„Ich arbeite in den Stiftungen, weil wir hier ein sehr großes Maß an Freiheit haben, unsere Arbeit selbst zu gestalten, und wir als Team fachlich auf Augenhöhe arbeiten.”

Benjamin, Sozialpädagoge in der Suchthilfe

Name: Benjamin
Funktion/ Berufsbezeichnung: Sozialpädagoge, Praxisanleiter
Bereich/ Einrichtung: Therapeutische Gemeinschaft Jenfeld, Adaption
Eintritt: 01.10.2012

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Der ist eigentlich bei uns in allen therapeutischen Teams ähnlich. Wir haben einerseits die Bezugstherapie, das bedeutet, wir haben einen Behandlungsplan mit unseren Rehabilitandinnen und Rehabilitanden, in dem es darum geht, was in der Gesamtdauer der Behandlung passieren soll. Da geht es häufig um Wohnungssuche, Arbeitssuche, Anbindung an das Gesundheitssystem oder an Transferleistungsgeber wie Bürgergeld.

Darüber hinaus geht es morgens im stationären Setting immer erstmal darum, was tagesaktuell ist: Was gibt es aus der Nacht, was gibt es aus dem Spätdienst? Es gilt immer der Grundsatz, dass Krisen Vorrang haben – bei uns in der Hauptsache Rückfälle oder psychische Krisen, zum Beispiel bei jemandem mit depressivem Erleben. Danach richtet sich der Alltag ein Stück weit. Wenn jemand einen Rückfall hat, wird das tagesaktuell behandelt. Ansonsten arbeiten wir alle als Gruppen- und Einzeltherapeuten: Es gibt die Einzeltherapie, in der die individuellen Themen bearbeitet werden, und die Gruppentherapie, die je nach Segment ein bestimmtes Angebot biete.

Was bedeutet dir deine Arbeit?

Ich finde sie sinnhaft und sie macht mir Spaß. Ich bin eigentlich Quereinsteiger, komme ursprünglich aus dem Handwerk und habe nebenbei ehrenamtlich gearbeitet. Dabei habe ich früh gemerkt, dass mir die Arbeit mit Menschen mehr Spaß macht. Ich habe kein Interesse daran, in starren Produktionsverfahren zu arbeiten, ich bin deutlich prozessorientierter als ergebnisorientiert. So bin ich in der sozialen Arbeit gelandet. Der Bereich Sucht war eher Zufall, mich hat vor allem Atmosphäre dieses Hauses sehr begeistert. Ich komme ursprünglich aus der Behindertenhilfe und dem psychiatrischen Bereich.
Was ich an der sozialen Arbeit außerdem sehr mag: in einem multiprofessionellen Team zu arbeiten und sich als Behandlerteam zu begreifen, das gemeinsam versucht, mit einem Menschen die Lebenssituation zu verbessern.

Gab es einen besonderen Moment, den du so schnell nicht vergisst?

Es gibt natürlich auch die schwereren Momente – wir hatten hier im Haus schon einen Suizid, ich habe selbst schon einmal jemanden tot im Bett aufgefunden. Das kennt wahrscheinlich jeder, der im sozialen Bereich arbeitet.

Um aber einen positiveren Blick draufzuwerfen: Mich begeistert im Alltag immer wieder, aus welch schwierigen Verhältnissen, Biografien und Schicksalsschlägen manche Menschen kommen und wie sie sich wieder herausarbeiten – mit der Unterstützung, die wir anbieten, über Wohnungen, Therapie oder die Grundversorgung in der Vorsorge. Es ist immer wieder erstaunlich, wie viel Kraft in jedem Menschen steckt und dass es immer möglich ist, etwas zu verbessern. Bei Leuten, die hier einziehen und bei denen man erstmal denkt, wie gezeichnet oder schwerkrank sie sind, zu sehen, dass sich innerhalb von zwölf Wochen trotzdem etwas zum Positiven verändern kann. Das berührt uns immer wieder alle.

Das motiviert auch bei der Arbeit, denn die Suchtarbeit hat ja eine recht hohe Misserfolgsquote, etwa zwei Drittel werden rückfällig. Umso schöner ist es, das eine Drittel zu begleiten. Gerade jetzt hat zum Beispiel ein Patient aus der Sozialen Reha seine Zwischenprüfung zum Garten- und Landschaftsbauer bestanden und mir sein Zwischenzeugnis gezeigt. Das sind dann die schönen Momente.

Wie unterstützt dich die Alida Schmidt-Stiftung als Arbeitgeberin?

Ganz konkrete Unterstützung bekommen wir über Fortbildungsangebote, zum Beispiel die Finanzierung der Suchttherapieausbildung. Das ist auch die erste Einrichtung, in der wirklich erwartet wird, dass man regelmäßig auf Fortbildungen geht. Das ist für eine Einrichtung ja normalerweise eher ein Kostenfaktor und habe ich bisher anders erlebt. 
Was mir persönlich aber noch wichtiger ist: Wir haben viel Freiraum und Selbstbestimmung im Team, unsere Arbeit zu gestalten, gerade bei fachlichen Fragen. Es geht dabei gar nicht mehr so sehr um große Stiftungs- oder betriebliche Fragen, sondern wirklich darum, wie wir zum Beispiel unsere Therapiegruppen inhaltlich gestalten wollen oder wie wir mit einem Rückfall umgehen. Da sind wir im Haus ziemlich unhierarchisch und das schätze ich sehr.

Und am Ende ist es, weil es eine Stiftung ist, auch ein sicherer Arbeitsplatz: Das Gehalt kommt pünktlich und die Beträge stimmen, das ist auch nicht unwichtig.

Warum arbeitest du hier in den Stiftungen?

Ich arbeite in den Stiftungen, weil wir hier ein sehr großes Maß an Freiheit haben, unsere Arbeit selbst zu gestalten, und wir als Team fachlich auf Augenhöhe arbeiten. Diese Atmosphäre und dieses Miteinander habe ich so in keiner anderen Einrichtung erlebt. Die Patientinnen und Patienten sagen selbst oft, dass man diese Gemeinschaft im Namen des Hauses spürt. Der ein oder andere würde deswegen sogar gerne wiederkommen – das wünscht man natürlich niemandem, aber es zeigt trotzdem, wie das Miteinander hier ankommt.