zu guter Letzt habe ich im März dann auch noch meinen Führerschein verloren…. All das begleitet von viel, viel zu viel Alkohol. Du siehst… es lief blendend. Die Situation hat mir derart den Boden unter den Füßen weggezogen, dass ich in ein so tiefes Loch gefallen bin und irgendwann merkte, dass ich da alleine nicht mehr rauskommen würde. Für mich stand fest: “Niemals, wirklich niemals mehr würde ich Liebe, Lebensfreude oder Glück empfinden können…” In mir war alles nur noch geprägt von unbeschreiblicher Trauer, Wut und Pessimismus… Der Versuch das alles mit Alkohol ”weg zu spülen” scheiterte kläglich. Im Gegenteil. Es machte alles nur noch schlimmer. Glücklicherweise war ich noch so weit bei Verstand, mir einzugestehen, dass ich Hilfe brauche und entschied mich dazu, mich auf eine Langzeit-Therapie einzulassen.  Und da bin ich nun… In der Reha-Klinik Hansenbarg. Noch heute frage ich mich, warum ich mich nicht schon früher dazu entschieden habe, diesen Weg zu gehen.

Aber eigentlich kenne ich die Antwort doch ganz genau. Die Erkenntnis darüber, dass es so nicht mehr weiter gehen konnte, war ja schon lange da. Doch immer wieder drängten sich die Argumente in den Vordergrund, wie: “Das geht ja gar nicht! Was ist mit M.? Mit ihrer Schule? Was mit Oskar, meinem Hund, den Katzen, dem ganzen Haushalt, meiner Arbeit (bis vor kurzem hatte ich ja noch meinen Job)...? Und dann war da natürlich noch die Angst, vor dem, was auf mich zukommt. Ganz abgesehen von der Scham… Was werden die Freunde, die Familie, die Nachbarn, eigentlich das ganze Dorf wohl von mir denken?”  Gott sei Dank habe ich diesen Schritt dann, trotz aller Sorgen dennoch gemacht. Und weiß heute, dass ich in DIESER Hinsicht wirklich mal alles richtig gemacht habe.

Seit dem 30. Mai bin ich nun hier. Knappe 17 Wochen. Wenn ich abreise, am 02. Oktober sind es dann ganz genau 18 Wochen und ich möchte nicht einen einzigen Tag dieser Zeit missen. Von Anfang an war ich überwältigt, mit wie viel Empathie, Freundlichkeit und Herz ich hier empfangen wurde. Sowohl vom gesamten Klinikpersonal, sowie von den anderen Patienten. Ich habe mich niemals fremd, sondern im Gegenteil, irgendwie zuhause und angekommen gefühlt. Mit meinem Bezugstherapeuten war ich sofort auf einer Wellenlänge. Bei ihm fühlte ich mich immer wohl und verstanden. Das ein oder andere Mal musste er mir zurecht aber auch die Augen öffnen, um den Tatsachen endlich objektiv entgegen zu sehen. Für all das und seine liebenswerte Art bin ich ihm wahnsinnig dankbar.

Es gibt hier noch viele andere Therapeuten... Einige lernt man durch die Indikativ-Gruppen kennen, andere trifft man einfach mal so auf dem Klinikgelände. Aber alle immer freundlich und mit einem Lächeln im Gesicht. Unsere Oberärztin, eine sehr warmherzige und einfühlsame junge Frau, die mir mit ihren Ratschlägen und ihrem offenen Ohr immer sehr geholfen hat. Und bei allgemein-medizinischen Wehwehchen war meine Bezugsärztin immer gerne für mich da. Unser Schwesternzimmer hier ist eigentlich dauerhaft besetzt. Auch dort, alle immer lieb und nett. An den Krankenpfleger werde ich wohl noch lange zurückdenken müssen. Und an meine nicht enden wollenden Lachanfälle wird auch er sich vielleicht später noch einmal erinnern. Eine Mitpatientin war in den meisten Fällen allerdings nicht ganz unschuldig an der Situationskomik. Irgendwann fragte ich den Pfleger mal, warum er mir denn nicht direkt sagt, dass er mich gerne öfter sehen würde...? Dann müsste er mich nicht ständig zum Pusten markieren. Denn eine Zeit musste ich, aus welchem Grund auch immer, gefühlt, nach jedem noch so kleinen Ausgang pusten.  Naja... geschadet hat es nicht und mir hätten sonst etliche sooo lustige Momente gefehlt.

Wenn Du mich fragst, wie ich das alles hier beschreiben würde.... Nun ja... Wie ein kleines Dorf. Mit einem Haupthaus als Gemeindezentrum, mit einer sehr netten Verwaltung, guter Verpflegung und ärztlicher Versorgung. Apropos Verpflegung... über das Essen kann man sich hier absolut nicht beklagen. Und die netten Damen und Herren hinter der Ausgabe waren immer für einen Spaß zu haben.

Damit man trotz des regelmäßigen Essens und den viel zu vielen Naschis trotzdem in Form bleibt, sorgt hier die Physio. Ein perfektes Rund-Um-Paket.  Alle Physiotherapeutinnen haben es drauf, mit viel Engagement, Humor und Freundlichkeit den richtigen Ausgleich zwischen An- und Entspannung zu schaffen. Kaum zu glauben, aber ich habe hier tatsächlich meine Begeisterung zum Sport entdeckt. Ich... für die das Wort "Sport" wirklich ein Fremdwort war. Danke dafür. Ich hoffe es hält an :)

Auf unserem Gelände befindet sich noch ein wunderschöner Blumen-, Kräuter- und Probiergarten, den die Gartentherapeutin mit unschlagbarer, liebevoller Hingabe hegt und pflegt. Mit gleicher Hingabe kümmert sie sich aber auch um uns Patienten.

Auch die Kreativität kommt hier nicht zu kurz. In der Ergotherapie mit den Ergotherapeutenteam machte ich Bekanntschaft mit dem, mir bis dahin unbekannten "Herrn Brenn-Peter". Ein heißer Typ, mit dem ich sehr viel schöne Zeit verbrachte.

Neben den netten Herren von der Haustechnik, gibt es hier noch die "fleißigen Bienchen" der Hauswirtschaft. Hier durfte ich eine liebe Arbeitstherapeutin als meine Chefin der Cafeteria mit ihrer humorvollen und mütterlichen Art kennen lernen. Ja... Die Cafeteria... Zentraler Treffpunkt für alle Patienten. Die Arbeit dort im Rahmen de Arbeitstherapie hat mir immer sehr viel Spaß gemacht. Aber auch wenn ich nicht arbeiten musste, war ich dort eigentlich immer zu finden.

Meine ersten gemeinsamen Dienste mit C. und K., und später dann mit N. und K. werde ich so schnell nicht vergessen. Ich wusste gar nicht, dass Arbeiten so lustig sein kann!!! Überhaupt habe ich mit ganz vielen lieben Patienten dort zahlreiche wunderschöne Abende verbracht. Ich möchte behaupten, dass ich in vergangener Zeit noch nie so viel gelacht habe, wie hier. Und das alles ganz OHNE Alkohol. Nie hätte ich mir vor noch einiger Zeit vorstellen können, dass das überhaupt möglich ist. Auf der anderen Seite bin ich aber auch genauso dankbar für die nachdenklichen, tiefgründigen und manchmal auch sehr ernsten Gespräche, die ich hier führen durfte. Auch wenn ich hier doch meistens vielleicht alles andere, als ernst wirkte, habe ich den "Ernst der Lage" nie aus den Augen verloren. Ich habe unglaublich viel gelernt. Über das Leben, über mich und auch, dass ein Spiegeltrinker NICHT alleine vor einem Spiegel trinkt! (kleiner Insider) :)

Und ich durfte mit Hilfe des gesamten Klinik-Teams und meinen lieben Mitpatienten erfahren, dass das, was ich für unmöglich hielt, doch wieder möglich ist. Nämlich: Liebe, Lebensfreude und Glück zu empfinden!                           

Dafür vielen, vielen Dank an meine Gruppe 2, die wir fast schon liebevoll als unsere "kleine Familie" bezeichneten.

Vielen Dank an C., der mich hiernach wahrscheinlich noch etwas länger ertragen muss :)                                              

Und danke an alle, die mich hier begleitet haben und jeden Tag zu etwas Besonderem gemacht haben.

Vielen Dank an meinen Einzeltherapeuten und das gesamte Klinik-Team.

Jeder einzelne hier macht wirklich einen super Job! Egal ob Klinikleitung oder das freundliche Reinigungspersonal. Denn wie heißt es so schön?

"Eine Kette ist immer nur so stark wie ihr schwächstes Glied!"  

Einen ganz besonderen Dank möchte ich noch an meine Tochter M. aussprechen, die mir mit ihren gerade mal 13 Jahren immer beiseite und hinter mir stand und immer noch steht. Und die für ihr Alter oftmals so schlau und stark war, wie ich es hätte sein sollen. Gleiches gilt für meine bereits erwachsenen Töchter, L. und M..

Und zum Abschluss, 1000 Dank an meine großartigen Eltern, die mich immer in allem unterstützt haben und dies immer noch tun. Die mich nie verurteilt oder fallen lassen haben. Sondern mich mit viel Liebe wiederaufgebaut und auf den richtigen Weg gebracht haben....

Danke euch allen!!!

Eine Abschiedsrede von A. aus September 2023

Hi alle zusammen, ich bin A.

Es ist jetzt schon paar Tage her, um genau zu sein am 08.05. dass ich die Entscheidung getroffen habe, Hilfe in Anspruch zu nehmen. denn da habe ich den Mut gehabt in Alsterdorf anzurufen und mir einen Platz in der QE zu holen.

Es war und ist glaube ich die beste Entscheidung, die ich seit langem selbständig und für mich getroffen habe.

Am 19.05. wurde ich morgens von meinem besten Freund nach Alsterdorf gefahren.

Ich war so nervös, weil ich noch nicht wusste, was mich erwarten wird. Doch da hat er mir die Angst genommen, mich beruhigt und wir haben auf dem Parkplatz noch Scherze gemacht, eine geraucht. Danke

In Alsterdorf war ich 18 Tage. Die ersten Tage waren wirklich komisch, doch dann habe ich da schnell nette Leute kennengelernt, die mir ebenfalls die Angst genommen haben. Ich bin froh, dass ich euch dort kennengelernt habe und es bis heute besteht. DANKE EUCH

Am 05.06. wurde ich in Alsterdorf entlassen und bin nahtlos hier im Hansenbarg aufgenommen worden, auch das war was Neues für mich, neue Umgebung, so viele neue Leute und kein Plan wie und was eigentlich geschieht.

Die Zeit hier werde ich nicht vergessen. die schönen Gespräche, die Abende, wo ich den Kampf gegen die Mücken verloren habe und natürlich die Therapiezeit, die mir wirklich geholfen hat und hoffentlich noch weiter helfen wird im Anschluss.

Ich danke dem gesamten Hansenbarg Team angefangen von den

  • Krankenschwestern und Pfleger
  • dem Team aus der Wäscherei besonders der Arbeitstherapeutin, da sie mir gute Tipps zum Reinigen der Kleidung gegeben hat, Danke
  • dem Küchen Team (meistens zumindest)
  • dem Arbeitstherapeuten der Haustechnik, der leider nicht anwesend ist
  • der Physioabteilung wo ich gelernt habe, dass Wassersport nicht nur was für das ältere Publikum ist und es wirklich Spaß macht
  • Meiner Einzeltherapeutin die MANN nicht vergessen darf. Die ich nicht als Therapeutin vergessen möchte, denn gerade die Gruppen mit ihr haben mir vom Inhalt sehr geholfen und sie hat mich oft zum Grübeln gebracht über mich selbst und die Sucht. Danke Ihnen
  • und der Sozialarbeiterin, die mir geholfen hat, ein bisschen die Angst vor Papieren zu verlieren.

UND NATÜRLICH DANKE ICH EUCH!

Hansenbarg, September 2023

Eine Abschiedsrede von B. aus dem Herbst 2023

Zunächst einmal bin ich grundsätzlich dankbar dafür, dass ich in einem Land mit solidarischer gesetzlicher Krankenversicherung lebe, in dem ich die Möglichkeit habe, eine lange Reha-Maßnahme zu machen, trotz begrenzter eigener finanzieller Möglichkeiten.

Im Mai, als ich ankam, war ich einfach fertig mit Allem. Ich stieß in allen Lebensbereichen an Grenzen mit meinen Gefühlsgewohnheiten, Gedankengewohnheiten, Erlebnisgewohnheiten und Bewertungsgewohnheiten. Zudem war ich schwer depressiv, erstarrt und verlangsamt im Denken, erstarrt und schleichend im Gehen…manche erinnerte ich dabei an Mr. Bean, einfach mit Allem überfordert.

Dank der medikamentösen Neueinstellung, dank der ausführlichen Diagnostik, die ein Stück Klarheit in manchen Bereichen brachte, und dank der unterschiedlichen Einzel- und Gruppentherapien, indikativen Gruppen, dank Mannschaftssport, anderen Sporttherapien, Einzeltraining und abendlichem Sport mit Mitpatienten geht es mir heute etwas besser. Mir ist zwar immer noch alles zu viel, aber mir ist insgesamt alles etwas weniger zu viel als noch Ende Mai.

Die Funktion des Alkohols habe ich in den letzten Monaten besser verstanden. Wenn die posttraumatischen Flash-backs übermannen und ich das Gefühl habe, wieder ein Junge zu sein und das ganze Elend nochmal zu erleben, dämpfst und löst du -Alkohol- kurzfristig die damit verbundene extreme innere Anspannung sowie die damit verbundenen Ängste und manchmal auch Todesängste. Deine entängstigende und anspannungslösende Wirkung finde ich himmlisch, und ich vermisse sie jeden Tag, von morgens bis abends und auch nachts, wenn ich aufwache. Ich finde es so unglaublich schade, dass du nur kurzfristig unterstützt, langfristig aber der Psyche und dem Körper schadest…sonst wärst du für mich eine gern  gesehene Zusatzmedikation in Kombination mit einem wunderbaren Genussmittel, das/die ich regelmäßig einsetzen würde.

Ich vermisse die Weinverkostungen in meinem Minijob und das kühle Blonde als Erfrischung im Sommer. Ja, ich bin ehrlich…ich vermisse sowohl deine psychische Wirkung als auch den Genuss, den du mir geschenkt hast.

Wie es nach der Behandlung mit dir weiter geht oder auch nicht, vermag ich jetzt nicht zu sagen. Ich hüte mich davor, irgendwelche vollmundigen Abstinenzprognosen abzugeben, weil ich noch gar nicht wissen kann, wie sich die Dinge und mein Leben da draußen in der Welt außerhalb des geschützten Hansenbargs entwickeln werden…und was substanziell von der Therapie hier bleiben wird.

Aber ich kann mit Stolz darauf blicken, dass ich mehrere Monate am Stück abstinent von dir war, obwohl ich mir am Anfang des Entzuges im Mai nicht mal zwei Tage Abstinenz zugetraut hatte.

Ich danke dem gesamten Hansenbarg-Team für die Unterstützung, allen voran dem Therapeuten, bei dem ich in der indikativen Gruppe Stabilisierungstechniken viel über Trauma und Traumafolgestörungen gelernt habe. Und mich dadurch etwas besser verstehen kann. Ich danke auch meinen Therapeutinnen für die Einzel- und Gruppentherapien. Mein Dank gilt auch der Physio, den Arbeitstherapeutinnen sowie dem Küchen- und Reinigungsteam…ganz besonders geht Dank an meine Kollegen aus der AT Cafeteria. Die Mitpatienten zusammen mit den AT-Kollegen mit Kaffee, Kaltgetränken, Süßem, Eis und Knabbereien ein bisschen im harten Therapie-Alltag verwöhnen zu können, war für mich ein kleines Stück Lebensfreude. Auch das Amt des Gruppensprechers war eine große und gute Herausforderung für mich. Sichtbar und hörbar in der Vollversammlung, der Gruppenratssitzung und der internen Gruppe zu sein, und allgemein als Ansprechpartner akzeptiert zu werden, war eine gute Übung und Weiterentwicklung. Dafür danke ich allen  Gruppenmitgliedern der Gruppe 5, denen die noch hier sind und auch all denen, die inzwischen entlassen wurden. Ich danke auch vielen Mitpatienten außerhalb der Gruppe 5 für viele gute Gespräche auf der Terrasse der Cafeteria und der Wertschätzung, die mir entgegengebracht wurde. Ich wünsche jedem Einzelnen von Euch, dass ihr einen individuellen Weg findet, der für euch realistisch und gangbar ist, und der die psychischen Belastungen und die Sucht ein wenig verblassen lässt. Ich bin nicht naiv, es bleibt schwierig, aber ein bisschen weniger schwierig ist ein realistischer Schritt…hoffe ich, für jeden.

Und so bleibt mir noch allen hier Anwesenden von Herzen ein schönes Wochenende, alles Gute für die Zukunft und viel Kraft für den beschwerlichen Weg zu wünschen.

In liebevollem Respekt, euer B.

Ein Abschiedssong von Ronny Behm aus September 2023

Er hat schon oft gepredigt, obwohl er kein Prediger war
Hat Dinge im Ansatz erledigt, die vorher kein anderer sah
Hat das Leiden der Freunde gesehen und beinahe daraus gelernt
Wenn es sein musste, blieb er dann stehen, wenn nicht hatte er sich entfernt.

Er hatte sich selbst seine Karten auf dem Perserteppich gelegt
Ging dann raus in den sommergarten und hat stundenlang überlegt
Welcher Weg dieser tausend Pfade, der richtige Weg für ihn sei.
Erschrocken und kerzengerade bemerkte er, es ist schon vorbei.

Refrain:
Du kannst deine Träume erleben
Doch trübe bleibt dir die Sicht
Du kannst, wenn du willst alles geben
Doch den richtigen Weg kennst du nicht
Du kannst, wenn du willst alles machen 
Und gehst weiterhin deinen Weg
Das Schicksal wird über dich lachen
Welches dich auf den Händen trägt.

Früher, wo er als Seemann durch die großen Gewässer fuhr
Hielt er auch bei starkem Seegang geradeaus seine Tour
Das Steuerrad in seinen Händen zuckte nur so mal hin und mal her
Doch, wo sollte dieses nur enden, denn es war auch für ihn viel zu schwer

Dieser Mann konnte alles erkennen, wie ein Seemann das manchmal macht
Ein Schiff mit dem Standort benennen am Tage und in der Nacht
Doch in seinem richtigen Leben hatte er es nicht mehr gepackt
Es ging ihm zu viel daneben. Schließlich ist er abgesackt.

Refrain:
Du kannst deine Träume erleben
Doch trübe bleibt dir die Sicht
Du kannst, wenn du willst alles geben
Doch den richtigen Weg kennst du nicht
Du kannst, wenn du willst alles machen 
Und gehst weiterhin deinen Weg
Das Schicksal wird über dich lachen
Welches dich auf den Händen trägt.


Hansenbarg, September 2023

Eine Abschiedsrede aus Juli 2023

„Ich bin C., 37 Jahre alt, Suchtmittel: Alkohol“
Mit diesen Worten stand ich vor 8 Wochen vor euch und habe mich vorgestellt.
Es war ein schwerer Schritt für mich diesen Weg erneut zu gehen. Ich war doch erst im Februar hier entlassen worden.
Ich kam mit Angst, innerer Leere und der Ungewissheit, wie es dieses Mal wird. Wie
sind die Mitpatienten drauf? Was werden die Mitarbeiter von mir denken? Meine Scham war riesig!
Die Zeit zwischen meinen beiden Aufenthalten waren für mich von Anfang an so belastend, dass ich nach nur wenigen Tagen wieder rückfällig geworden bin.
Mir war alles egal! Ich hatte alles verloren! Ich habe das alles doch nur gemacht, dass genau dieses nicht geschieht.
Das Verlangen und dieser kleiner Fiesling in meinem Kopf hatten sofort die Gelegenheit genutzt und gewannen die Überhand über mich.
Dieses Gift nahm mir alles:
- 21 Jahre Beziehung (gestern hätte ich meinen 11 Hochzeitstag gehabt)
- 3 wunderbare Kinder, für die ich mir so wenig Zeit genommen habe
- mein eigenes Haus
- meine Liebe zum Fußball
- mein Selbstvertrauen
- meine Lebenslust
- meine Heimat
Bis ich dieses alles gecheckt habe war es ein weiter einsamer Weg.
Tief in mir wurde ein kleines Wort immer größer – „HILFE“!
Warum hilft mir keiner? Dabei konnte ich es nur selbst nicht erkennen, dass ich von allen Seiten Hilfe bekommen habe. Ich habe mich nur selber immer mehr vergraben, meine Scheuklappen enger gestellt und mich von allen distanziert.
Hier kam natürlich alles anders als ich erwartet habe!
„Hi, ich bin T., ich begleite dich hier heute.“ Sagte dieser Fremde mit sympathischer Stimme.
Keine vier Stunden später saß ich beim Mittag an unserem Gruppentisch. Ich wurde sofort aufgenommen und alles negative Bedenken war verschwunden. Ich habe schnell mein Lachen wieder gefunden und für den ein oder anderen Spruch war ich auch nicht mehr verlegen. Meine Menschenscheu konnte ich später ganz rasch beim Dienst in der Cafeteria ablegen. Es war mir eine Ehre euch den Kaffee zu reichen!
DANKE!
Ich bin stolz, diesen Kurs hier im Hansenbarg eingeschlagen zu haben und dankbar, dass er mir ermöglicht wurde. Dieser ist in 1 ½ Wochen nicht beendet. Er wird jeden Tag weitergehen! Ich werde weiter Arbeiten!
Ich wünsche mir einfach wieder ganz normal fühlen zu können, wie jeder andere.
Einfach mal wieder vor Freude ausflippen, als hätte ich in der 90. Minute das Siegtor geschossen oder endlich mal wieder eine Träne vergießen zu können, wenn ich traurig bin. Ich möchte nicht mehr im traurigen oder depressiven Konjunktiv leben.
Ich möchte tolle Geschichten erleben, die ich später gerne erzähle. Es werden die Sachen angegangen, die mir der Alkohol so oft genommen hat.
Danke K., für die Zeit mit dir in der Cafeteria. Mit dir Bullshit zu sabbeln war mir ein Fest.
Danke T. für die schönen aufbauenden Worte und Gespräche!
Danke H. für deine Fürsorge, wenn es mir schlecht ging!
Und meine Honey-H., ich kann bis heute nicht verstehen, wie viele Duracell-Batterien in so einen kleinen Körper passen.
Danke an Gruppe 2 für die Aufnahme und die Stunden mit euch!
M. …Hamburg ist schwarz, weiß, blau. 

Danke an jeden einzelnen von euch für euer Gehör, Ansichten, Ratschläge, Umarmungen, Lachen oder einfach nur albernen Blödsinn sabbeln.
Ich bin froh, hier so tolle Unterstützung gehabt zu haben. Ihr habt mir die Zeit hier echt leicht gemacht.
Danke an alle Mitarbeiter, die mir in der Zeit hier geholfen und mich unterstütz haben.
Herr Stracke, Sie können so stolz auf Ihre Mitarbeiter sein!

Wer will kann mich jetzt noch umarmen oder heute Abend diverse Kaffees mit mir trinken.
DANKE, 
Euer C., 37, Alkoholiker

Eine Abschiedsrede aus Juli 2023

Hansenbarg, ich kam hierher, das Portemonnaie war fast immer leer. 
Nun ist es endlich wieder voll, weiß nicht was ich mit der ganzen Kohle machen soll. 
Eine Wohnung an der Ostsee, dachte ich mir, statt täglich fast eine Kiste Bier.
Das schaffte ich mit Punktlandung fast genau, auch Dank Therapeutin E., eine tolle Frau. 
Sie ließ in keiner Sitzung locker und zog mich somit vom Kneipenhocker. 
Sie zeigte mir auf, meine Fehler, ich brauch nicht mehr zum Kokahehler. 
Sie wies mich hin, auf meine Stärken, ich sollte es doch endlich merken. 
Mit viel reden und Gedanken, konnte man auch toll mal mit ihr zanken. 
Nie nachtragend und stets geradeaus, holte Sie mich aus dem kommunikativen Schneckenhaus. 
Sie sagte mir so gehen Konflikte, ohne dass man gleich eine Flasche kippte. 
Nach 18 Wochen hat sie es geschafft, ich schlucke nur noch Apfelsaft. 
Frau T. leitete auch unsere Gruppe und fand morgens oft eine müde Truppe. 
Mit Achtsamkeit und viel Geschick, machte es meist bei allem Klick. 
Mit der Klangschale, habe sie noch im Ohr, kam ich mir manchmal wie beim Zahnarzt vor. 
Sie rüttelte uns  wach und das sehr schlau, Sie ist eine tolle Therapeutin und Frau. In der Stressbewältigung mit Herrn W., verging auch der letzte Gedanke als Kiffer. 
Er leitete die Gruppe mit einer Ruhe, ich dachte ich liege schon in der Truhe. 
Das brachte mir im Stress so dann und wann die Nötige Ruhe, danke dafür, Mann. 
Ich kam auch hierher Schulter, Rücken, ein Wrack, Frau B. brachte mir beides wieder auf Zack.
Sie knetete hart mit ihren Händen, ich kann mich jetzt wieder besser wenden. 
Das tat oft weh, ja ganz genau, sie ist eine bemerkenswerte Physio-Frau.  
Man saß oft hier mit tausend Flüche, meistens ging es um die Küche. 
Man hoffte immer auf Leipziger Allerlei, häufig gab es dann Kartoffelbrei. 
Trotz allem wurde man hier satt, Herr L. und Team sind noch lange nicht Schachmatt. 
10.000 Teile puzzelte ich hier, gegen die Gedanken an Whiskey, Koks und Bier. 
17 Bücher habe ich hier gelesen, dachte der Kopf, ist schon vom Alk verwesen. 
Etwa 100 Kilometer schwamm ich hier, vorher war es die Monats Liter Anzahl an Bier. 
Über … Kilo nahm ich hier ab, Whiskey-Cola macht halt dick und schlapp. 
Auch sportlich wurde ich hier wieder zur Kanone, ins Schwimmbad geh ich jetzt wieder oben ohne.
Nu höre ich langsam auf zu Reimen, möchte jetzt auch nicht mehr Schleimen. 
Vielen Dank an alle hier im Hause, für mich beginnt jetzt eine neue Lebenssause. 
Wie Flaschen leer ich haben fertig, stehe ich jetzt hier ein wenig bärtig. 
Ich stehe jetzt hier mit meiner Fratz und komm dann mal zum letzten Satz. 
Das alles gestaltete sich hier zu meiner Lebenswende, ich wünsche allen ein trockenes Wochenende! Tschüss machts gut! 

Eine Abschiedsrede aus 2023

Adonai, liebe Leute. Adonai.

Hier im Hansenbarg nennt man ihn gerne den kleinen Fiesling.
Ich hatte damit vom ersten Tag an echte Probleme. Und habe das auch heute noch.

In mir wohnt kein kleiner Fiesling, sondern ein Dämon.

Ich habe 27 Jahre lang täglich Drogen konsumiert.
Seit einem halben Jahr bzw. dem sechsten Geburtstag meiner ältesten Tochter habe ich keine Rauschmittel mehr konsumiert.

Der Dämon hatte mich jahrelang unter seiner Kontrolle.
Er hat mich konsumieren lassen und Dinge tun lassen, die ich nüchtern niemals getan hätte.

Und der Dämon wird immer in mir bleiben.
Ich kenne sein Lächeln und ich sehe und fühle es nur allzu oft.
Dieser kleine scheiß Wichser ist in mir und er wartet auf seine Chance.
Er hat alle Zeit dieser Welt, er ist geduldig und mächtig.

Und er weiß genau: Es werden die Momente kommen.
Es werden die Momente kommen an denen ich schwach bin, an denen ich in Versuchung gerate.
Er wartet nur darauf, dass ich am Boden liege, hoffnungslos, kraftlos, traurig, perspektivlos.

Und er wird mir die Hand reichen, mich anlächeln und mir versprechen, dass ich alles vergesse und alle Sorgen los bin.
Er wird mir in meinen dunkelsten, schlimmsten Momenten Hilfe anbieten und mir das Paradies auf Erden versprechen. Ich muss nur zugreifen.
Mit einem Lächeln im Gesicht breitet er es vor mir aus.
Und die Versuchung zuzugreifen wird groß sein.

Ich weiß, dass dieser Dämon ein Teil von mir geworden ist.
Ich weiß aber auch, dass ich krank bin. Und ich weiß auch, dass ich ein Herz habe.
Und ich weiß was ich wirklich will.

Trotzdem wäre ich nicht ehrlich, wenn ich nicht zugeben würde, dass da etwas in mir ist, dass ich nur schwer kontrollieren kann.
Ich würde mich selbst belügen, wenn ich hier rausgehen würde und sagen würde, ich bleibe abstinent. Ganz sicher. Ich werde nicht mehr konsumieren.

50, 60, 70 Prozent Rückfallquote. Je nachdem wie man die Statistiken liest.
Ich schaue in den Raum hier und es macht mich traurig.
Es macht mich traurig, dass es mehr als die Hälfte von uns nicht schaffen werden, nüchtern zu bleiben. Und die allermeisten von uns wollen es eigentlich.

Was ist das? Was ist das für eine Krankheit?
Was ist das für eine Sucht? Was ist das für eine Macht?
Was ist das, was da in uns ist, lebt, schlummert und nur darauf wartet, dass wir einen schwachen Moment haben? Was ist das?

Für mich ist das kein kleiner Fiesling. Für mich ist das ein Dämon.
Da ist etwas in mir, dass sich im Laufe des Lebens in mir ausgebreitet hat, die Kontrolle über mich übernommen hat, dass ich gerne wieder loswerden würde.
Es aber nie wieder loswerde.
Ich werde mein gesamtes Leben mit meinem Dämon in mir leben müssen.
Und weiter lernen müssen meinen Dämon zu kontrollieren. Und nicht andersrum.

Ich werde mich jeden Tag wieder neu entscheiden müssen:
Liebe oder Dämon?
Leben oder Krankheit?
Freiheit oder Konsum?

In meinem Leben haben folgende Menschen folgendes zu mir gesagt, was mir bis heute in Erinnerung geblieben ist und mein Leben im positiven Sinne geprägt hat:

Em., 8 Jahre alt, hat folgendes gesagt: Gott ist barfuß und sie trägt ein blaues Kleid.

El., 10 Jahre alt: Auch wenn du mal nicht an Gott glauben kannst, Gott glaubt an dich.

Mein Suchttherapeut, Mitte 30:

Er hat mir folgendes erzählt:

Ein Käfig, geteilt in zwei Hälften. In der Mitte auf dem Boden eine Metallplatte.
Die Platte wurde unter Starkstrom gesetzt.
Die Ratte auf der einen Seite des Käfigs. Auf der anderen Seite das Futter.
Die Schmerzen vom Strom waren so groß, dass die Ratten nicht über die Metallplatte gehen konnten. Sie sind verhungert.

Gleicher Versuchsaufbau.
Auf der einen Seite eine Ratte, die man zuvor alkoholabhängig gemacht hat.
Auf der anderen Seite der Metallplatte kein Futter, sondern dieses mal Alkohol.
Jede Ratte ist unter größten Schmerzen über die Metallplatte gelaufen um zum Stoff zu kommen.

Verhungern, ja. Nüchtern bleiben, nein.

Eine Abschiedsrede aus 2023

Tschüss Alkohol. Lange Jahre hast du mich begleitet.
Als ich Kind war, hast du mir Angst gemacht wenn meine Eltern betrunken waren aber auch andere Betrunkene haben mir Angst gemacht.
Als junge Erwachsene war ein wenig von dir Hilfe meine Schüchternheit zu überwinden und besser kommunizieren zu können.
Im Laufe der Zeit habe ich dich sehr oft habe ich dich als Seelentröster benutzt, wenn ich überfordert war oder Kummer hatte.
Da das sehr oft vorkam wurdest du nach und nach mein ständiger Begleiter.
Damit ist jetzt Schluß. Ich sorge dafür, dass es keinen Grund mehr gibt, dich zu brauchen.
Du tust mir nicht gut und hast mir sehr viel von meiner Lebensenergie geraubt. Habe ich erstmal angefangen zu trinken, konnte ich oft kein Ende finden.
Unter deinem Einfluss sind mir viele peinliche Sachen passiert und ich habe die Kontrolle über meinen Körper verloren
Nach dem Konsum von viel Alkohol ging es mir die folgenden Tage schlecht und es kam immer öfter vor dass ich mich für ein oder zwei Tage bei der Arbeit krank gemeldet habe.
Mein Körper litt sehr unter dem Konsum und wurde krank, ich war nicht mehr ich selbst.
In Form von Sekt und Wein hast du mir gut geschmeckt und ich habe dich auch oft mit Genuss getrunken, wenn es mir gut ging, z.B. mit Freunden oder bei einem schönem Essen.
Das Genusstrinken werde ich ein wenig vermissen, doch es gibt so viele Speisen und Getränke, die ich statt dessen mit Genuss zu mir nehmen kann. Ich trinke gern jede Art von Kräutertees und spüre, dass sie meinem Körper und meiner Seele gut tun. Ich freue mich darauf, wieder lecker und gesund zu kochen und vielleicht probiere ich auch mal backen aus. Ideen sind genug vorhanden.
Du kannst jetzt gehen denn ich übernehme ab jetzt die Verantwortung für mich und mein Leben. Ich sorge dafür, dass es mir gut geht und umgebe mich, soweit es möglich ist nur noch mit Menschen, die mir gut tun.
Ich hole mir Hilfe, wenn ich mal nicht mehr weiter weiß, aber diese Hilfe wird nie wieder der Alkohol sein, denn der Alkohol betäubt meine Sinne und macht alles nur noch schlimmer
Also…….
Tschüss Alkohol!!!!

Abschiedsrede von Frau Sch. aus 2023

Liebe Vollversammlung, Dienstag sind es 14 Wochen her seit meiner Ankunft hier. Ursprünglich waren mir 8 Wochen von der Kasse bewilligt worden und ich habe 2-mal vier Wochen Verlängerung bekommen. DANKE an die Krankenkasse, ich habe diese Zeit dringend gebraucht und auch genutzt. Ich gehe mit gemischten Gefühlen.

Ich war zu Beginn körperlich und psychisch total am Ende und noch einiges hibbeliger als jetzt. Ich bin viel krank gewesen, konnte keine Treppen steigen, habe stark gezittert und konnte auch kaum essen, was sich in meiner Gruppe heute keiner mehr vorstellen kann, der mich jetzt essen sieht.

Die Unruhe ist noch da und bleibt ein Risikofaktor für meine Abstinenz. Sonst haben mich Frau Dr. S. und Frau Dr. C. aber gut aufgepäppelt, vielen Dank dafür. Danke auch an das Team der Physiotherapie, das sich um meinen Rücken und die Verspannungen gekümmert hat, insbesondere an Frau V., meine Physiotherapeutin.

Besonders bedanken möchte ich mich noch bei den Schwestern und bei Herrn Müller aus der Medizin. In der Medizin und vor dem Schwesternzimmer in der Warteschlange habe ich sehr viel Zeit verbracht. Ich bin dort täglich mindesten 3mal aufgekreuzt, Blutdruckmessen „Medikamente holen, Termine machen, Gespräche führen und nicht zuletzt häufig zur Akupunktur, die mir sehr gut getan hat. Solltet ihr auch mal probieren, kann ich sehr empfehlen. Ich bin dort immer und zu jeder Zeit freundlich und kompetent behandelt worden.

Insgesamt wäre ich zuhause nicht wieder auf die Beine gekommen. Ich hatte vor Therapiebeginn und sowieso in den letzten drei Jahren monatelang nur herum gelegen und hatte keine Kraft mehr. Ich sehe in dieser Therapie meine letzte Chance abstinent zu werden.

Es hat hier einige Wochen gedauert, bis ich in der Lage war mich mit Hilfe von meinem Therapeuten und durch die Teilnahme an verschiedenen Indikativgruppen auf die eigentliche Therapie zu konzentrieren. Mit Hr. K. habe ich wertvolle Gespräche geführt und mich mit meiner Psyche und der Alkoholkrankheit ernsthaft auseinandergesetzt. Ich habe gute Denkanstöße bekommen und angefangen einiges in die Tat umzusetzen. Ich weiß, dass alles, was es zu verändern gilt nicht zeitnah geschieht, dass alles seine Zeit braucht, dass das, was ich fast sieben Jahrzehnte gelebt und gedacht habe, nicht in sechzehn Wochen aufzuarbeiten ist.

Insgesamt DANKE an das gesamte Hansenbarg-Team. Wenn nicht alle, vom Reinigungspersonal bis zum Chef an einem Strang ziehen, wird der Hansenbarg nicht funktionieren und die Patienten sich nicht wohlfühlen.

Nach den Anlaufschwierigkeiten habe ich mich hier wohlgefühlt und neben aller Therapiearbeit die wunderschöne Natur genossen. Ich bin viel spazieren gegangen, am liebsten ohne die Begleitung von Mücken und habe auch das tolle Schwimmbad gerne genutzt.

Der Aufenthalt in diesem meist alkoholfreien Umfeld hat mir gut getan. Zuerst hatte ich Probleme Kontakte zu knüpfen. Nachdem ich als Nichtraucherin zunehmend die Räucherhöhlen besucht habe, war auch dieses Problem gelöst. Hier war immer was los.

Am meisten fehlen werden mit meine Mitpatienten. Es war immer jemand da, mit dem man ernsthaft reden oder einfach nur quatschen konnte, manche sind mir ans Herz gewachsen.
Von Anfang an war abends „Kniffeln" oder „Skibpo" spielen fester Bestandteil der Therapie. Meine Therapeuten waren der sogenannte „Bürgermeister" P., der schon Mittwoch entlassen wurde und H.. Danke H., dass du so viel Zeit mit mir verbracht hast. Wir haben viel Spaß gehabt.

Last not least noch ein Dankeschön an meine Gruppe 4. Ich werde euch echt vermissen, auch die konstruktive Kritik einiger Gruppenmitglieder. In dieser Gruppe durfte ich Einiges über mich neu erfahren und Altes wieder entdecken. Meine Funktion als Gruppensprecherin hat mir meine Grenzen aufgezeigt und ich musste erfahren, dass ich nicht das Maß alles Dinge bin und manchmal zickig und dass ich das Altwerden akzeptieren muss, das ist tatsächlich nichts für Feiglinge, aber ich nehme die Herausforderung frisch gestärkt an. Ich habe viel Zuwendung bekommen und habe genossen, dass man mich in die Arme genommen hat, manchmal wenn ich schlecht drauf war oder traurig, oder einfach nur so. Das habe ich zuhause nicht. Ich danke euch von Herzen für alles.

Zum Schluss möchte ich euch noch einen kurzen Text mitgeben, der unsere Biografie ist bzw. werden könnte. Ich hatte diese Zeilen jahrelang über meinem PC hängen und vor einiger Zeit ist er mir wieder in die Hände gefallen.

Ich gehe eine Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig. Ich falle hinein.
Ich bin verloren… lch bin ohne Hoffnung.
Es ist nicht meine Schuld.
Es dauert endlos lange, wieder herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich tue so, als sähe ich es nicht.
Ich falle wieder hinein.
Ich kann nicht glauben, schon wieder am gleichen Ort zu sein.
Aber es ist nicht meine Schuld.
Immer noch dauert es sehr lange, herauszukommen.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich sehe es.
Ich falle immer noch hinein… aus Gewohnheit.
Meine Augen sind offen.
Ich weiß, wo ich bin.
Es ist meine eigene Schuld.
Ich komme sofort heraus.

Ich gehe dieselbe Straße entlang.
Da ist ein tiefes Loch im Gehsteig.
Ich gehe darum herum.
ich gehe eine andere Straße.
(Portia Nelson)

,,Ich gehe eine andere Straße".

Ich hoffe, dass es mir gelingen wird, diesen Vorsatz endlich in die Tat umzusetzen und wünsche euch allen, dass ihr euren Weg/eure Straße ohne Alkohol finden und gehen werdet, auch wenn noch einige Hindernisse stören könnten.

Ich hoffe noch auf einige schöne, alkoholfreie Jahre und freue mich darauf, nicht ohne Angst bzw. Respekt vor dem kleinen Fiesling, der weiterhin versuchen wird mir das Leben zu versauen.
Tschüss Hansenbarg bis zum Sommerfest.

Eine Abschiedsrede von Frau W. aus 2023

14 Wochen sind vergangen, was für eine lange Zeit (nach drei Jahren völliger Isolation). Als ich hier ankam, voller Angst, total unsicher und diese Fragen im Kopf: Was erwartet mich hier, was wird von mir erwartet, mögen die Menschen mich hier?

2 Wochen fühlte ich mich wie eine Schnecke, immer ins Häuschen zurückgezogen, aber das änderte sich bald. Ich merkte, ich bin nicht allein mit meinen Problemen. Jeder einzelne von Euch hat sein eigenes Problem und doch sind alle gleich, weil sie uns im Inneren verletzen, zerreißen und schmerzen. Sie machen uns klein und unsicher. Gefühle ertränken war einmal. Tränen und Gefühle sind okay. Sie kommen und gehen, das habe ich hier gelernt. Nein zu sagen, wenn man etwas nicht möchte.

Besonders durch die Hartnäckigkeit von meinem Therapeuten Herrn K., dem mein ganz besonderer Dank gilt. Ich habe hier gelernt, mich wieder selbst zu finden. Vielen Dank dafür, gemeinsam mit Euch geschwommen zu sein. Es war nicht immer leicht, der Ballast war schwer. Er hat sich in eine Schwimmweste verwandelt. Zu Mut und Respekt, vor dem was kommt und war.

Hier war ich ein Trockenschwimmer und meine Weste nehme ich mit für die Gewässer da draußen, stürmisch oder ruhig, was auch kommen mag, ich trage sie mit Stolz.

Danke an meine Mitpatienten, ich habe viel von Euch gelernt und miterleben dürfen.
Danke an all meine Therapeuten und an das gesamte Pflegeteam, für die Sicherheit und Unterstützung.
Danke an meine Gruppe, für das nicht alleine sein.
Danke an das Küchenteam und Danke an das Reinigungspersonal.
Danke an Frau F. für ihre liebenswerte Art. Ich hoffe, ich habe niemanden vergessen.
Ich wünsche Euch allen viel Kraft, Ausdauer und Mut beim Freischwimmen mit der Weste.
Und für den Spaßfaktor danke ich Gruppe 1x.

Eine Abschiedsrede aus 2023

Hallo!
Meine Zeit in der Hansenbargklinik neigt sich jetzt dem Ende zu. Es waren 17 Wochen voller Emotionen. Es gab schlechte und auch gute Tage. Als ich hier vor 4 Monaten ankam war ich fix und fertig vom monatelangen Trinken. Ich bin nicht mehr arbeiten gegangen, hatte keine Tagesstruktur mehr und habe geliebte Menschen verletzt. Ich hatte Angst vor mir selber, denn ich war nicht mehr ich selbst. Mein Freund war nur noch der Alkohol.

Die Therapie hat mir geholfen wieder zu mir selbst zu finden. Meine Wahrnehmung für meine Umwelt hat sich auf eine Art verändert die ich nicht für möglich gehalten hätte. Ich habe hier Kraft, Mut und wieder Selbstbewusstsein erlernt, für meinen weiteren Weg, der hier für mich noch nicht zu Ende ist.
Ich habe hier sehr viele nette Leute kennengelernt, mit denen ich sehr intensive Gespräche geführt habe. Ich danke meiner Gruppe 2 für den super Zusammenhalt der letzten Wochen. Mein weiterer Dank geht an das gesamte Klinikpersonal, die dazu beigetragen haben dass mein Kopf wieder klar geworden ist. Hier waren alle super.

Mein besonderer Dank geht an meinen Bezugstherapeuten der immer ein offenes Ohr für mich hatte. Nun heißt es aber Tschüss zu sagen…. Ich wünsche euch allen ganz viel Kraft und Ausdauer für euren weiteren Weg und denkt daran den „kleinen Fiesling“ stehts eingesperrt zu lassen.

Seht die Abstinenz nicht als Kampf sondern als Projekt.

Eine Abschiedsrede aus 2023

15 Wochen sind jetzt vergangen, und ich werde in die freie Wildbahn entlassen.

Ich bin nicht mehr der Hase, der Angst hat, gefressen zu werden. Ich bin auch nicht mehr der Wolf, der auf alle losgeht. Ich möchte der Hirsch sein, der erhobenen Hauptes mit meiner Erkrankung durchs Leben geht.

Das komplette Team vom Hansenbarg hat mir dabei sehr geholfen. Besonders bedanken möchte ich mich bei Herrn W., der nie aufgegeben hat, alles aus mir heraus zu locken, meine Probleme zu analysieren und zu besprechen.

Ich habe die von mir gesteckten Ziele erreicht. Ich habe hier meinen Humor wiedergefunden, die Selbstzweifel verloren und ich weiß, dass ich nicht allen gerecht werden kann und muss!

Ein Dank geht auch an die Gruppe 1 und das Volleyball-Team, die auch älteren Patienten eine Chance geben.

Ich wünsche mir für uns alle eine zufriedene Abstinenz.

Reden aus dem Jahr 2022

Eine Abschiedsrede aus 2022

Im Frühsommer 2022 bin ich hier im Hansenbarg eingetroffen, genau wie die meisten von Euch hatte ich nicht den geringsten Schimmer, was mich hier erwarten würde. Doch eines war für mich ganz sicher: ICH würde NICHT die 15 Wochen bleiben, die mir die Rentenkasse genehmigt hat, schließlich steht in der Bewilligung ja: „in Absprache mit dem behandelnden Arzt kann die Therapiezeit entweder verlängert oder VERKÜRZT werden. Das war MEIN Freibrief. Ich bleibe maximal 8 Wochen!!! Diesen Plan vertrat ich auch vehement bei Dr. Stracke und meiner Bezugstherapeutin…und genauso hatte ich es im Vorwege mit meinem Arbeitgeber und dem Suchttherapeuten abgesprochen. Schnell habe ich aber begriffen, dass das Einleben allein ja schon 2 – 3 Wochen in Anspruch nimmt, vom Hören-Sagen wusste ich, dass man sich ca 2 Wochen vor Entlassung schon in Gedanken verabschiedet…..aus dieser Perspektive machten dann 15 Wochen doch Sinn. Fast 15 Wochen liegen nun hinter mir, es folgt eine Wiedereingliederung…mein Arbeitgeber ist nicht begeistert…aber ich bin es, weil es MIR dank dem Hansenbarg jetzt wieder GUT geht!

Denn es ging mir vorher überhaupt nicht gut! Als ich hier ankam, rannte ich wie ein HB-Männchen, ich beschwerte mich darüber dass ich so wenig auf dem Wochenplan hatte, alles musste für mich schnell gehen, effizient, keine Zeit verlieren – wie im Arbeitsleben … und wie zuhause mit Partner, Kindern, Hund, Haus und Garten. Jahrzehnte lautete meine Devise: „Zeit ist Geld, Zeit ist Mangelware“, nutze sie optimal und erledige möglichst viel möglichst schnell – und das fehlerlos! Ich selbst war mein größter Kritiker!

Es hat Wochen gedauert – und mehrere Anstupser von Mitpatienten – bis ich einen Gang runter schaltete, mehr inne hielt. Ich merkte schnell, dass mir das richtig gut tat. Ich verstand, weshalb mein Plan und Tagesablauf nicht lückenlos vollgeproppt war und lernte, die freie Zeit gut zu nutzen: Baustellen abarbeiten, mit Mitpatienten quatschen oder nur relaxen. Von da an änderte sich meine Lebenseinstellung und der Spruch „in der Ruhe liegt die Kraft“ gewann mehr und mehr an Bedeutung für mich. Meine neue Devise lautet nun: „Das Leben ist zu kurz für später“, nutze die Zeit optimal für Dich und in Deinem Tempo, beschäftige Dich mit Dingen, die Du magst, die Du schon immer einmal tun wolltest, genieße die Zeit. Meine Therapeutin zeigte mir auf, dass es ein gesundes Verhältnis zwischen „Sollen“ und „Wollen“ geben muss. Das „Wollen“ muss auf der Waage schwerer wiegen, dann ist unser Leben im Gleichgewicht….und lebenswert. Und sie hat sooooo Recht mit dieser Aussage!

Ich bin mir sicher, dass es nicht leicht sein wird, diese neugewonnene Lebenseinstellung in den Alltag einzubauen – zulange habe ich an alten Mustern festgehalten – und das Arbeitsleben geht ja nun einmal auch für den einen oder anderen weiter, aber es DARF unser Leben nicht dominieren.

Doch die Zeit zu nutzen und zu genießen ist nicht das einzige, das ich hier gelernt habe Ich habe Strukturen gelernt – ich hatte auch zuvor schon Strukturen, aber halt andere – Gruppentherapie, Sport, Ergo, Indikative Gruppen, Ausgabe von Wäsche, Klopapier, Reinigungsmitteln – wöchentlich immer zur gleichen Zeit – wie auf einem Schulstundenplan, Gemeinschaft, Füreinander-da-sein, Vertrauen.

Die beste Therapie aber wart Ihr!!! Die vielen tollen Gespräche in der Cafeteria oder auf dem Raucherplatz – obwohl ich gar nicht rauche….., Gedankenaustausch über Gott und die Welt, Spiele-Abende, 16.30 h – schnell austragen, mit ein paar Leuten rausfahren zum Einkaufen, Kaffeetrinken. Unbeschwert und geschützt vor dem Außen! So hätte es auch für mich noch lange weitergehen können. Aber nun ist es soweit: der Schritt in die Normalität liegt vor mir…und ich bin bereit. Ich habe nun eine klare und ungetrübte Sicht auf meine Zukunft und mir einiges vorgenommen.

„Ich bin hier wie ich ein Alkoholproblem habe!“ Das sagte ich am 20. Mai, am Tag meiner ersten Vollversammlung im Hansenbarg. Heute würde ich sagen: „Ich bin hier, weil ich alkoholkrank bin!“ Ein Problem kann man in der Regel meistens lösen, eine chronische Krankheit nicht. Hier muss man die Realität anerkennen, sie nicht bekämpfen, sondern mir ihr leben. Dass man OHNE Alkohol deutlich BESSER leben kann, durfte ich hier im Hansenbarg erfahren: das Leben ist wieder bunter, lebendiger, kontaktreicher. Alles durchlebt man viel bewusster, man nimmt die vielen Facetten des Lebens endlich wieder wahr und kann sie genießen.

Ich spüre wieder Lebensqualität und dafür möchte ich mich bedanken:

In erster Linie natürlich bei meiner Bezugstherapeutin, Frau K.. Hier habe ich insbesondere von den Gruppentherapiestunden am meisten profitiert. Diese Zeit war nicht nur lehrreich, sondern auch sehr hilfreich für mein weiteres Leben.

Besonderer Dank gilt auch der Physio, Frau G., Frau B., Frau T.: viele Wehwehchen konnten dank Sport und Einzel-Krankengymnastik deutlich verbessert werden.

Dank Frau B. kann ich wieder Bäume ausreißen – fast jedenfalls.

Ein herzliches Dankeschön an die Sozialberatung Frau Sch. und Frau H., ohne die ich wohl nie erfahren hätte, welche Möglichkeiten an Anträgen es denn überhaupt gibt.

Vielen Dank an die Medizin, die ich verhältnismäßig wenig in Anspruch genommen habe, aber die beiden Male, an denen ich sie dringend brauchte, waren sie sofort zur Stelle. Auch hier erfuhr ich eine tolle, kompetente, fürsorgliche und auch herzliche Betreuung.

Auch die AT in der Cafeteria war lehrreich für mich, ein so entspanntes Arbeiten kannte ich bis dato nicht. Es hat mir wirklich viel Freude bereitet und auch sehr viel Spaß gemacht. Vielen Dank Frau F. und Frau O..

Das waren für mich die wichtigsten Anlaufpunkte, aber dennoch möchte ich mich natürlich auch bei allen anderen Therapeuten und der Verwaltung bedanken.

Last but not least die Küche: 3 Mahlzeiten sind für mich reiner Luxus! An Abnehmen war da leider nicht zu denken, aber glücklicherweise habe ich dank Sport und viel Bewegung auch nicht zugenommen. Wer hier meckert und schimpft, tut dies auf SEEEEHR hohem Niveau. Für DAS Budget, das die Küche zur Verfügung hat, wird hier schon einiges geboten. Dafür sollte man sich doch auch manches Mal beim Küchenpersonal bedanken. Von mir an dieser Stelle ein ganz großes DANKE!

Nun muss ich mich doch noch einmal wiederholen: die beste Therapie wart Ihr: ich hab viele Schicksale gehört, mit Euch gelacht und auch viel geweint, Ihr habt mir Eure Lebensgeschichten und Probleme anvertraut – ich Euch meine. Mehr Vertrauen geht einfach nicht – ich weiß, dass ich einige von Euch und auch von den Patientinnen und Patienten, die schon gegangen sind, schon bald im Außen wiedertreffen werde und hoffe, dass diese Freundschaften noch lange, lange halten werden. DANKE AN EUCH ALLE!!!

Genießt Euren Aufenthalt hier in vollen Zügen, nehmt mit, was Ihr könnt und bleibt sauber und trocken im Außen!

Ciao und Auf Wiedersehen – aber hoffentlich nur im Außen!

Eine Abschiedsrede aus 2022

Vor 2 Jahren stand ich schon mal hier, voller Tatendrang und Zuversicht verabschiedet ich mich euphorisch von diesem Hause.

Acht Monate ging es mir bestens. Dann kam der 2. Lockdown, Depressionen nahmen überhand und meine Tagesstruktur brach ein.

Ich wurde ganz schnell wieder rückfällig, ich hatte nicht auf mich aufgepasst.

Voller Resignation wurde ich Drehtürpatientin auf der Entgiftungsstation.

Dann kam die Anfrage vom Hansenbarg, ob ich noch abstinent lebe. Ehrlich beantwortete ich die Frage mit Nein.

Darauf kam der entscheidende Brief von Frau von T. mit der Anregung eine Auffrischungstherapie zu machen. Einige Zeit überlegt ich, ob sich das noch lohnt, hatte ich mich doch aufgegeben.

Aber die Aufforderung ging mir nicht aus dem Kopf, ich empfand es als Signal nicht aufzugeben und wieder aufzustehen.

Ich stellte erneut einen Antrag und nach vielen Kämpfen bekam ich eine Bewilligung für 6 Wochen.

Zuwenig wurde festgestellt und es wurde eine Verlängerung beantragt. Diese wurde jedoch abgelehnt und ich sollte Knall auf Fall gehen.

Doch Dr. Stracke ließ mich nicht im Regen stehen und gab mir die Chance auf Kosten des Hauses zu bleiben, bis mein Widerspruch bearbeitet wurde.

Dank kompetenter Fürsprache von Fr. Dr. Sch. und meiner Therapeutin Frau K. erhielt ich meine Verlängerung, konnte weiter an mir arbeiten und die Zeit gut nutzen.

Danke Ihnen allen von Herzen für die große Unterstützung.

Ich habe nun endlich akzeptiert, dass ich krank bin. Diese Einsicht fehlte mir bislang.

Diesmal war ich breit an mir zu arbeiten, zu merken, es hat keinen Sinn alles mit sich selbst auszumachen, sondern Hilfe und Unterstützung anzunehmen.

Danke Frau K. 

Ich bin der Meinung, wer über diese Einrichtung schimpft, der meckert auf hohem Niveau.

Ich jedenfalls bedanke mich herzlich bei dem gesamten Hansenbarg-Team für die Rundumversorgung und Fürsorge.

Danke auch meiner Gruppe 8 und unserem Stammtisch am Abend, wo Freud und Leid mit Lachen und manch einer Träne geteilt wurden.

Für die noch Hierverbleibenden der Apell, nutz die Zeit hier für euch, ihr seid es wert.

Alles Gute für uns in der Hoffnung, dass wir uns auf einem Sommerfest oder Weihnachtsbasar wiedersehen.

Eine Abschiedsrede aus 2022

Hello everybody, ich bin A. aus Berlin und aus der Gruppe 5. Mein Suchtmittel ist Alkohol.

Am 30.11.2022 startete meine Mission im Hansenbarg. Mit Übergewicht, Depressionen, Angst- und Zwangsstörungen im Gepäck checkte ich ein, angekommen war ich im Kopf aber noch lange nicht.

Meine ersten Eindrücke waren: Wo bin ich denn hier gelandet? Allein schon der nicht endende Franz Barca Weg zum Eingang. Ich sagte zu meiner Frau :“Du Zuckerblume, das ist hier ja am Arsch der Heide. Dit is ja JWD“, also janz weit draußen wie der Berliner sagt. Jetzt liebe ich es.

Die ersten Tage erging es mir wohl wie einigen anderen Patienten auch. Völlig unsicher und kopflos, so richtig braindead, rannte ich umher. Ständig unter Strom, ohne eigentlichen Grund. Das hatte mich die ersten Wochen auch weiterhin begleitet und dann wurde es auch besser. Aber eine Frage beschäftigte mich: 

Mein Sohn, der Autist ist, fragte mich: „Papa, darfst du nie wieder trinken?“

Ich konnte ihn nicht antworten. Das hat mich echt beschäftigt. Aber da ist in mir ein Prozess gestartet für den ich echt dankbar bin und ich kann jetzt antworten:

Ich kann nicht nie wieder sagen.

Es gibt ja auch zum Beispiel Ehen die auseinander gehen und der oder diejenige schwört sich: Nie wieder heiraten, um dann zwei Jahre später einen anderen Partner zu ehelichen.

Ich kann aber antworten:

Ich kann es schaffen nicht mehr zu trinken.

Denn: Zu unfassbar geil ist das Gefühl wieder glücklich und zufrieden zu sein. Eine Art von Freiheit gefunden zu haben, ohne einfach nur noch zu funktionieren. Das kannte ich richtig lange nicht mehr. Alleine das die Birne wieder klar ist ohne Klaren zu trinken. Auch das Erlebnis, wieder ein körperliches Gefühl zu entwickeln, ist auch richtig gut. Ich habe hier knapp 14 Kilo abgenommen und den Sport nach langer Sportabstinenz wieder für mich entdeckt. Das möchte ich mir in Zukunft auchsehr, sehr ungerne nehmen lassen. Da ist echt ein Lernprozess gestartet.

Benjamin Britten schrieb: „Lernen ist wie Rudern gegen den Strom. Sobald man aufhört, treibt man zurück“

In Bezug auf meine Krankheit, der Alkoholabhängigkeit, eine Weisheit die ich nicht vergessen werde.

Dass das Leben nach den Hansenbarg nicht immer Hansapark ist, sollte einem schon klar sein. Ich denke aber, dass ich für das richtige Leben draußen gut gewappnet bin.

Bevor ich gleich zum Abschluss meinen Abschiedsbrief an den Alkohol lese, möchte ich mich bedanken:

Bei den Patienten für wichtige und intensive Gespräche. Mit einigen werde ich auf jedem Fall in Kontakt bleiben. Da können echte Freundschaften entstehen. Hoffentlich findet dieses Jahr das Sommerfest statt. Das wäre eine feine und wichtige Sache. Ähnlich wie bei einem Klassentreffen, nur das hier keiner jemandem etwas beweisen muss, denn der oder diejenige die trocken bleibt, muss keinen etwas mehr beweisen.

Dem gesamten Klinikpersonal, also alles was damit zusammenhängt: Allen Therapeuten die ich kennenlernen durfte, besonderen Dank an Herrn D. und Frau E. für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und wirklich starke Unterstützung, egal ob in Gruppen- oder Einzelgesprächen. Echt bärenstark. Dem Medizinischen Dienst die immer da waren, wenn ich zum Beispiel das Wort Kopfarbeit bei der Arbeitstherapie zu wörtlich genommen habe und auch bei den Ärzten. Da fühlte ich mich sich sehr gut aufgehoben, dem Küchenpersonal für sehr gutes Essen und immer ein netten Spruch auf den Lippen, der Hauswirtschaft für wirklich saubere Arbeit und Freundlichkeit. Der Verwaltung für eine professionelle Abwicklung. Den Arbeitstherapeuten Herrn K., der ein richtig Guterist und Frau P. für ihre freundliche Art und für die Kurzgeschichten zum Wochenende. Und Herrn M. der nicht verstehen kann, dass ich am Mittwoch um 21:00 Uhr Champions League gucke, anstatt im Wald zu arbeiten. Mehr Authentizität und Herzblut geht nicht. Vielen Dank auch an Frau F. für die Ernährungsberatung und an die Ergo. Frau G. vom Sport, die wohl fitteste Frau in der ganzen Region, für ihr Sportprogramm und wirklich professionelle Beratung. Immer wenn sie mich gesehen hatte und ich ankam, sagte sie: “Nein, Herr A. nicht schon wieder Schwimmen“, aber meistens durfte ich.

Und für die Einführungswochen und später NKT Frau v. T. mit ihrer sensationellen Einzigartigkeit. Das passt alles.

Last but not least: Herr Dr. Stracke: Für die professionelle Leitung auch in einer besonders schwierigen Lage der Pandemie und auch natürlich u.a. für das Seminar Depressionsbewältigung.

Echt Top. Falls ich jemanden vergessen habe, dann sorry.

So, nun zu meinen Abschiedsbrief an den Alkohol.

Heute sind wir noch jung an Jahren, ob wir uns noch kennen mit grauen Haaren?

Lieber Alkohol, dieses Gedicht widme ich dir und mir, denn diese zwei Zeilen hat uns lange verbunden. Weißt du noch wie jung wir beide waren, als wir in der Gruppe tranken und jede Menge Spaß hatten? Ok, manchmal ging es ein wenig zu weit, aber fun hatten wir trotzdem. Als wir älter wurden, tranken wir immer noch gerne in der Gruppe, aber auch mit dir allein. Einfach mal abschalten, so haben wir es genannt. Wenn du nicht da warst, habe ich auch an dich gedacht. Später als es mir schlecht ging und ich Angst und Kummer hatte warst du der einzige der bei mir war. Sehr spät merkte ich, dass es vielleicht auch mit dir zusammenhängt und ich fragte mich wie gut unsere Freundschaft wirklich für mich ist. Ich wollte meinen eigenen Weg gehen, doch du hattest allzu oft die besseren Argumente und warst weiterhin präsent. Ich war oft zu schwach um es dir direkt zu sagen, so was wie: “Ich schaffe das alleine. Mir musst du nichts vorgaukeln“. Denn das kannst du so gut wie kein anderer.

Jetzt, genau jetzt, bin ich aber stark und muss dir die Freundschaft kündigen. Du kannst an meine Tür klopfen oder Sturm klingeln, ich werde nicht aufmachen.

Eine Abschiedsrede aus 2022

Dree Monat dat is ne lange Tied
wenn man sig dat von vörn besieht,
ober dat is ne kötte Spann
Kiegs di dat von achtern an.

bedeutet :
Drei Monate sind eine lange Zeit,
wenn man sie vor sich hat
aber das ist eine kurze Zeitspanne,
wenn sie durch ist und man sie hinter sich
gebracht hat.

Drei Monate, das ist eine ganze Jahreszeit, 13 Wochen, in der ich von Familie, Freunden, Arbeit, und dem ganzen Privatleben drumherum incl. Garten getrennt werde. Es hieß:  Es ist ja kein Zwang, du kannst ja auch verkürzen auf 8 Wochen
Und genau das machte mir zuerst Mut, dies zu tun.
Die Unterstützung meiner Frau, meines Arztes und meines Arbeitgebers haben mich dann dazu bewogen, das Richtige zu tun, nämlich 13 Wochen Reha zu beantragen.
Mein AG meinte, es sei ihm scheißegal wie lange es dauert, Hauptsache, ich komme kuriert wieder. Mein Arzt meinte, mit dem Gedanken zu verkürzen bräuchte ich gar nicht losfahren, da könne ich gleich zuhause bleiben.
Zuerst dachte ich ja: DAS schaffst du alleine. Du hast so viel allein geschafft im Leben dann schaffst du das auch. Und genau so war es nicht! Es ist nicht allein zu schaffen
Immer wieder Rückfälle, nach denen andere helfen mussten.
Und so kam die Überzeugung. Die Energie meiner Frau und ihr Einsatz haben mich letztlich überzeugt, nachdem sie alles in die Hand genommen hat. So kam es, dass ich eine Frau Lohse anrufen sollte, von der ich vorher noch nie etwas gehört habe.
Termin beim Arzt war auch schon da. Reha-Antrag war gestellt und Frau Lohse wusste auch schon Bescheid.
Und so kam es, dass ich hier auf dem Hansenbarg eingecheckt habe und meine 13- Wochen angetreten habe und es nicht bereut habe.
Die Therapie war in Ordnung, Coronabedingt gab es einige Einschränkungen, aber das ist nun mal nicht zu ändern. Essen war in Ordnung, Therapeuten waren in Ordnung. Die Unterkunft war in Ordnung.
Zu guter Letzt kann ich sagen, dass ich es nicht bereut habe, diesen Schritt zu tun.
Er war sinnvoll und auch dringend erforderlich.
So verlasse ich den Hansenbarg in der nächsten Woche mit einem gestärkten Willen, so etwas Gefährliches und Unsinniges wie Alkoholmissbrauch zu unterlassen.

Allen Anwesenden und Nicht-Anwesenden wünsche ich, den jeweiligen Teufel, den Ihr gerade bekämpft, zu besiegen und wünsche euch viel Erfolg dabei.

Bei uns sagte der Wirt immer:    Kiek mol wedder in  / Guck mal wieder rein. Genau das habe ich eigentlich nicht vor.  Der Dr. wird’s verstehen.

Tschüss

Eine Abschiedsrede aus dem Frühjahr 2022

Sie war nun 57 Jahre alt, waren ihre Gedanken, als sie sich im Spiegel betrachtete. Vor vielen Jahren hatte ihre Großmutter zu ihr gesagt das dieser Spiegel etwas Besonderes sei. Etwas Besonderes, überlegte sie, während sie sich betrachtete. Johanna sah fasziniert auf die immer dunkler werdende Spiegelung. Der Spiegel war nun schwarz. Einen Moment später tauchte in der Mitte ein sonnenheller Lichtpunkt auf er wurde größer und größer, bis der ganze Spiegel hell wie die Sonne war.

Als sich Johannas Augen an die warme Helligkeit gewöhnt hatten, erkannte sie ein kleines Mädchen das in einem wundervollen Garten spielte. Der Vater hatte ihr ein kleines Haus gebaut in dem sie gerne mit ihren Puppen spielte. Das kleine Mädchen hatte viel Fantasie und beschäftigte sich sehr gerne alleine. Ihre Eltern waren sehr streng, aber auch sehr liebevoll.

Mit ihrem Vater hat sie jedes Jahr auf ihrem Geburtstag einen Ausflug gemacht auf dem sie ihrem Papa alles sagen konnte, das war das größte Geschenk.

Der Spiegel verdunkelt sich wieder und als er wieder hell genug war, erkannte Johanna das kleine Mädchen kaum wieder, es war ein Teenager geworden, ca. 15 Jahre alt. Es saß in der Schule neben ihrer besten Freundin. Die Freundinnen verbrachten viel Zeit miteinander, sie machten die Hausaufgaben zusammen, redeten viel miteinander , trösteten wenn es nötig war und vertrauten sich alle Geheimnisse an. Johanna sah das beide gemeinsam ihren Schulabschluss erhielten und gemeinsam eine Ausbildung machten. Das Schöne daran war, das beide den gleichen Beruf erlernten, somit auch wieder viel Zeit für einander hatten. Sie hatten viel Spaß zusammen.

Das Spiegelbild wurde nun milchig grau, alles ist nur noch grau und verschwommen zu erkennen. Johanna sah angestrengt auf den Spiegel und erkannte langsam das Bild, welches sie sehr traurig machte.

Das Mädchen stand an dem Grab ihrer besten Freundin und konnte es nicht verstehen das sie nun nie wieder wird mit dieser lachen, weinen, Spaß haben, lernen und Geheimnisse haben können. Niemand hatte tröstende Worte für sie, alle hatten zu viel mit sich zu tun, also trauerte das Mädchen für sich alleine. Es dauerte sehr lange bis das Mädchen wieder Beste Freunde hatte.

Noch immer war es alles verschwommen was Johanna sehen konnte.

Das Mädchen versuchte neue Freunde zu finden und hatte Glück gleich drei zu bekommen.(Florian, Anna und Martin).

Das Bild wurde wieder deutlicher Johanna sah, das das Mädchen einen Freund hatte. Das Mädchen lachte nicht viel und sah immer ängstlich aus. Johanna spürte eine Traurigkeit und Angst die von dem Mädchen ausging die kaum zu ertragen war. Einer ihrer Freunde, Florian, bemerkte es und sie erzählte das der Partner von ihr sie schlägt und erniedrigt. Florian half ihr, sich von dem Mann zu trennen. Aber das Gefühl von Angst, Erniedrigung und Schmerzen wird sie nie vergesse.

Nun war der Spiegel längere Zeit schwarz. Als er wieder hell wurde war es die Zeit in der die junge Frau einen Mann kennengelernt hat, der nicht schlägt und arbeiten ging, es schien ihr logisch diesen Mann zu heiraten. Sie bekamen zwei Kinder. In den Jahren, die beide miteinander verbracht haben, wurde die junge Frau nie geschlagen, aber sie lernte das auch Worte Gewalt sein können. Ihr wurde es verboten, mehr als ein Buch in der Wohnung zu haben, Nägel in die Wände zu schlagen, alleine weg zu gehen. Als ihre Kinder 2 Jahre und 5 Jahre alt waren trennte sie sich von dem Vater ihrer Kinder. Es begann ein stiller Kampf um ihre Kinder und ihr letzter Rest an Selbstachtung.

Der Spiegel verdunkelte sich erneut, und Johanna stand bewegungslos da. Es schien als würde der Spiegel Zeit benötigen und abwägen ob Johanna es ertragen könnte noch mehr von dem kleinen Mädchen, die zur Frau geworden war, zu sehen.

Sehr langsam wurde der Spiegel wieder etwas heller und Johanna konnte langsam ein Bild erkennen.

Die junge Frau und ihre Kinder lachten und waren glücklich. Es gab einen Mann, der liebevoll und voller Verständnis für die drei war.

Sie konnten gemeinsam lachen und Spaß haben, etwas, das alle drei lange nicht mehr hatten. Dieser Mann tat alles für die kleine Familie, er liebte alle und sie liebten ihn.

Bald beschlossen sie zusammen zu ziehen, gesagt getan , sie zogen in das Mehrfamilienhaus ihrer Eltern. Einen Tag nach dem Einzug musste der liebende Mann, von der Bundeswehr befohlen, nach Kroatien. Drei lange Monate, in denen die Kinder fragten wo er sei, wann er wieder kommen würde. Und sie sich fragte ist er gesund? Sie sah in den Nachrichten die Berichte und niemanden der ihr Auskunft geben konnte wie es ihm geht, sie hätte kein Recht dazu, da die beiden nicht verheiratet wären. Um in den Schlaf zu kommen trank sie regelmäßig am Abend Wein und hatte einen traumlosen Schlaf.

Er kam unversehrt wieder, aber Johanna sah der Frau an, das die Angst ihn zu verlieren , immer noch sehr groß war.

Johanna blickte in die Ecken des Spiegels, von dort wurde der Spiegel langsam undurchsichtiger, als würden Eisblumen dort erscheinen. Als die Fläche über und über mit den Blumen bedeckt war, hauchte Johanna die Oberfläche an und sah zu wie sich wieder ein Bild im Spiegel zeigte.

Als erstes erkannte Johanna das die Familie glücklich zusammen lebte, aber es schien ein Schatten über alle zu schweben. Johanna sah genauer hin, erkannte nun auch warum. Die Oma der Kinder war krank, die Ärzte nannten es aggressive Demenz und der Opa erkrankte schwer an Krebs. Johanna sah wie sehr sich die Frau bemühte alles zu schaffen, Familie, Arbeit, Pflege der Eltern. Es funktionierte so lange sie abends ihren Wein trank, später dann öfter am Tag. Ihr Vater kam ins Krankenhaus und verstarb, vorher musste sie noch ein Versprechen einlösen das sie ihm gab, keine Lebens verlängernden Maßnahmen hieß es, er litt sehr und sie auch.

Und wieder stand sie an einem Grab und spürte unendliche Traurigkeit.

Ihre Mutter konnte mit ihrer Demenz nicht mehr in der Wohnung bleiben, auch wenn ihre Tochter über ihr wohnte, diese musste auch arbeiten und konnte nicht ununterbrochen bei ihr sein. Die Tochter brachte ihre Mutter in einem Seniorenheim unter. Dort verstarb sie als sie für sich Musik hörte und dabei tanzte, es war einen Tag vor der Goldenen Hochzeit.

Sie stand an dem Grab ihrer Eltern und das einzige was sie etwas getröstet hat war das beide wieder zusammen waren, und vermeindlich der immer mehr werdende Alkohol.

Johanna betrachtet sie genau und bemerkt wieder diese tiefe Traurigkeit und Machtlosigkeit in den Augen der Frau. Diese Frau erinnerte sie an jemanden.

Das Bild verschwand und damit auch das Gefühl sich zu erinnern.

Nun sah Johanna, dass die Frau wieder an einem Grab stand, der beste Freund seit über 20 Jahren verstarb unerwartet an einem Herzinfarkt. Das einzige was ihr half weiter zu funktionieren. war der Harte Alkohol.

Sie trank heimlich aber konstant über den Tag, wenn sie versuchte nicht zu trinken war sie unfähig zu funktionieren.

Nach dem Tod der Eltern hatte sie Halt bei ihrer Schwiegermutter, einer sehr belesenen und liebevolle Frau. Sie kümmerte sich auch um die Schwiegereltern. Eines Tages kam die Schwiegermutter mit einem Herzanfall ins Krankenhaus und verstarb kurze Zeit darauf.

Und wieder stand die nun reife Frau an einem Grab, sie konnte nicht mehr weinen nur noch trinken.

Über den Spiegel legt sich ein dunkler Schleier, schemenhaft kann Johanna die Frau sehen wie diese immer mehr in sich kehrt und immer mehr trinkt, es scheint keinen Ausweg für sie zu geben.

Als sie ihren Arbeitsplatz wegen ihres Alkoholkonsum verliert, geht sie ins Krankenhaus für eine Entgiftung damit sie lernt ohne Alkohol zu leben.Johanna erkennt genau das es ein Versuch von ihr ist zu überleben nicht zu leben. Es scheint eine Weile gut zu gehen, bis bei der Frau eine Krankheit festgestellt wird. Sie wird erfolgreich operiert und es scheint wieder alles gut zu sein. Johanna sieht sie genau an und erkennt wieder diese Hoffnungslosigkeit und Trauer bei ihr.

Es dauert nicht lange da fängt die Frau wieder an heimlich zu trinken.

Scheinbar ist das die Lösung für sie, aber nur scheinbar . Der Mann liebt seine Frau unendlich und gesteht ihr, das er Angst hat um sie.

Während Johanna weiter die Bilder betracht, die der Spiegel ihr zeigt, beginnen bei ihr die Tränen in feinen Linien über die Wangen zu laufen.

Sie sieht wie die Frau versucht, jetzt alles richtig zu machen, sie sucht sich Hilfe, und es scheint alles wieder gut zu werden. Nur wird nicht immer alles gut das weiß Johanna so gut wie die Frau die sie beobachtet.

Es ist Abend und die Frau die seit einigen Monaten keinen Alkohol getrunken hatte, erfährt, dass wieder ein sehr guter Freund verstorben ist.

Dieses Mal sieht Johanna sie nicht an einem Grab sondern alleine und erstarrt auf einem Sofa sitzen. Man kann ihr ansehen das sie gerade jetzt gerne etwas getrunken hätte, aber sie trinkt nicht.

Die Frau steht auf und geht zu einem Spiegel. Vor vielen Jahren hatte ihre Großmutter zu ihr gesagt das dieser Spiegel etwas Besonderes sei.

Eine Abschiedsrede aus 2022

Was Alkohol ist und was es bedeutet Alkoholiker zu sein, habe ich schon als Kind erfahren. Mein Vater war nämlich dem Alkohol verfallen. Ich sage „war“, nicht weil er gestorben ist, sondern weil er inzwischen viele Jahre trocken ist. Dass ich selbst ein Problem mit Alkohol habe, Alkoholiker bin, habe ich auch bereits vor einigen Jahren erkannt. Jedoch habe ich erst ca. im Juni 2021 beschlossen, etwas dagegen zu tun.

Geholfen hat mir dabei ein guter Freund, der selbst inzwischen 4 Jahre trocken ist. Dieser hat genau das Richtige getan: Er hat mich zu nichts gedrängt, sondern den Moment abgewartet, in dem ich selbst äußerte, dass ich etwas gegen meine Sucht tun möchte. Darauf hin sagte er so etwas wie: „Das ist gar kein Problem! Hol Dir erstmal eine Einweisung vom Hausarzt für eine Entgiftung. Von da an geht alles von selbst.“

So war es dann auch. Als ich meine qualifizierte Entgiftung antrat, bot mir die Klinik eine Langzeittherapie im Hansenbarg an. Als ich im November 2021 hier ankam wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Ich war für alles offen, was kommen mochte. Jetzt bin ich seit 19 Wochen hier. In der Zeit habe ich viele schöne, traurige, lustige, wichtige Gespräche mit meinem Bezugstherapeuten Herrn W. und meiner Gruppe I geführt. Dafür bin allen sehr dankbar.

Denn während dieser Gespräche bin ich dem Grund warum ich trinke sehr viel nähergekommen, als ich erwartet hätte. Ich war hier Gruppen-Sprecher und Medienwart. Mich hin zu stellen, vor allen frei zu reden oder für andere da zu sein, dass kann ich gut. Was ich nicht gut kann, ist für mich da zu sein, gut zu mir sein. Der Grund warum, mein Leben so aussieht wie bisher ist, dass ich sehr wenig Selbstwert habe. Als ich dieses erkannt hatte begann ich mich zurück zu ziehen. Ich hatte hier Zeit ganz klein anzufangen, gute Dinge für mich zu tun. Das fiel mir am Anfang besonders, jetzt auch immer noch schwer.

Schon in der sogenannten Krabbelgruppe wurde uns gesagt, dass wir hier sozusagen einen Rucksack bekommen, den wir mit Werkzeugen füllen können. Tools, mit denen wir es besser schaffen, in der Realität nüchtern zu bleiben. Ich wusste lange nicht was damit gemeint ist. Jetzt habe ich diesen Rucksack auf meinem Rücken, mit vielen verschiedenen Hilfsmitteln. Man muss ihn nur geöffnet halten, dann kommen von allen Seiten, vom gesamten Team im Hansenbarg, Werkzeuge dazu.

Ich danke also auch dem gesamten Team. Natürlich Herrn Dr. Stracke, Frau v.T., der Hauswirtschaft und den Arbeitstherapeuten Herrn K. und Frau P., die alle ihre Tools dazugetan haben.

Mein Weg beginnt erst und er wird noch lang, jedoch fühle ich mich nun gut ausgerüstet. Hiermit möchte ich mich von allen verabschieden, ich hoffe wir sehen uns noch einmal wieder, aber nicht hier.

Ein Abschied 2022

18 Wochen ... hätte mir je ein Mensch erzählt, dass ich in einer Klinik 18 Wochen verbringen werde und dann mit teilweise schwerem Herzen wieder gehe - ich hätte es nicht geglaubt. 

Nun liegt diese Zeit fast hinter mir. Es war nicht immer einfach, aber ich bin stolz diesen Weg gegangen zu sein. War mir doch schon vor langer Zeit klar, dass ich die Beziehung zum Alkohol nicht alleine beenden kann. Zu oft hatte ich es versucht und war gescheitert. Es war nicht alles schlecht in dieser Beziehung - ich hatte viel Spaß, habe gelacht, Trost gefunden und war selten einsam..... Doch ich habe auch vieles verloren. Nun ist diese gemeinsame Zeit vorbei und das ist gut so! In meinem Leben ist kein Platz mehr für diese Beziehung. 

Hier im Hansenbarg habe ich tolle Menschen kennengelernt und gute Gespräche geführt. Ich hatte eine Familie gefunden, als meine mich nicht wollte. 

Ich habe hier Flügel bekommen und mir wurde gezeigt wie ich damit umgehe. Nun ist es an der Zeit, diese Flügel auszubreiten.

Ich danke meiner Gruppe 2, besonders für die viele Zeit, die ich in den Gruppentherapien von Euch bekam - ihr seid klasse!

Und ich danke Herrn Dr. Stracke und dem gesamten Team vom Hansenbarg. Alle waren sehr nett zu mir und ich habe mich zu jeder Zeit gut aufgehoben gefühlt. Vorallem danke ich Herrn M. und ganz besonders meiner Bezugstherapeutin Frau H. DANKE!

Nun wünsche ich Euch allen eine gute Zeit hier, nutzt sie für Euch und ich freue mich auf ein Wiedersehen beim Sommerfest.

Reden aus dem Jahr 2021

Ein Abschied aus 2021

(Alle Daten wurden anonymisiert)

…Alkohol…

Ich will nicht unhöflich sein, aber auf eine Anrede verzichte ich bewusst!

Wie sollte ich Dich ansprechen?

Lieber Alkohol?
Was ist denn an unserer Beziehung lieb gewesen!?

Hallo Alkohol?
Das finde ich sehr unpassend, denn Hallo möchte ich nie wieder zu Dir sagen!!!!!

Hey …
so begrüße ich gute Freunde…

Moin moin und sehr geehrter
fallen auch raus….

Da ich ein Mensch bin, der Gewissheit braucht, wenn Freundschaften/Beziehungen/Kontakte zu Ende gehen, möchte ich Dich auch so behandeln und Dich nicht im Unklaren lassen, warum Du seit 4 Monaten keinen Kontakt mehr mit mir hast.

Ende xxx 2021 hast Du es geschafft, dass ich morgens nur noch ein Wrack war und ich nach unseren Treffen am Vorabend (und an den vorangegangenen Tagen und Wochen) Deine Auswirkungen auf meinen Körper so massiv gespürt habe, dass ich nicht mehr in der Lage war wie bisher weiter zu funktionieren!

Ich habe mich dann bei der Arbeit krankgemeldet und mich zum Arzt bringen lassen. Endlich hatte ich den Mut gefunden, mich anderen Menschen anzuvertrauen und mir Hilfe zu suchen, um von Dir los zu kommen. Ich war ein Wrack, körperlich wie psychisch!!!

Jede Faser meines Körpers schmerzte, innerlich hatte ich das Gefühl, dass ein ganzer Ameisenhaufen in mir aktiv war, meine Fingerspitzen waren oft ohne Gefühl und das Laufen fiel mir schwer und strengte mich extrem an. Psychisch war ich wie tot…ich hatte keine Lebensfreude mehr, kein Selbstwertgefühl, kein Selbstbewusstsein….

Ich konnte mein Spiegelbild nicht mehr ertragen, denn dort habe ich nicht mehr mich gesehen, sondern eine Person, die sich optisch durch Dich sehr verändert hatte. Mein Blick war tot und leer. Ich hatte eingefallene Augen und Augenringe und das Lachen und die Freundlichkeit waren aus meinem Gesicht verschwunden.

Aber das sollte nun vorbei sein!!!

Im xxx war ich dann für fünf Tage im Krankenhaus zur Entgiftung. Ich war erstaunt, wie schnell mein Körper sich von Dir erholt hat. Ich brauchte am ersten Tag nur eine Tablette um es zu ertragen, dass Du nicht mehr bei mir warst. Meine Seele/Psyche hat Dir allerdings noch lange hinterher getrauert und ich war oft kurz davor, Dich wieder in mein Leben zu lassen; So stark war die Sehnsucht nach der Gewohnheit mit Dir!!!

Ich bin dann oft stundenlang unruhig durch meine Wohnung getigert und konnte mich nicht wirklich auf etwas konzentrieren!

Geholfen haben mir dann die Fotos, die es von mir gibt, wie ich aussah, wenn Du in meinem Körper warst, das Foto nach der Entgiftung und die Fotos meiner Kinder, die sie mir für den Krankenhausaufenthalt gemacht haben. Dann war ich stark genug, um Dich nicht wieder in mein Leben zu lassen!!!

Zum Anfang unserer Beziehung war es ja auch schön mit Dir…Ich konnte fröhlich sein, hatte Spaß. Im Lauf der Zeit wurde das Verhältnis aber immer schlechter. Wir hatten oft nur nach negativen Dingen, die in meinem Leben passiert sind Kontakt. Du hast mich dann getröstet, hast mir geholfen mich zu entspannen und einzuschlafen…

Und ganz langsam hast Du Dich soweit bei mir eingeschlichen, dass ich abhängig von Dir war und nicht mehr ohne Dich leben konnte!!! Ich habe Dich und mich dafür gehasst!!! Der erste Schluck war so widerlich, einfach ekelhaft!!!

Aber ich konnte mich nicht gegen Dich wehren und erst wenn die Flasche leer war, hast Du Ruhe gegeben… Bis zum nächsten Tag!!!!

Die ganzen unschönen Dinge, die während unserer gemeinsamen Zeit mit mir passiert sind brauche ich Dir nicht weiter erläutern!!!

Im xxx bin ich endlich aufgewacht und habe beschlossen, mein Leben ohne dich zu leben! Es war bis heute nicht immer einfach und auch in Zukunft werde ich sicherlich noch oft damit konfrontiert werden, ob wir beide nicht doch wieder zu einander finden…

Aber NEIN, das will ich nicht mehr!!!

Ich will endlich zu mir selbst finden, wieder lachen können, fröhlich sein und das Leben genießen können. Das ist mit Dir nicht möglich!!!

Ich will wieder die aktive Frau sein, die ich einmal war, will wieder Fahrrad fahren, walken und mich bewegen können, ohne dass mir mein ganzer Körper weh tut und ich immer das Gefühl habe, dass ich umkippe!! Das ist jetzt vorbei!!!

ALKOHOL…Du bist für viele Menschen kein Problem und keine Bedrohung, aber mit uns beiden hat es nicht geklappt. Unsere Beziehung hat mich fast zerstört; Gesundheitlich wie familiär! Meine Kinder waren kurz davor mir den Rücken zuzukehren und zu ihrem Vater zu ziehen. Mir wurde das endlich bewusst und darum ist nun SCHLUSS mit uns beiden!!!!!

Tschüss…

Auf Wiedersehen…

Alles Gute…

Alles Liebe…

Bis bald…

Mach´s gut…

Viele Grüße…

Eine angemessene Verabschiedung gibt es nicht!!! Darum sage ich:

Verpiss Dich aus meinem Leben und lass Dich nie wieder bei mir blicken!

Hansenbarg, im xxxx 2021

Rede aus 2021

„Ein Abschied verleitet immer dazu, etwas zu sagen, was man sonst nicht ausgesprochen hätte.“

Kennt Ihr das Gefühl mit dem falschen Fuß aufgestanden zu sein? Ja!?

Ich hatte dieses Gefühl in meiner Zeit fast täglich…..

Tage an denen ich lieber liegen geblieben wäre,

Tage an denen mir schon beim ersten Sonnenstrahl alles zu viel war,

Tage an denen meine Selbstzweifel mich fast zerfressen hätten,

Tage…..

Diese Tage haben sich auch auf mein Verhalten, meine Art und Weise wie ich Menschen gegenüber trete und meine Laune ausgewirkt.

Ja, ich habe Fehler gemacht, ich hasse es Fehler zu machen, aber ich bin ein Mensch, der eben Fehler macht und dass ist auch gut so. Eines der Dinge, die ich in meiner Zeit hier, wenn auch sehr schmerzhaft, lernen durfte.

Ich möchte aber allen Neuen mit auf den Weg geben, immer offen für alles zu sein, seinen Therapeuten zu vertrauen, die Menschen um einen herum wirklich kennen zu lernen, stets bei sich zu bleiben und alles aufzusaugen was in den Gruppen und Gesprächen erzählt wird.

Wer wirklich etwas an sich ändern möchte, bekommt hier auch die Gelegenheit dazu.

Auch wenn ich hier viel gelernt, den größten Teil meiner Ziele erreicht habe und gewisse Sachen jetzt anders sehe als vor meiner Therapie, war der Hansenbarg für mich nicht der richtige Ort.

Ich danke jedem einzelnen von Euch, für die gemeinsame Zeit, denn jeder von Euch hat dazu beigetragen, dass ich am Montag mit erhobenen Haupt die Klinik verlasse, im meinen Weg zu gehen…..Danke

Abschiedsrede von Herrn K. aus März 2021

Ich bin in dieser Klinik angekommen als gebrochener junger Mann, der 5 Jahre durchgehend Cannabis konsumierte und keine Perspektive oder Ziel für die Zukunft hatte. Ich gehörte zu den Kandidaten, die schon nach den ersten 3 Wochen frühestmöglich die Klinik verlassen wollten, umso glücklicher bin ich nun auf die Empfehlung von Dr. Stracke und meiner Therapeutin gehört zu haben, so dass ich bald nach 17 Wochen meine Therapie erfolgreich abgeschlossen habe.

Für mich war es die beste Entscheidung, die ich bisher in meinem Leben getroffen habe, diesen Weg einzuschlagen. Durch die besonders menschliche Herangehensweise und großartige Kompetenz in dieser Klinik wurde bei mir die ADHS-Diagnose gestellt, was mir persönlich sehr half auf viele offene Fragen, die ich in der Vergangenheit hatte eine Antwort zu finden.

Die darauffolgende Behandlung hat mein Leben und meine Wahrnehmung für meine Umwelt auf eine Art verändert, die ich nie für möglich gehalten hätte.

Egal wie schwer ein Tag einem mal vorkommen mag, dem impulsiven Gedanken und dem daraus resultierendem Verlangen zu widerstehen, um weiter diesen Weg zu beschreiten, den wir hier alle gemeinsam gehen, das lohnt sich meiner Meinung nach so sehr, dass ich kein Wort fände, um zu beschreiben wie sehr.

Ich hätte mir nie zu träumen gewagt, sagen zu können, dass ich diese Klinik hier als Mann verlasse, der jetzt den Mut, die Kraft und auch das nötige Selbstbewusstsein hat, seinen Träumen und Zielen im Leben nachgehen zu können.

Ich bedanke mich aus tiefstem Herzen bei allen Mitarbeitern dieser Klinik, den Krankenschwestern, die immer viel Nachsicht mit mir hatten. Besonders möchte ich mich noch bei Frau St. und Herrn K. bedanken für das Verständnis was sie mir entgegenbrachten.

Mein allergrößter Dank gilt jedoch Dr. Stracke für alles was er für mich getan hat. Ich bin den Universum sehr dankbar dafür, einen so herausragenden Arzt wie ihn kennen gelernt zu haben, und wünsche Ihnen, allen Mitarbeitern der Klink und allen Patienten alles Gute und viel Gesundheit.

Abschiedsrede von Herrn H. aus März 2021

Es gibt Dinge, die ich gebrauchen kann,

einige vielleicht so irgendwann.

Aber eines kann ich nicht gebrauchen,

so wie das Saufen und Rauchen.

Der Fiesling in meinem Kopf aber meint,

du hast es aber noch nie verneint.

Ja, das weiß ich, Du kleiner Zwerg,

jetzt bin ich aber fast über dem Berg.

Der Fiesling meint ziemlich stur,

ach komm schon, ein Bierchen nur.

Ich sage ihm, das lass ich lieber sein,

mir fällt etwas viel schöneres ein.

Der Fiesling sagt in meinem Kopf,

komm schon nur ein Schluck, du alter Tropf.

Nein, verdammt, hör auf zu stressen,

könnt ich Dich doch nur vergessen.

Der Fiesling in meinem Kopf sagt,

das Gespräch wird nun vertagt.

Ja ich weiß:

Ich brauche immer wieder neuen Mut,

da der Fiesling mir nichts Gutes tut.

Aber jeden Tag, das muss ich mir schwören,

ich darf nie wieder auf ihn hören.

Denn der Fiesling ist immer greifbar,

jede Sekunde und jedes Jahr.

Abschiedsrede von März 2021 von Frau L.

Ich bin hier vor knapp 3 Monaten als Mensch angekommen der sich verloren hatte - der dringend Schutz vor der eigenen Gedankenwelt wie auch der Außenwelt brauchte.

Zu fühlen das mir die geliebten Menschen die mir am Nächsten stehen nicht mehr helfen können, obwohl sie Alles versuchen - es paradoxerweise durch ihre Fürsorge und Liebe noch unerträglicher zu machen schienen - versetzte mich in große Angst und Hoffnungslosigkeit und erzeugte auch ein stückweit Verachtung vor der eigenen Person.

Das große Verständnis, die Empathie, schlicht die Professionalität jedes einzelnen Angestellten des Hansenbargs gaben mir schnell ein Gefühl der Geborgenheit. Ich konnte endlich durchatmen, kam langsam aber sicher zur Ruhe und wurde sehr gefühlvoll und respektvoll an die Hand genommen um mich selbst besser verstehen zu können.

Ich lernte eine Akzeptanz gegenüber meiner Zerbrechlichkeit und Schwächen zu entwickeln und mir für meine Fehler zu verzeihen, meine Selbstliebe von Leistungen zu entkoppeln, Liebe zur Abstinenz und Demut vor der Sucht.

Es gab Ups und Downs, ich wurde zwischenzeitig ungeduldig, dachte der Prozess stagniert, wurde aber immer feinfühlig von Therapeuten wie Mitpatienten aufgefangen.

Therapie tut meistens weh, haltet durch und sprecht über das was ihr fühlt und seid immer ehrlich.

Ich kenne mich jetzt besser und gehe mit einer Ruhe und einem tiefen Vertrauen in mich, das ich lange nicht mehr gespürt habe.

Ich verlasse den Hansenbarg ein wenig vor der angedachten Zeit um mir einen behutsamen, bedächtigen Start zurück ins Leben zu ermöglichen bevor der nächste Job startet und danke für das Verständnis seitens der Klinik, was mir viel Kraft mit auf den Weg gibt.

Ich gehe mit großer Freude zurück in die Welt und das hätte ich vor so kurzer Zeit nie geglaubt. Dafür möchte ich besonders Herrn K. danken, ebenso Frau S., Frau v.T. und allen anderen wundervollen Therapeuten und Ärzten des Hansenbargs, meinen Mitpatienten, dem tollen Küchenteam, dem immer gut gelaunten Team der Hauswirtschaft und last but not least Herrn Dr. Stracke für seine wundervolle Art und Weise diese Klinik so erfolgreich zu führen.

Ich wünsche euch allen Alles Glück, Gesundheit, viel Kraft und Liebe für euren Weg.

Reden aus den Jahren 2017 bis 2020

Abschiedsrede aus Januar 2020

1. Januar 2000, drei Wochen Entgiftung-Ochsenzoll – keine Nachsorge – keine Selbsthilfe – keine Therapie.
Alles auf Null und Vollgas, neues Spiel – neues Glück – 18 Jahre kein Tropfen Alkohol, die letzten 4 „nur Koks und Canabis“ von morgens bis abends, bis zum Herzstillstand und 14 Tag Scheintod, vor den Augen meiner Tochter, im jungen Leben meines Sohnes…
Entsetzen im Herzen der meinen. Mit 57 Kilo auf... den Rippen – komplett klar, auch keine Kippen – noch immer kein Alkohol, ab in die Reha-Klinik, ab aufs Land, ein wenig kürzer treten, weniger Arbeiten, weniger Action – altes Denken – altes Handeln – viel Langeweile und … ??
Genau!!! .. Bäm und Rückfall in Zigaretten und Alkohol –
Mein „Glücksfall“ – „Hansenbarg“
Vor ca. 24 Frühstückseiern.
Ich weiß noch wie die Sonne schien am ersten Tag, ein gutes Omen dacht ich. Beim Mittagessen nahm ich vom Nachbartisch – andere Gruppe – eigene Gesetze. Hat natürlich gleich die Fontanelle gezuckt und Thomas sein bestes Äußeres gezeigt – Dings – mit roten Agrokopf und so.
Cliquen hier, Cliquen da und alle mit Nummer und großer Klappe. Und ich bin gleich drauf angesprungen – Dings – viele Freunde gemacht!! Wo bin ich nur gelandet, Alarmstufe Blutrot, alle Schotten dicht und Leckarsch-Modus eingelegt. Komplett dicht gemacht – Dings – immer Solo, immer – „oh wie gerne“!! Mund abgewischt und weitergemacht, auf Regen – Dings – folgt Sonnenschein!
Nie – Niemals – Nicht denkbar für mich. Hier zu stehen, -vor Euch - vor Ihnen-, wegen Euch… wegen Ihnen.
Rückfall heißt, so weiß ich jetzt: Das Übel kommt von hinten, wenn du vorne die Aufmerksamkeit - das Interesse verlierst, deinen Platz zu finden, dein berechtigtes Sein in Ordnung zu halten!
Der Rückfall ist keine Schande, aber schädlich, ergibst du dich!
Ich kam zerschlagen in „Geist und Würde“ – gebrochen – doch bin ich aufgestanden … das spricht für mich.
Die Wunde habt „Ihr“, haben „Sie“ mir gelindert, die Narben trage ich! Für „Euch“ stehe ich gerade. Für „Sie“ steh ich fest! Für „Mich“ bin ich glücklich.
Meine Bitte an „Euch“: Liebt das Leben.
Meine Bitte an „Sie“: Lieben Sie weiterhin „Ihr“ Wirken

- Mundabwischen - Weitermachen

Was ich habe:
92 Kilo auf den Rippen
9 Tabletten pro Tag
Wissen ob der Krankheit
Mut und Lust auf Neues
Kampflust und Zuversicht
Klarheit wie Eiswasser
Ein Herz wie ein Stier
Atem für die -eine- die letzte Runde
Die Liebe und Hilfe der meinen
„in Schalah“
So Gott will!

Eine Abschiedsrede von Herrn B. aus Mai 2019

Moin, 
ich bin B., bin am 17.10.2018 in die Entgiftung gegangen und heute nun 
seit 199 Tagen trocken. 
Am 24.01.2019 kam ich hier im Hansenbarg an, für 13 Wochen, wovon 
jetzt die 15te zu Ende geht. 
Erwartungen?? 
Ich hatte gehört, da wirste auseinander genommen und wieder neu 
zusammengesetzt,------ na denn mal los!!! 
Die Wochen dümpelten vor sich hin und ich hab immer noch gewartet,  
darauf das es nun endlich losgeht,--------Pustekuchen!!!! 
An einem Tag war ich dann mal allein im Billardraum, büschen Mucke 
hören und n paar Kugeln schieben. 
Da hab ich mir mal den großen Billardtisch angesehen und gedacht, 
eigentlich ist der doch recht stabil, nur etwas vernachlässigt, das 
Tuch, die Banden, alles verstaubt, nicht symmetrisch--- 
etwa genauso wie ich besoffen rumgelaufen bin, anwesend aber nicht 
wirklich da und gut anzusehen.

Eine Abschiedsrede von Herrn K. aus 2018

„Wenn das Schiff auf falschem Kurs ist, genügt es nicht, den Kapitän auszuwechseln - man muss den Kurs ändern.“ (P.Kosorin)

Meine Zeit hier im Hansenbarg möchte ich mit einer Schiffsreise vergleichen.

Wenn ich auf die letzten Jahre meines Lebens zurückblicke, stelle ich fest, dass ich mehr oder weniger einsam und ziellos auf dem Meer umhergetrieben bin. Ich entfernte mich mehr und mehr von meinem Heimathafen, die Wellen wurden von Tag zu Tag höher und peitschten mir schmerzlich ins Gesicht, der Wind wurde immer unerträglicher und ich bemerkte, dass ich irgendwie auf falschem Kurs zu sein schien. Der Nebel um mich herum verschleierte mir die Sicht so sehr, dass ich Rettungsringe und Hilfsanker, die mir mehrfach angeboten wurden, nicht mehr wahrnahm und mich stattdessen immer mehr treiben lies. Als mein kleines Boot, in dem ich saß, kurz vor Weihnachten fast zu kentern schien, wusste ich plötzlich, dass ich den Kurs ändern muss, um nicht in den Tiefen des Meeres unterzugehen und im wahrsten Sinne des Wortes zu ertrinken.

Ich steuerte nun mit letzter Kraft den Hansenbarg an, in der Hoffnung, hier als fast Schiffsbrüchiger, gerettet zu werden. Im Hamburger Hafen verließ ich voller Angst und zugleich voller Hoffnung mein kleines Schiff und begab mich in ein Rettungsboot, in dem ich vom Kapitän Herrn R. sehr herzlich aufgenommen wurde. Dieser schaffte es dann, in seiner sehr eigens einfühlsamen und angenehm herzlichen Art, mich zu beruhigen und mir meine ersten Ängste zu nehmen. Er brachte mich sicher zur MS Hansenbarg und übergab mich dem dortigen Bordpersonal. Das Schiff, die MS Hansenbarg, erschien mir zunächst riesig und wirkte sehr befremdlich auf mich. Kaum angekommen, begann auch schon das Bordpersonal, Frau B., Frau B., Frau v.T. , Frau B. und sogar der Kapitän des Schiffes namens Dr. Stracke sowie sein 1. Offizier Herr Dr. Hilge, mich in merkwürdige Interviews und sich immer wiederholende Fragestellungen zu verwickeln. Ich war den Tränen nahe und fragte mich, ob ich die Reise auf diesem Schiff wirklich antreten sollte. Zum Glück wurde ich bei diesen ersten Schwierigkeiten von einem sehr netten Passagier namens R. unterstützt, der schon einige Wochen an Bord war, mir Mut machte und sagte „Das wird schon alles“! Er zeigte mir später auch die Innenräume des Schiffes, brachte mich zu meiner Kajüte und stellte mich auf Deck Nr.4 vor.

Auf dem Deck Nr.4 wurde ich von circa 12 weiteren Passagieren gut aufgenommen und begann, mich allmählich auf die Reise einzulassen. Das Schiff setzte sich nun langsam in Bewegung und ich spürte, wie mit jeder kleinen Welle, die wir nahmen, ein Stück des vernebelten Schleiers fiel und ich wieder eine klarere Sicht auf viele Dinge bekam. Ebenso spürte ich, dass ich die Sonne, den Wind die Wellen und den Seegang wieder viel intensiver spüren konnte, als noch einige Wochen und Monate zuvor. Ich sah ab und zu sogar kleine Fische und andere Meerestiere, an denen ich mich erfreuen konnte.

Ständig stiegen neue Passagiere in das Schiff ein und aus. Wir reisten zusammen ein Stück und wurden uns zum Teil sehr vertraut. Leider verließen aber auch einige Mitreisende das Schiff während der Fahrt und sprangen wieder ins „Nasse“. Das hat mich manchmal nachdenklich und traurig gemacht und mir gezeigt, dass nicht jede Reise erfolgreich endet.

Meine Reise mit der MS Hansenbarg neigt sich nun dem Ende entgegen. Ich werde wieder umsteigen in mein Boot und diesmal hoffentlich den richtigen Kurs wählen. Ich weiß, dass es einen Hafen gibt, in dem sehr liebe Menschen auf mich warten. Dort beginnt der nächste Teil meiner Reise, die nun eine Lebensaufgabe für mich wird. Auch in Zukunft werde ich gegen Wind, Wellen und Sturm ankämpfen müssen und darf nicht gleich abtauchen, wenn es mal unangenehm wird. Das richtige Schiffswerkzeug dafür habe ich hier vom Bordpersonal und von einigen mir liebgewonnenen Passagieren zur Verfügung gestellt bekommen. Jetzt geht es darum, das Werkzeug auch einzusetzen, langfristig zu nutzen und die Segel richtig auszurichten.

An dieser Stelle möchte ich der gesamten Crew und Bordbesatzung meinen Dank aussprechen. Ohne euch würde ich wahrscheinlich noch immer allein auf weiter See umherschippern ohne ein Ziel vor Augen zu haben.

Meinen Mitreisenden von Deck 4 und natürlich auch allen anderen Passagieren hier an Bord wünsche ich eine gute Weiterreise. Habt den Mut, den Kurs zu ändern, die Segel anders zu setzten auch wenn die See mal rau ist, und verliert euren Zielhafen niemals aus den Augen.

Eine Abschiedsrede aus 2018

Als ich vor fast 20 Wochen hier ankam, hatte ich keine Erwartungen an die Therapie. Ich wollte nur erstmal von da weg wo ich herkam. Meine Lebensumstände waren desaströs. Keine Ziele, keine Struktur, keine Zukunft und keine Normalität mehr. Und ich war schon so daran gewöhnt, dass ich das nicht mal mehr mitbekam.

Die ersten Wochen hier, schlugen mir dann plötzlich so viel Struktur und soziales Miteinander um die Ohren, dass ich von der Realität wie erschlagen war und alles wie ein Film an mir vorbei zog. Aber obwohl ich mich wie ein Alien gefühlt habe, wurde ich nie so behandelt.

Den Mitpatienten, die immer wieder nachgehakt und mich damit langsam aus meiner Isolation gepuzzelt haben, gilt ein großer Teil meines Dankes. Auch den Mitarbeitern, die nie unachtsam und fast immer freundlich waren. Sehr geholfen hat mir auch, dass mir am Hansenbarg niemals das Gefühl gegeben wurde, eine wandelnde Diagnose oder ein wandelndes Problem, vor allem für mich, aber auch für andere zu sein, sondern eine Persönlichkeit mit einem Problem das es zu lösen gilt.

Ich hatte nie das Gefühl das mir vorgeworfen wird, dass ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege und mich nur endlich zusammenreißen muss, sondern das gefragt wurde WARUM ich mein Leben nicht auf die Reihe kriege. Wo kommt das her? Was sind die Ursachen? Und wie kann man damit so umgehen das es einfacher wird. Dafür danke ich vor allem meiner Therapeutin Frau B., die mich sehr behutsam auf diesem Weg begleitet hat. Danke auch an Dr. Stracke für die einprägsame Depressionsbewältigungsgruppe.

Als ich verstanden habe, dass jeder Mensch ein unterschiedlich großes Paket aus seiner Vergangenheit mit sich trägt und aufgrund dessen im Hier und Jetzt, von Mensch zu Mensch unterschiedlich, viel im Alltag zusätzlich tragen und ertragen kann, konnte ich mir endlich erklären und ein bisschen verzeihen, dass ich mein Leben bisher so vergeigt habe. Ich kannte bis jetzt nur das Chaos als Überlebensstrategie. Und weil das bisher eher nicht so gut funktioniert hat, mache ich es ab jetzt anders.

Ich weiß zwar noch nicht immer wie und das macht mir bisweilen auch noch oft große Angst, aber ich weiß jetzt woher diese Angst kommt. Und ich weiß jetzt auch wo ich nie wieder hin will und was ich dafür tun muss. Abstinent und clean bleiben.

Danke für all die lebensverändernden Einsichten die ich hier gewinnen durfte und die ich vor lauter Verdrängungskonsum alleine nie gefunden hätte. Ich hoffe ihr alle erlebt hier Ähnliches. Danke.

Eine Abschiedsrede aus 2017 von Herrn W.

Nun ist auch meine Zeit gekommen, dem Hansenbarg Lebewohl zu sagen. Was mir persönlich nicht leicht fällt. Denn ohne euch, dem Hansenbarg-Team (Therapeuten, Küche, Ärzte, Hauswirtschaft, Physio) wäre ich nicht mit meinem Paket klar gekommen und hätte meine ganzen Baustellen nie bewältigen können.

Denn ich war an einem Punkt, an dem ich mich und mein Weg verloren hatte. Ich hatte einen wahnsinnigen Selbsthass mir gegenüber, der mich sehr lange ziemlich runter gezogen hat. Ich wollte zum Beginn hier eigentlich alles hinschmeißen, bis ich nach zwei Wochen in meine Gruppe 5 kam. Die hatte einen ganz großen Anteil, dass ich mich nicht aufgegeben habe und meinen Weg hier weiter gegangen bin; die gab mir sehr viele Tipps und viel Hilfe, dass ich mich nicht aufgebe und weiß was ich kann. Ihr wart mehr als eine Gruppe für mich - ihr wart wie eine Familie für mich. Die mich niemals aufgegeben hat und immer wusste, dass ich das alles schaffe… Danke für diese Grillabende, Gespräche, für das Lachen, das ich durch euch wieder entwickeln konnte. Einfach Danke!

Es gibt noch einige Personen die ich erwähnen muss durch die ich viel gelernt habe.

Kommen wir zu H.; Ich habe bisher niemals einen Menschen kennen gelernt, der so ehrlich und sich selbst so treu geblieben ist wie du. Du hast mich vom ersten Tag an aufgenommen; hast mir so viel Positives und Respekt entgegen gebracht. Was mich beeindruckt hat ist, dass du egal wie schlecht ich drauf war, dich immer darum gekümmert hast dass ich nicht alleine war. Durch dich habe ich gelernt, mir selbst treu zu bleiben und niemals aufzugeben. Du bist ein herzensguter Mensch, der mir sehr fehlen wird.

Meine beiden Chaoten, S. und D.: Der Dienst in der Cafeteria mit euch beiden war immer ein Genuss; es hat so viel Spaß gemacht mit euch zu arbeiten und auch unsere Ausflüge werden mir fehlen. Besonders werde ich die Gespräche in der letzten Woche nicht vergessen, in denen ihr mir so viel Mut gemacht habt. Ihr beide habt mir mein Lachen wiedergebracht.

Als Letztes komme ich zu L.: Du bist mir in all der Zeit so ans Herz gewachsen, dass du für mich wie eine Mutter geworden bist. Und ohne dich würde ich vielleicht nicht mehr hier stehen… denn du hast immer gesehen, wenn es mir schlecht ging; hast mir mit den Gesprächen geholfen, mir selbst nicht mehr böse zu sein… Durch dich bin ich auf den rechten Weg gekommen, mein Leben so zu gestalten wie ich es will. Du hast so viel Gutes in mir gesehen und das in mir gesehen, was ich jetzt bin. Durch deine gutherzige, menschliche, freundliche Art hast du mich mit am meisten aus meinem altem Leben rausgeholt. Ich kann dir nicht genug danken dafür, denn ich ohne dich hätte ich diesen Weg nicht geschafft.

Ich kann euch allen nicht genug Danke sagen. Jeder von euch hat mich zu dem Menschen gemacht, der ich nun am Ende der Therapie bin. Danke dass ich mit euch leben und arbeiten durfte; es war mir eine große Ehre.

Diese Mail von Herrn G. erreichte uns im August 2017. Wir haben alle Namen zum Schutz der Personen entfernt.

Heute, am 7.8.2017 habe ich meinen zweiten Geburtstag, so möchte ich es mal nennen. Nun bin ich zwei Jahre trocken (mit qualifiziertem Entzug), denke so gut wie nie an Alkohol und bin glücklich von Jahren der Trockenheit zu sprechen und nicht mehr von Monaten. Klingt ein wenig übertrieben, aber mir tut es gut und macht mich stolz :-) Schlüsselreize (Trigger), wie sie Andere bestimmt auch kennen, habe ich gar nicht mehr.

Neulich war es dann so weit. Es hat jemand, der nichts von meiner Abstinenz wusste, eine Flasche Sekt mit zu mir gebracht. Der erste Alkohol seit fast zwei Jahren in meiner Wohnung. War ein komisches Gefühl. Gebe ich zu. Und ich musste auch über das Eine oder Andere nachdenken. Bin ich getriggert "Ja" oder "Nein"??? Gefallen hat es mir nicht, wenn ich ehrlich bin. Ich habe es als eine kleine Prüfung für mich empfunden und habe nichts gesagt. Der Zeitpunkt würde mal kommen, dass wusste ich. Nun denn .......

Am nächsten Tag habe ich die Sache natürlich aufgeklärt und gemeint, dass sie doch bitte die leere Flasche wieder mitnehmen solle. Das war ihr sehr peinlich. Ich klärte sie auf, von wegen Prüfung für mich und dass das mal geschehen würde. "Alles guuut". Natürlich kam die Frage, wie das mit dem Küssen sei und ob mich das nicht störe mit einer Fahne. Da muss ich unumwunden gestehen, dass mich Küssen mit Fahne wohl anders triggert, als die Fahne selber ;-) 

Also damit kann ich leben. Anders ist es mit Gerüchen wie Schnaps oder Volltrunkene, wo ich die Fahne schon meterweit vorher rieche. Zu solchen Menschen halte ich einfach Abstand, fange auch kein Gespräch an und halte mich fern. Das stinkt für mich so, wie für Nichtraucher der Zigarettenqualm riechen muss, um mal einen Vergleich zu ziehen. 

Und noch was in eigener Sache: Ich habe ja nun schon des häufiger zusehen können, wie sich die Stadien von nüchtern zu betrunken bewegen. Ich bin immer wieder erstaunt, wie der Alkohol zum Abbau der Verbalität und der Motorik führt. Ich fühle mich dann immer bestätigt, dass es besser ist nicht zu trinken. 

Ich drücke Allen die Daumen, die sich mit dem Thema Alkohol und sich selber auseinandersetzten und wünsche viel Erfolg. 

Heute werde ich mich selber feiern..... :-)

M.

Eine Abschiedsrede aus 2017. Wir haben alle Namen zum Schutz der Personen entfernt.

Sehr geehrtes Hansenbarg Team, geschätzte Mitpatienten und Mitpatientinnen.

Für mich sind die letzten Tage angebrochen und dann ist mein 10-wöchiger Therapieaufenthalt hier vorüber.

Ich habe aus diesem Grund ein paar Zeilen verfasst um mich zu bedanken, Euch an meinen Erfahrungen teilhaben zu lassen und um mich am Ende natürlich sehr gerne von Euch zu verabschieden.

Ich kam Anfang 2017 hier in diese wunderschön gelegene Klinik, nachdem ich über 20 Jahre Rauschmittel in schädlichem Ausmaß konsumiert hatte. Am Anfang war es Cannabis und im Laufe der Jahre kamen Kokain und Alkohol dazu.

So habe ich wie alle Patienten hier den Geist des Rausches zu oft aus der Flasche gelassen und er wollte nicht zurück sondern hat sich stattdessen in meinem Leben und Alltag breit gemacht. Ich war die letzten Jahre nicht mehr imstande selbstbestimmt und frei zu leben. Es war ein Leben im Nebel wo ich mit sehr viel Anstrengungen nur funktionieren konnte. Für zukunftsorientierte Selbstverwirklichung war kein Platz es ging immer nur noch um den Moment!

Das führte dazu, dass ich im letzten Jahr eine psychosomatische Belastungsstörung mit Auto-Aggressionen bekam und mich dazu entschloss meinem Leben eine Veränderung zu geben.

Ich machte einen qualifizierten Entzug im X und danach ging ich für 6 Wochen in die Tagesklinik X. Die Suchtmittel verschwanden aus meinem Körper und ich fühlte mich von Tag zu Tag besser.

In dieser Zeit arbeitete ich daran, den Geist wieder in die Flasche zu bekommen, was mir auch zu großen Teilen gelungen ist.

Nun lassen sich 20 Jahre Konsumverhalten nicht in ein paar Wochen rückgängig machen und ich entschloss mich noch eine Therapie zu machen, um diesen Geist rückstandslos wieder in die Flasche zu bekommen und im besten Fall auch noch mit einem dicken Siegel zu versehen.

So kam ich also in diese Klinik und war fest entschlossen jede Möglichkeit zu nutzen um diese teuflische Krankheit ganz und auch für die Zukunft zum Stillstand zu bringen.

Ich machte zusätzlich zum normalen Therapieprogramm drei Maßnahmen für mich aus, die meinem Leben ein anderes Aussehen und ein neues Lebensgefühl vermitteln sollten:

  1. Ich besuchte gleich von Anfang an die Kaminabende bei Frau X, der ich an dieser Stelle schon mal sehr für ihr Engagement danken möchte!!! Bei diesen Kaminabenden fand ich eine für mich besonders wertvolle spirituelle Unterstützung. Der Glaube an uns selbst steht in direktem Zusammenhang mit dem erreichen unserer Ziele und Wünsche. Der Glaube an Gott oder eine höhere Macht wie auch immer Du sie nennen möchtest ist, in einer Gemeinschaft erlebt, sehr zuträglich wenn man den Glauben an sich selbst wieder erlangen möchte. Das könnt ihr MIR glauben!!!
  2. Ich fing an zu trainieren meinen inneren Schweinehund zu überwinden. Das tat ich indem ich morgens als erstes eiskalt duschte und danach noch vor dem Frühstück einen kleinen Workout machte. Die Überwindung die ich dazu aufbringen musste wurde von Tag zu Tag geringer und so setzte ich jeden Morgen den Akzent, dass ich mich überwinden und aufraffen kann. Unangenehme Dinge die den Tag über noch kamen waren so viel leichter zu meistern. Meine körperliche Leistungsfähigkeit hat sich nebenbei auch natürlich deutlich verbessert. Außerdem trainierte ich meine Leidensbereitschaft in der Sauna indem ich halt nicht beim ersten „boah jetzt aber raus“ nachgab. Ein bisschen aushalten noch sagte ich mir in diesen Momenten. Und ein bisschen ging meistens auch noch!
  3. Ich suchte nach Möglichkeiten wie ich meine bisherigen Gewohnheiten in der Ernährung verändern konnte. So überwand ich meinen bisherigen Ekel und fing an Pilze zu essen. Sie schmecken mir zwar immer noch nicht besonders aber ich kann sie jetzt essen. Jedes Mal wenn ich das tue, überkommt mich ein bisschen der Stolz über mich selbst und mir wird ganz deutlich bewusst, dass es auch anders geht als früher. Außerdem habe ich als bisheriger leidenschaftlicher Fleischesser jedes Mittagessen bis auf zwei Mahlzeiten vegetarisch gegessen und ich sage Euch: Jedes Mal war in mir diese leise Stimme die sagte „Klasse - Du kannst auch anders.”

Natürlich hatte auch ich hier schwierige Tage, so hatte ich mit Anfeindungen, Beleidigungen und auch vorsichtig ausgedrückt übler Nachrede zu tun. In diesen Momenten habe ich gelächelt und mir bewusst gemacht das ich nicht hier bin um zwanghaft Freunde zu finden oder mich in Konflikten zu eskalieren.
Bruce Lee sagte einmal sehr trefflich: Wenn Du angegriffen wirst scheinst Du ja etwas richtig zu machen - denn es wird nur der angegriffen der den Ball hat.


So blieb ich ruhig, vertraute darauf, dass die Therapeuten die Sachlage schon durchschauen und bekam von diesen Menschen die mir zuerst Schaden wollten noch ein Sprungbrett geliefert an dem ich selber wachsen konnte. Geschadet haben sie letzten Endes sich selbst indem sie sich nicht auf ihre Therapie konzentriert haben und die Wahrheit ganz von alleine an das Tageslicht kam.


Wie ihr an diesem Verlauf seht ist nicht jeder Ärger und Stress ein Grund zu verzweifeln und den Mut zu verlieren sondern es ist auch eine Möglichkeit zu lernen und zu wachsen. Eigentlich ist es nur eine Frage der inneren Haltung und das gelebte Bedürfnis seine wahren Ziele nicht wegen der Einmischung anderer aus den Augen zu verlieren.

So liebe Leute das war und ist meine Erfahrung und der Weg meiner letzten 7 Monate, der dazu geführt hat das sich mein Leben jetzt sehr anders und viel besser anfühlt als es noch vor meiner Entgiftung der Fall war.


Ich empfinde mich selber als sehr gut aufgestellt und ich verspüre eine wahre Leidenschaft dafür clean zu bleiben. Mein Verstand ist klar und meine Merkfähigkeit verbessert sich immer noch von Tag zu Tag. Ich brauche mich nicht zu verstecken wenn mir etwas nicht passt, denn ich habe kein Handicap mehr wo ich befürchten muss , dass es aufgedeckt wird wenn ich mal aufbegehre.


Mein Clean sein ist mein größter Schatz und er wird grösser mit jedem Tag. Wenn es darum geht diesen Schatz wieder zu verlieren an dieses leidliche Leben eines Süchtigen, dann werde ich diesen Schatz verteidigen wie eine Löwenmutter ihre Babys, das habe ich mir geschworen.

So und nun am Ende vor meiner kurzen Danksagung würde es mich sehr freuen wenn für den einen oder anderen vielleicht eine Inspiration dabei war, die ihm oder ihr weiter hilft - letztendlich haben wir ja alle das gleiche Ziel! Und Wissen ist dazu da um weitergegeben zu werden. Nun spreche ich noch meinen Dank aus an:
An meine Therapeutin, die mir mit ihrer Auffassungsgabe und ihrer Professionalität sehr viel Selbsterkenntnis und Selbstwertgefühl vermitteln konnte.
An eine weitere Therapeutin, durch die ich gelernt habe, das eine Person im Inneren durch mehrere Mitspieler dargestellt wird. Ich konnte meine benennen und zu wissen wer da gerade das Wort ergreift ist mir in Zukunft sehr hilfreich dabei nachhaltig und kraftvoll zu kommunizieren.
An den Chefarzt, der sich immer Zeit genommen hat wenn man ein Anliegen hatte.
An noch eine andere Therapeutin, die mit ihrer freundlichen und schlagfertigen Art auf alle Fragen eine plausible und zufriedenstellende Antwort parat hat.
Natürlich an meine Gruppe in der ich Verständnis, Freundschaft und Zuspruch erfahren durfte.
Und selbstverständlich allen hier im Haus, die meine Therapie zu einem Erfolg für mich gemacht haben!
So und jetzt schließe ich mit einem Zitat von Erich Kästner:
Auch aus den Steinen die dir in den Weg gelegt werden kannst Du etwas Schönes bauen.

In diesem Sinne:
Alles Gute für Euch!

Reden aus den Jahren 2006 bis 2010

Eine Abschiedsrede von 2007. Die Patientin lebt seit dieser Zeit alkoholfrei, ohne Rückfall. Nach einer qualifizierten Nachsorge besucht sie bis heute regelmäßig 1 x wöchentlich eine Selbsthilfegruppe.

Nur ein paar Gedanken
Als ich 2007 zum Hansenbarg kam, war ich sehr reich. Einen ganzen LKW hatte ich dabei, voll bepackt, als wenn ich umziehen wollte. Was mir nicht klar war, ich würde umziehen, umziehen in eine neue Zukunft.

Was für eine Bereicherung, aber auch was für ein Weg. Es gab viel zu tun, also arbeitete ich daran. Nur, so einen Berg voll unnötiger Dinge, gepaart mit unangenehmen Gefühlen, Ansichten eines Clowns und z.T. das Verhalten eines unreifen Kindes aufzuräumen, ist nicht so einfach. Was ich so alles aufgehoben habe von dem ich dachte: Na ja, vielleicht brauchst Du das noch --- bis hin zu Erinnerungen an gute und schlechte Zeiten.

Was für ein Berg. Zunächst einmal stand ich nun vor dem Chaos meines Lebens, das es aufzuräumen galt. Nur, wo anfangen? Einen Schrank mit leeren Schubladen hatte ich noch. Nur, wie sollte ich sie einrichten und beschriften. Was würde ich wirklich noch gebrauchen, welche Fähigkeiten und Eigenschaften sollte ich wecken und was könnte nun wirklich endgültig ad Acta gelegt, bzw. vergraben werden. Zunächst einmal stellte eine der Therpaeutinnen mir die kleinen Zwerge vor, die leider das Gegenteil von Heinzelmännchen waren und ganz viel dummes Zeug verursacht hatten. Auch der Fiesling hatte mitgespielt. Packen wir‘s an, das nicht überschaubare Problem. Viele hilfreiche Hände kamen von allen Seiten auf mich zu. Was für eine Bereicherung.

Eine weitere Therapeutin sorgte erst mal für die Mülltrennung. Denn schließlich wollte ich die unnötigen Dinge unwiderruflich und richtig entsorgen. Nur damit war es nicht getan. Wie sollte ich denn wissen, was noch wertvoll für mich ist, jedes Gefühl hierfür hatte doch der Alkohol mitgenommen. Gerne wäre ich geflüchtet. Stattdessen sah ich mich auch noch mit meiner Bezugstherapeutin konfrontiert. Puuuh, Auswege suchen war zwecklos! Auch bei Erfinden von Umwegen (das konnte ich schon immer gut!!) stnad sie mir im Weg. Schlimmer noch, je mehr ich aufräumte, desto mehr Chaos und Unrat kam aus meinem LKW zum Vorschein. Als ich mich dann heranwagte, um mich zu beschweren - es reicht jetzt aber, ich will fertig werden - gab sie zur Antwort: Sie finden Ihre Punkte ganz von selbst. Auch das noch, was für eine tolle Bereicherung.

Unter dieser Aufsicht blieb mir nichts anderes übrig als weiter zu machen. So manche Dinge wollte ich nicht verstehen. Doch in den Einzelgesprächen der fragende Gesichtsausdruck: Das meinen Sie jetzt nicht wirklich - bis hin zu einem verneinenden Blick, wenn ich ein Ja sehen wollte. – Puuuh ! ! Anfangs dachte ich dann: Was soll denn das schon wieder, was ist denn hieran therapeutisch wertvoll? Doch mit eigenständigem Nachdenken kam auch das Bewusstsein: Es ist keine ausgedachte Schikane, es ist Fürsorge. Meine Bezugstherapeutin übernahm den Part der Fürsorge für mich, den ich selbst noch nicht sehen konnte. Mit diesem wertvollen Geschenk an der Seite leerte sich mein LKW Stück für Stück weiter. Was für eine Bereicherung.

Die Seele war jetzt in sehr guten Händen, nur was macht der Körper. Auch dieser Kerl meldete sich heftigst zu Wort. Plötzlich merkte ich seine Rückmeldungen, die ich jahrelang mit Hilfe von unserem Fiesling ignoriert hatte. So machte ich mit dem Physiotherapeuten Bekanntschaft, einem kleinen Sadisten. Wobei ich erwähnen muss, dass die beiden Damen in seinem Team nicht viel besser sind. Die Eine: Und jetzt geben wir zum Schluss noch einmal Vollgas. Die andere ließ keinen Versuch aus, auch nur einen Punkt zu finden, der schmerzfrei war. Eines haben die drei jedoch gemeinsam: Sie sind äußerst liebevoll!!! Was für eine Bereicherung.

Jetzt fehlt auch noch etwas Entspannung. Ich lief einer weiteren über den Weg. Sie stellte mir Günter* vor. Was für ein Tag. Fortan war es mit der Nachtruhe vorbei. Dieser innere Schweinehund kam abends in mein Bett und ließ mir keine Ruhe. Eine tierische Motivation in Form eines Buches. Fast alle Mitpatientinnen der Frauengruppe machten ebenfalls mit ihm Bekanntschaft. Er hilft ungemein, Dinge zu erkennen, warum man 1000 Gründe findet, etwas zu tun oder zu unterlassen. Was für eine Bereicherung.

Aber nicht genug des Guten. Körper und Seele sollten jetzt auch noch zusammenarbeiten. Was für ein Ansporn. Beschäftigungstherapie ist angesagt. Auch hier gibt es kein Entkommen: „Ach, Ton liegt Ihnen nicht? Da haben wir noch Holz, Speckstein, Seide, Farben in verschiedenen Variationen anzubieten, für jeden etwas dabei“. Mit gekonnter Anleitung ist sogar bei mir etwas herausgekommen, was man erkennen kann. Was für eine Bereicherung.

Nun fehlte nur noch ein wenig Arbeit. Nicht, dass die bereits entdeckten Dinge keine Arbeit sind, mitnichten, aber wir haben doch noch Kapazitäten frei, die es zu entdecken gibt. Arbeitstherapie in der Hauswirtschaft! Wie groß ist ein großes kleines Kopfkissen im Gegensatz zu einem kleinen kleinen Kopfkissen? Wie lege ich das Betttuch griffbereit zurecht? Wie erkläre ich jetzt, dass das blaue und rote Putztuch nicht in die Küche gehört, das die Nachtbereitschaft gelbe Bettwäsche hat und auf den Tüchern für die Physio Hansenbarg steht. Wird es mir am Freitagnachmittag gelingen ohne nasse Füße den Ort des Geschehens zu verlassen, um Montag wieder von vorne anzufangen, dafür zu sorgen, dass alle gut in ihrer frischen Bettwäsche schlafen. Wie beruhige ich den neuen Patienten, dass das Saunatuch mit der Nummer 13 kein Unglück bringt und wie erkläre ich, dass die Arbeitshose und –jacke nicht vom Designer  entworfen wurden. Mit einer Engelsgeduld und sehr viel Verständnisließ sich die Hauswirtschaftsleiterin trotz all unserer Bemühungen nicht unterkriegen und so ganz nebenbei ist sie dann auch noch in der Nachtbereitschaft, am PC und in der Cafeteria zu finden. Ist in der Küche Not am Mann, ist sie auch da zu finden. Vom Eindecken für Seminare und Besuch ganz zu schweigen. Ihr gilt unser besonderes Dankeschön. Was für eine Bereicherung.

Ein Dank an Euch alle, an alle, die mich geärgert haben. Dadurch habe ich gelernt, damit umzugehen. An die, die ab und zu ein Lächeln oder ein liebes Wort übrig hatten oder einfach nur da waren. Über eine liebe Umarmung, eine fürsorgliche SMS oder Gutenachtwünsche habe ich mich immer sehr gefreut. Was für eine Bereicherung.

Jetzt ziehe ich um in meine neue Zukunft. Zukunft ist das, was ich daraus mache. Mein Kopf ist wieder klar, meine Augen können vernebelte Dinge wieder sehen, meine Ohren können Warnsignale aufnehmen, auch mal eine Anerkennung und auch Kritik annehmen. Wünsche zu äußern, aber auch mich zu wehren, bin ich verbal wieder in der Lage. Meine Hände können wieder kreativ sein, geben und nehmen. Ich stehe mit beiden Füßen - zugegeben wenn auch noch etwas wackelig - auf festem Boden. Mein LKW ist fast leer, eine Schublade in meinem Schrank gibt es noch mit dem Rest zu füllen. Ich weiß jetzt aber, wie ich sortieren muss. Zu guter Letzt habe ich mich am Ende doch noch verliebt, ja, ja wirklich verliebt in ein neues Leben. Mit neugierigen Augen schaue ich auf das Morgen und gehe nun meinen Weg. Was für eine Bereicherung.

Meinem privaten Lexikon habe ich ein Wort für den Begriff Bereicherung zugefügt. Es lautet
Hansenbarg.

Danke und tschüss

* „Günter, der innere Schweinehund“ von Stefan Frädrich, illustriert von Timo Wuerz, erschienen im Gabal Verlag

Abschied vom Hansenbarg (2006)

Hallo, jetzt stehe ich hier, weil es im Leben einige wirklich wichtige Tage gibt. Der heutige gehört dazu und ist unter den wichtigen Tagen, wenn ich zurückdenke, ein ganz besonders wichtiger.

Als ich vor vier Monaten auf dem Hansenbarg ankam, es war ein regnerisches Wetter und das Wasser rann mir von der Stirn, kam ich mir vor wie bei einer Taufe. Als beginne der Eintritt in einer Gemeinschaft als Patenkind, das in einer anderen neuen Welt aufgenommen wurde.

Die ersten Wochen war ich noch sehr unsicher und gewöhnungsbedürftig in dieser neuen Welt. Doch im Laufe der Zeit und mit Hilfe meiner Paten habe ich mich ganz gut eingelebt und zurechtgefunden. Ich habe mit dem Willen, nie mehr zu trinken, dem Alkohol den Kampf angesagt. Durch viele Gespräche mit Therapeuten und vor allem auch in unserer Gruppe sowie in unseren Indikativen Gruppengesprächen habe ich mich und auch euch immer besser kennen gelernt und bin dadurch auch nachdenklicher geworden. Vor allem habe ich mich mit dem Gedanken beschäftigt, wie habe ich bisher gelebt und wie wird meine Zukunft aussehen.

Als nasser Alkoholkranker habe ich mir die Welt schön gesoffen ohne zu merken wie krank ich eigentlich war.

Vorher - war ich ein intelligenter nasser Alkoholkranker!

"Du warst pitschnass!" sagte meine Frau spontan, als wir darüber gesprochen haben!

Und jetzt - bin ich ein intelligenter trockener Alkoholkranker, der seine ersten großen Schritte aus dem Gefängnis Alkohol geschafft hat.

Was ich auch für sehr wichtig halte zu sagen, ist, dass meine Frau auch mit mir zusammen in diesem Gefängnis gelebt hat und wir jetzt zusammen die Freiheit neu kennen und leben lernen müssen!

Ich sehe jetzt auch meine Vergangenheit und mein Verhalten mit ganz anderen Augen und aus ganz anderen Gesichtspunkten.

Ich freue mich auch über die Veränderung die in mir vorgegangen ist. Sei es der Umgang mit anderen Menschen oder dass ich freier und offenherziger über mich zu sprechen vermag. Auch dass ich kein Schamgefühl mehr empfinde, wenn ich außerhalb dieser Klinik über meine Krankheit und Therapie mit anderen spreche. Ich will an dem was ich hier gelernt habe intensiv und hart weiterarbeiten. Auch weiß ich, dass noch ein schwerer Weg vor mir liegt, aber immer mit dem Zielgedanken, nie wieder Alkohol zu trinken und das, was ich bisher erreichte, auch voller Stolz und Freude anderen weitergeben zu dürfen, um auch meine Selbstzufriedenheit zum Ausdruck zu bringen.

Es war für mich eine schöne und erfolgreiche Therapie- und Lehrzeit auf dem Naturpark Hansenbarg.

Dafür danke ich der Klinikverwaltung, den Therapeuten, der medizinischen Abteilung und der Hauswirtschaft. Sie haben mir manchmal das Gefühl gegeben als wäre ich der einzige Patient im Haus.

Danke auch an euch, liebe Mitpatienten. Ich empfand, dass wir eine gute und verständnisvolle Gemeinschaft hatten und würde mich freuen, wenn es auch weiterhin hier so bleiben wird.

Hierzu möchte ich noch ein Zitat von Theodor Fontane einbringen, das jedem von uns immer wieder helfen wird:

"Das Menschlichste, was wir haben ist doch die Sprache, und wir haben Sie, um zu sprechen…."

Ich wünsche uns allen eine trockene Zukunft und ich sage mit leichtem Herzen

ADE und tschüss!!!!

Herr Markgraf schreibt uns heute (2017):

Seit meinem Abschied vom Hansenbarg „lebe” ich die alkoholfreie Lebensweise. Ich lernte die Guttempler in der qualifizierten Entgiftungsstation im Asklepios Klinikum Rissen kennen. Danach besuchte ich die Gesprächsgruppe der Gemeinschaft und nach meiner Langzeittherapie im September 2006 auf dem Hansenbarg war es für mich selbstverständlich, weiterhin die Gruppe zu besuchen. Nebenbei nahm ich noch 6 Monate an einer Nachsorgetherapie teil. 

Nach einem Jahr der Selbstfindung entschloss ich mich, der Guttemplergemeinschaft in Wedel beizutreten. Nach kurzer Zeit übernahm ich die Öffentlichkeitsarbeit und wurde stellvertretender Leiter der Gemeinschaft und leite seit 2009, nach einer 130stündigen Suchthelferausbildung, die parallellaufende Gesprächsgruppe. Im Landesverband der Guttempler in Schleswig-Holstein engagiere ich mich als beratendes Vorstandsmitglied der Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Jahr werde ich meine 10jährige Guttempler-Mitgliedschaft feiern.

Diese Rede ist aus 2010. 

Der Patient ist bis heute in einer Selbsthilfegruppe aktiv und stellt diese auch regelmäßig im Hansenbarg vor. Er empfiehlt: „Man sollte keine große ‚Bespaßung‘ erwarten, sondern sich klarmachen, dass man sich mit sich auseinandersetzen soll, um sich selbst kennenzulernen. Dazu braucht man Ruhe und Zeit.“

"Die stärkste Kraft ist immer eine Idee, wenn die Zeit reif ist!"

Zugegeben, der Satz stammt nicht von mir und es war auch nicht wirklich meine Idee, hier her zu kommen. Es war aber eine gute Idee, denn die Zeit war reif.

Als ich hier ankam, wusste ich nicht was mich erwartet, trotzdem, ich hatte den großen Wunsch, den Zwang, Alkohol zu trinken, zu durchbrechen. Und ich hatte mir fest vorgenommen, es auch zu schaffen. Die erste Hürde, die Entgiftung in Lüneburg, war genommen. Ich hatte endlich zugegeben, dass ich ein Alkoholproblem habe, das Schamgefühl war schon mal besiegt.

Und dann habe ich mich auf "dies hier" voll und ganz eingelassen, nichts in Frage gestellt, nicht gesagt "das funktioniert nicht bei mir", und die Sache mit Silvester und so, werde ich auch schaffen.

Ich habe die Zeit hier genossen, ich hatte Zeit mich kennenzulernen, nachzudenken, ohne dass mein Hirn benebelt war.

Das hatte auch Nachteile. Denn wenn die Zeit hier rum ist, gibt es viel aufzuräumen. Und diesen ganzen Mist konnte ich klar erkennen.

Die Therapeutin hatte in einer ihrer denkwürdigen Stunden gesagt: "Ihr könnt es alles schaffen, was ihr euch auch vornehmt, ihr musst nur euren Popo hochkriegen". Ganz so hatte sie es nicht gesagt, nicht Popo… und auch nicht Hintern, nein, sie war sehr deutlich.

In einer Nacht bin ich plötzlich aufgewacht und habe gedacht, "es alles schaffen, was ist es? Was erwartet mich? Kein Job, Schulden, Haus verkaufen und, und, und! Und hier werde ich jetzt fit gemacht für den Circus Maximus, um mit den Löwen zu kämpfen?

Aber die Krise ging vorbei, die Wolken verzogen sich und ich fing an zu planen, wie die Probleme angegangen werden können.

Mein Dank gilt hier all denen, die dazu beigetragen haben, dass mein Kopf wieder klar geworden ist.

Dazu gehört nicht nur meine Bezugstherapeutin, der ich unendlich dankbar bin, sondern auch der Leiterin der Aufnahmegruppe, die mit aller Klarheit aufgezeigt, was ich ändern muss, wenn mein Leben anders verlaufen soll. Dazu gehören auch alle die, die so wunderbar zuhören können, sei es in der Gärtnerei oder alle anderen, die dafür Sorge tragen, dass der Laden hier läuft.

Und natürlich meine Gruppe, Gruppe II!

Danke