„Ich finde es sehr familiär hier. Man fühlt sich wohl, es macht einfach Spaß, hier zu sein.”

Philip, Dualer Student in der Sozialen Arbeit

Name: Philip

Funktion/ Berufsbezeichnung: Dualer Student Soziale Arbeit

Bereich/ Einrichtung: Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld (Alida Schmidt-Stiftung)

Eintritt: 01.04.2024

Warum hast du dich für dieses Studium entschieden?

Nach der Schule hatte ich erstmal keinen richtigen Plan, was ich machen soll. Dann habe ich ein Freiwilliges Soziales Jahr gemacht, auch schon im Suchthilfebereich, aber eher in einem Wohnheim, wo die Bewohnerinnen und Bewohner mit viel Hilfebedarf bis zum Ende ihres Lebens bleiben. Da habe ich gemerkt, dass mir diese Arbeit Spaß macht. Ich finde die Leute cool und finde es spannend, mehr über sie zu erfahren, ihre Biografien kennenzulernen – auch heftige Biografien, die man sonst nicht kennenlernen würde. Da habe ich gemerkt: Das macht mir Spaß, hier will ich bleiben.

Das duale Studium war am Anfang eher eine Notlösung, aber im Nachhinein würde ich sagen, war das die richtige Entscheidung für mich, um nebenbei praktische Erfahrung zu sammeln. Das ist letztendlich das Wichtigste, neben dem Studium selbst.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Mein Arbeitsalltag ähnelt dem des therapeutischen Teams, nur dass ich eher so eine Art Überblick über alle Leute habe. Ich merke, dass die Kolleginnen und Kollegen durch die Bezugstherapie primär mit ihren eigenen Rehabilitandinnen und Rehabilitanden vertraut sind, während ich eher einen Allround-Blick habe und von jedem ein bisschen was mitbekomme. Ich nehme außerdem an verschiedenen Gruppenangeboten teil. Mein Schwerpunkt in der Adaption liegt aktuell eher auf dem Praktikum: Die Rehabilitandinnen und Rehabilitanden müssen hier ein Praktikum absolvieren, das ich begleite. Ich mache auch Sozialberatung. Da können die Leute zu mir kommen, wenn sie Anträge stellen wollen, etwa für Eingliederungshilfe oder beim Jobcenter.

Wie läuft dein Studium ab – was passiert neben dem Arbeitsalltag?

Ich bin wöchentlich zwei Tage in der Uni und drei Tage im Betrieb. Klassische Semesterferien gibt es nicht. Wenn zwischen den Semestern keine Uni ist, arbeite ich Vollzeit, kann dann aber auch Urlaub nehmen. Das Studium ist in insgesamt sieben Semester aufgeteilt. In jedem Semester habe ich fünf verschiedene fachspezifische Module, von Pädagogik über Forschungsmethoden bis hin zu Sozialpolitik. Es gibt außerdem Prüfungswochen, für die ich hier freigestellt werde.

Es gibt ja auch das Blockprinzip, bei dem man zum Beispiel drei Monate arbeitet und drei Monate an der Uni ist. Mir gefällt das jetzige System aber besser, weil man bei dem Blockprinzip im Arbeitsalltag immer wieder raus ist und die Leute dann auch schon wieder nicht mehr so gut kennt. 

Wie unterstützt dich die Alida Schmidt-Stiftung als Praxisstelle dabei?

Ich bin auf sehr froh, dass ich überhaupt eine Vergütung bekomme. Das System ist hier so, dass die Uni relativ viel kostet und das vom Ausbildungsgehalt abgezogen wird, am Ende bleibt trotzdem noch etwas übrig. Ich kenne auch andere Studierende, die gar nichts bekommen. Deswegen war ich erstmal beruhigt, sonst könnte man sich das Leben nicht so leisten oder müsste zusätzlich arbeiten.

Zwischen Uni und Arbeitgeber gab es bei mir keine Probleme, das lief immer gut zusammen. Mit meinem Praxisanleiter bin ich zufrieden, ich kann immer zu ihm kommen, wenn etwas ist, wir verstehen uns gut. Wir sitzen Tür an Tür, sodass ich alles vom Arbeitsalltag mitbekomme. Ich bin in meinem Team eingebunden, bin bei allen Teamsitzungen dabei und gehe mit zur Supervision. Ich bin ich sehr zufrieden. Ich glaube, ich hätte es nicht besser treffen können.

Gab es einen besonderen Moment, den du so schnell nicht vergisst?

Ich bin noch nicht so lange in diesem Berufsfeld, deshalb kann ich keinen einzelnen Moment benennen. Ich würde sagen, es ist eher die ganze Erfahrung, die besonders ist: zu sehen, dass es wirklich krasse Schicksalsschläge gibt. Jeder hat seine eigenen Probleme, aber es gibt trotzdem Menschen, die deutlich größere Probleme haben als man selbst. Ich finde es wichtig, diesen Perspektivwechsel zu haben und zu sehen, wie Armut heute wirklich aussieht.